nicht ein Bienchen , sich in seinem Haar verwirrend , böse würde , und hockte auf die Erde nieder neben den Fluglöchern und sah zu , wie die Bienen eilig herauskamen aus dem Dunkeln und an den Rand des Flugbrettes liefen und sich in die Lüfte ließen , und wie die beladenen Arbeiterinnen zurückkehrten und schwer auf dem Brettchen niederflogen und langsam in den Stock zurückgingen , Honig und Blütenstaub dort abzulegen . Wenn ein rechter Arbeitstag war , und die Sonne schien warm , und vom Grasgarten her duftete der Klee , so war ein wunderbares Gesumm in der Luft , dann hätte er stundenlang zuhören mögen ; voll mit fleißigen Bienen waren die Flugbrettchen besetzt , und die Wachtposten untersuchten eine jede , ehe sie in den Stock durfte , und ein Lichtstrahl fiel in das Dunkel des Kastens , in dem war gleichfalls ein Summen und Tosen von fleißiger Arbeit . So saß Hans neben den Fluglöchern , und mit unbestimmten Träumereien dachte er an das Fliegen in der funkelnden und blitzenden Luft und stellte sich vor , wie es sein müßte , wenn er selbst so klein wäre und so flöge , wie unendlich groß und weit ihm dann alles erschiene , und wie die ganze Welt anders wäre ; und ein sonderliches Behagen überkam ihn durch Sonnenschein , Bienensummen und Kleeduft . Der Lehrer hatte ein Buch , darin waren alle Tiere abgebildet . Da war der Löwe , der Tiger , der Affe , und dann die Meerungeheuer , der Hammerfisch , der Sägefisch , der Walfisch ; da war gezeichnet , wie die Menschen in einem kleinen Boot zu dem Walfisch heranrudern und die Harpune auf ihn schleudern ; das war grausig anzusehen , wenn man dieses kleine Boot verglich mit dem ungeheuren Walfisch . Ach , so weit war die Welt , so weit ! Unter den Bergen dehnte sich das flache Land hin mit großen Städten , Flüsse zogen , und das weite Meer war da und Inseln und andre Erdteile ; hier aber war ein enges Tal , auf dessen Grund ein Wässerlein plätscherte , in dem wohnten Menschen ; und er selbst , Hans Werther , wohnte oben , im Wald ; aber noch höhere Berge gab es , über seines Vaters Hause , von denen man weit sehen konnte ; das Forsthaus aber stand inmitten der Tannen und hatte keinen Ausblick . Die Stunden beim Pastor hatte Hans gemeinsam mit Karl Gleichen , des Pastors Schwestersohn , den der alte Mann zu sich genommen . Karl Gleichens Eltern waren schon lange tot , nach einem traurigen und schmerzenreichen Leben . Der Pastor hatte mit einer Schwester zusammengewohnt , die war dreißig Jahre jünger wie er , welcher der älteste von den Geschwistern gewesen , und ein wahres Nesthäkchen , das geboren wurde , als zwei der Geschwister schon verlobt waren . Von allen der ganzen Familie wurde sie verhätschelt und verzogen , und sie hatte auch eine schwache Gesundheit ; am meisten aber liebte sie der Älteste , der sie auch zu sich nahm , wie die Eltern starben , da sie eben aus den Kinderjahren gewachsen ; er erzog sie völlig , wie er es verstand , als guter , wunderlicher und unbeweibter Mann , und sie befahl ihm und führte seine Wirtschaft . Ein reizendes Mädchen war sie gewesen , immer fröhlich und zwitschernd , wie Milch und Blut war ihr Gesicht , und die schwere Last ihres Haares leuchtete gelb wie reifer Roggen . Und am besten stand ihr , daß sie so ein verzogenes Kind war , dem alles immer nach Wunsch gegangen , und sie wußte das auch , daß ihr das stand , und daß die Leute sich über sie freuten . Dazu hatte sie seltene Gaben in ihrem zierlichen Körperchen , das so recht war wie eine wehende Flocke ; zu Weihnachten und zu den Geburtstagen dichtete sie niedliche und zarte Verschen , welche sie die kleinen Kinder im Dorf lehrte , daß sie bei einer gemeinsamen Aufführung sie im Pfarrhause aufzusagen wußten ; einmal hatte sie zwei ganz Kleine als Lämmer verkleidet , die nur mit ihren Schwänzchen wackelten , weil sie noch nichts sagen konnten . Nun wohnte im Nachbarstädtchen eine Predigerswitwe , ein beständig klagendes und sich sorgendes armes Mütterchen . Die hatte einen einzigen Sohn , der ungeraten war und schon auf der Schule nicht hatte guttun wollen , sondern entlaufen war , und hatte sich als Schiffsjunge annehmen lassen . Wie es ihm aber auf der See nicht schmecken wollte , so war er bald in abgerissenem Zustand zu seiner Mutter zurückgekommen , und da gab sie ihn nach vielen Ratschlägen in ein Bankgeschäft zur Lehre , aber nach einem halben Jahre mußte sie einen großen Schaden vergüten , den der Junge angerichtet hatte , und erhielt den dazu wieder zurück . Nach diesem trieb sich der eine Weile in dem Städtchen herum , dann war er plötzlich verschwunden ; und am Ende , nach Jahren , kriegte die Mutter einen Brief von ihm aus Amerika , daß er in einer großen Stadt als Kaufmann lebe und zu guten Verhältnissen gekommen sei ; dann kam er selbst auch zum Besuch seiner Mutter , als ein hochgewachsener Mann mit blondem Kinnbart , der einen grauen Zylinder trug . Er sah nicht gerade wohlhabend aus , aber auch nicht armselig , und wenn er zwar wohl viel log und aufschnitt , so glaubten die Leute doch , daß er sich gebessert habe und zu derjenigen Ehrbarkeit gekommen sei , die einem Solchen erreichbar werde . Es stellte sich heraus , daß er drüben Soldat gewesen war und in einem Indianergefecht einen Schuß durch die Hand bekommen hatte , wofür er jeden Monat eine Pension bezog . Wie es sich mit seinen eigentlichen Geschäften verhielt , wurde nicht recht klar , indem er erklärte , die Verhältnisse seien drüben anders , und sein Geschäftszweig , der eine Art Vertretung