spricht von dir in Ausdrücken ! Und ich selber muß dir sagen , daß ich deine Schrullen niemals billigen kann . Ich sage absichtlich Schrullen , um dich nicht zu kränken . Aber geh sie in Gedanken durch , die Mädchen unseres Kreises , deine Schulfreundinnen - sie alle sind längst gut versorgt , haben schon zum Teil Familie , machen ihren alten Eltern Freude ! « - Ja , ja , Mama , du hast recht ! Ich bin » unversorgt « , noch immer auf der Schulbank , lebe von eurem Gelde statt von dem eines Mannes , bin ohne Familie , mache euch keine Freude , oh nein , nur Kummer , nur Sorge , nur Aerger - - Verzeihe mir ! Es thut mir ja so leid , aber ich kann doch nun nicht anders ! ich konnte nicht auf diese Weise glücklich sein . Ich mußte einen andern , einen neuen Weg suchen . Hättet Ihr Zutrauen zu mir , du und Papa - Oh , nein , Ihr habt nie Zutrauen zu mir gehabt . Ihr habt mir immer » Stroh « gesagt ... Und mir ahnt , daß du mich verlassen wirst , Mama , ganz verlassen , daß es dir zu schwer werden wird , diese Heimlichkeit und diese Verantwortung vor Papa . Ich erwarte schon so etwas . Ich bin zu glücklich hier gewesen , das kann nicht dauern . Eines Tages werde ich ohne Geld sein , ganz ohne Hülfe . Ja , ich fühle , das kommt noch einmal . Ich träume davon und fahre erschrocken auf . Wenn ich nicht so leichtsinnig wäre , dächte ich noch öfter daran und ängstigte mich auch wohl . So ängstige ich mich nur zeitweilig , denn ich muß immer an so viel anderes denken . Meistens denke ich daran , was ich thun kann , wenn ich ausstudiert habe , wie ich dann den Frauen helfen kann . Denn ich glaube , man wird unbeschreiblich viel zu thun haben , ich meine zu helfen . Die Frau ist überall als Null behandelt . Und wenn nicht als Null , dann als böses Prinzip gradezu . Da steht in der Zeitung eine Notiz , ganz kurz : Ein Vater ist der Verderber seiner eigenen sechzehnjährigen Tochter geworden . Das Gericht verurteilte den Vater zu zwei Jahren Zuchthaus , die sechzehnjährige Tochter zu acht Monaten Gefängnis ! Ich würde diese Geschichte niemals glauben , wenn ich sie nicht selbst gesehen hätte . Ich kann sie nicht los werden . Sie folgt mir auf Schritt und Tritt . Starre , thränenvolle , verzweifelte , sechzehnjährige Augen sehn mir nach , wo ich stehe und gehe . Sie sind nicht nur verzweifelt , auch so fragend , so verständnislos starren sie . Und auch ich verstehe nichts ; ich sehe eine fürchterliche juristische Grausamkeit , die Bestrafung eines Opfers unausdenkbar schrecklicher Familienverhältnisse , und ich zergrüble mir den Kopf , wie ein Gesetz dieser Art , das aus einem Opfer einen Mitschuldigen macht , je entstehen konnte , und der Ausfluß welches Geistes solch ein Gesetz wohl sein mag ? 20. Februar . Einen Traum hab ' ich geträumt , geh ' noch jetzt herum wie im Traume . Ich sehe einen Gerichtssaal . Vor den Schranken , tief verhüllt , tief gebeugt , ein blutjunges Weib . Ihre Kleider sind zerissen und beschmutzt , wie durch die Gosse geschleift , alle haben sich von ihr zurückgezogen , als ginge Ansteckung von ihr aus , alle , Männer und Frauen . Aber oben , vor den Richtern steht noch eine Frau , eine schöne , schwarzlockige Portia . Ja , sie heißt Portia und ist eine junge Advokatin . Sie trägt aber kein Männergewand , wie die Portia im Kaufmann von Venedig ; nein , ein schlichtes schwarzsammtenes Frauenkleid . Ihre Augen scheinen ruhig die Welt zu mustern , die sie umgiebt , und doch zugleich in Vergangenheit und Zukunft zu blicken . Sie beginnt zu reden ; ein feines , schalkhaftes Lächeln auf den Lippen , spricht sie zu den Männern : Einmal hat Portia die Freude und die Ehre gehabt , den geliebten Mann zu verteidigen und ihn durch ihre Beredsamkeit zu retten . Es war ein schöner Tag für Portia , und ewig wird sie sein in Freude gedenken . Heut ist ein andrer Tag . Heut ist ein andrer Schrei an Portias Ohr gedrungen , ein dumpfer , halberstickter Verzweiflungsschrei aus zu lang von ihr selbst übersehenen , nicht gekannten Tiefen . Ihr Gesicht verwandelt sich plötzlich . Das feine Lächeln verschwindet , ein frommer , begeisterter Glanz verbreitet sich über ihre Züge , sie erstrahlen in überirdischer Verzückung . Auch ihre Stimme ist verwandelt , warm und bebend ; so beginnt sie : Divide et impera ! Teile und herrsche ! So hat bis jetzt das Losungswort der Männer gelautet , gegenüber uns Frauen . Der einen Hälfte öffentliche Achtung , der andern öffentliche Verachtung , und beiden gemeinsam » Liebe « und - Geringschätzung ! Wohlan , ahmen wir nach , nur mit besserem Grund , nur mit logischer Konsequenz ! Divide et impera ! Da fliegt mein Handschuh ! Den guten Männern unerschütterliche , dankbare Freundschaft , - den Feinden unseres Geschlechtes Herausforderung , Kampf und Vernichtung ! Wer aber sind die Feinde unseres Geschlechts ? Nun , alle Diejenigen , die im Weibe nur ein Genußmittel für den Mann erblicken , und die uns in Folge davon unser Menschenrecht , das Recht der freien Entwicklung unserer Individualität noch heute verkümmern oder gar abschneiden wollen . Wohl verstehen wir , was historisch geworden , was sich als unabsichtliche Folge darstellt , aber wer den Namen eines Lebendigen tragen will , der komme uns nicht mehr mit verschimmelter Mumienweisheit , sondern stärke und kläre seine Augen am Licht des heutigen , des gegenwärtigen Tags ! » Wir , wir leben ! Unser sind die Stunden . Und der Lebende