hinlegen , um die aufgehobene Hand des Mörders , wenn er zustoßen will , zu ergreifen und festzuhalten , damit er vollständig zu überführen sei . « » Hm ! Vielleicht thäte ich es ! Davon kann aber jetzt keine Rede sein . Der Bluträcher darf nicht ahnen , daß er sich vollständig verraten hat . Es muß alles sorgfältig vermieden werden , was den Gedanken in ihm erwecken könnte , daß man seine Anwesenheit kenne und auf ihn vorbereitet sei . Darum dürfen wir nur so viel Personen in das Vertrauen ziehen , wie unumgänglich nötig sind . Kein weiterer darf etwas erfahren . Wie viele Wege giebt es nach hier herauf ? « » Nur den einen durch das Thor , « antwortete der Pedehr . » Keinen verborgenen Schleichweg ? « » Keinen . Niemand kann über die Riesenmauer . « » Also ist es auch für niemand möglich , anders als durch das Thor zu entfliehen ? « » Für keinen Menschen . Und das Thor wird ja geschlossen . « » Man lasse es heut offen , damit der Multasim nicht darüberzuklettern braucht . Wir wollen ihm und seinen Begleitern das Kommen möglichst erleichtern , damit sie dann um so sicherer nicht ohne unsern Willen wieder fortgehen können . Ich meine , daß sie sich alle drei durch das Thor schleichen werden . Die beiden andern verstecken sich an einem passenden Orte , dem Multasim erforderlichen Falles beispringen zu können . Dieser setzt seinen Weg allein fort . Am Thore müssen sich handfeste Leute verbergen , welche die Perser zwar herein aber nicht wieder hinaus lassen dürfen . Doch haben sie alles so still zu unternehmen , daß sie es uns nicht etwa verderben , hier oben den Multasim zu ergreifen . Hier bei uns genügen fünf bis sechs Personen , welche sich in den dunkeln Hintergrund der Halle zurückziehen , um den Mörder , sobald er sich hereingeschlichen und das Lager erreicht hat , zu packen . Wir haben schon um des Hadschi Halef willen das Geräusch zu vermeiden . Ich möchte gern haben , daß der Multasim in lautloser Stille überwältigt wird . Ich bin natürlich auch da , wenn ich auch nicht mit zugreifen werde . Wollt Ihr dabei sein , so ist es recht , denn da werden Eure Leute sich doppelte Mühe geben , alles richtig zu machen . Dort hinter der Thür müssen im Hausgange einige Personen mit brennenden Lichtern postiert sein , damit die Halle im gegebenen Augenblick sofort erleuchtet werden kann . Das ist es , was ich zu sagen habe . Hat jemand einen andern Wunsch ? « » Nein , « antwortete der Pedehr . » Denkst du , daß der Bluträcher uns lange warten lassen wird ? « » Gewiß nicht . Seine heutigen Begleiter kennen sicher alle seine Unternehmungen . Sie warten mit größter Neugierde auf seine Rückkehr . Auch den Mann mit den vier Pferden läßt er wohl nicht gern lange Zeit allein , weil jeden Augenblick sich eine Störung oder gar Entdeckung ereignen kann . Wie ich schon gesagt habe , so denke ich auch noch jetzt : Wenn kein Licht mehr hier oben brennt , wird der Multasim annehmen , daß wir schlafen , und sich unverzüglich an das Werk machen . « » Wohlan , so wollen wir uns beeilen . In zehn Minuten soll alles zu seinem Empfange bereit sein . Gehst du einstweilen wieder hinauf in deine Wohnung , Effendi ? « » Nein . Ich bleibe hier . « » So erlaubt , daß ich euch verlasse , die Vorbereitungen zu treffen ! « Er entfernte sich . Der Ustad ließ zwei Kissen bringen , auf welche wir uns an der Hinterwand niedersetzten , doch so , daß ich die drei Bogenöffnungen an den Säulen im Auge hatte und den Multasim , wenn er kam , sehen konnte . Kara war wieder zum Bette seines Vaters gegangen . Der Bote und sein Sohn hockten sich in unserer Nähe nieder , um im gegebenen Augenblicke mit zuzufassen . Dann kam der Pedehr mit noch vier kräftigen Männern , die sich in der hintern Ecke versteckten . Jenseits der Thür hielten einige Personen brennende Lichter . Dann wurden die unsern alle ausgelöscht . Da dachte ich an meine Lampe oben . Sie brannte ja , und ihr Schein mußte unten im Duar gesehen werden . Ich sagte das dem Ustad , der sich sofort erhob , um hinaufzugehen und sie selbst auszulöschen . Als er dann wieder kam , war alles bereit , denn der Pedehr hatte dafür gesorgt , daß sogar in der Küche alles finster war . Es schien sich jedermann im » hohen Hause « niedergelegt zu haben . Der Bluträcher konnte erscheinen ! War es nicht vielleicht sonderbar , daß ich herzlich wünschte , daß er kommen möge ? Man soll doch nicht das Verlangen in sich tragen , daß sich einem das Verbrechen nahe ! Aber nicht bloß das Denkvermögen , sondern auch das Gefühl hat seine Erwägungen , wenn man die logische Folgerichtigkeit derselben auch nicht so deutlich nachzuweisen vermag . Und wenn ich die Empfindung in mir trug , daß ich den Multasim herbeiwünschen müsse , so hatte sie jedenfalls ihren guten Grund . Der Bluträcher lebte ; er war vorhanden . Seine Absichten richteten sich gegen mich . Sie konnten mir nur dann gefährlich werden , wenn ich auf seinen Angriff nicht gefaßt war . Ich hatte nicht ihn selbst , sondern nur die plötzliche Ueberrumpelung zu fürchten . Heut nun , jetzt , war ich auf ihn vorbereitet . Führte er seinen gegenwärtigen Plan nicht aus , so entwand er sich der Gewißheit , festgenommen zu werden , und zog alle meine Vorsicht , welche ich zu üben hatte , mit sich in die Ungewißheit hinaus . Darum mußte ich wünschen , daß nichts eintreten möge , was ihn verhindern könne , jetzt bei seinem Vorhaben zu bleiben .