nachgerade schon völlig danach aus , als ob Cathri im Pfauen regierte . « Er lenkte zum Dorf hinaus , planlos dem Weg folgend , den Rain hinab durch die Kirschenallee nach der Eisenbahn , wo er den Schienenübergang gesperrt fand . » Ihr mögt noch bequem hinüber , Herr Reber « , knurrte freundlich der Bahnwärter und hob die Schranken . Jenseits des Geleises aber kam ihm Conrad zuvor , indem er mit dem Pferde schlank über den Balken setzte , in zwiefältigem Ruck , jäh in die Höhe , zurückhaltend hinab . Dann strebte er weiter , zwischen Station und Stations-Pintenwirtschaft hindurch . Von rechts her warf ihm der Stationsvorsteher einen launigen Gruß nach , den er im selben Stil erwiderte : » Glückliche Reise , Herr Batteriekommandant . « » Viel Vergnügen , Herr Betriebsdirektor . « Gegenüber , zur Linken , vor der Pinte , stand die Neuberin , die Schankwirtin , ein Büblein auf dem Arm , das ihn mit übermäßigen Augen bewundernd anstarrte . » Hast dus gesehen ? « lachte sie dem Kinde in die Augen , das sie wie ein Spreuerkissen schüttelte , um seinen Geist aufzurütteln : » Hast dus gesehen , das Rößlein , wie er mit ihm über den Balken sprang , der Herr Pfauenwirt ? « » Hü ! hü ! « lallte das Büblein , aufjuckend , dann ließ es ein widerspenstiges Geschrei los , denn die Neuberin fraß ihm vor Wonne das Gesicht . Hinter dem Gartenhag aber , unter dem blühenden Kastanienbaum , lungerte die Jucunde , die sogenannte Nichte der Neuberin , mit ihrem unsinnigen Strubel , endlos , weglos und verirrlich wie ein Urwald . Sie machte Augen wie Pflugrädlein , rührte sich jedoch nicht , außer daß sie an den Fingernägeln kaute . Einen brandzündigroten Rock trug sie heute zur Schau , aber natürlich wie immer ohne Gestalt noch Gürtel , sondern bauschig wie ein Schlafrock . Es fehlten zur Hauderin nur die bloßen Füße . Er vermied geflissentlich , die eine oder die andere zu grüßen , sondern trieb abgewandten Blickes vorüber . Endlich vorn auf der Landstraße angekommen , in welche sein Weg mündete , schlug er einen Trab an , in der Richtung nach dem Kurbad . Bald indessen verkürzte er die Zügel . Denn seine Gedanken waren daheim geblieben , und die holten ihn nun wie mit langen Hacken ein . Wozu auch vorwärts trotten ? Irgendwohin begehrte er nicht ; und nachdem er bewiesen , daß über die Lissi er allein zu verfügen habe , war sein Zweck erfüllt . Die Hauptsache aber war : die Gefahr , die seiner zu Hause wartete , zog ihn an . Er spürte : was ein rechter Mann ist , schiebt die Schwierigkeiten nicht in die Zukunft und weicht dem Kampf nicht aus , sondern stellt ihn . Er kehrte also um , den zurückgelegten Weg eilends wieder auflesend , so daß er in wenigen Minuten abermals den Bahnübergang erreichte . Diesmal war soeben ein Zug eingefahren , ein zweiter von unübersehbarer Länge hielt auf der Talseite vor der Signalstange , auf das Zeichen zur Einfahrt harrend . Da schöpfte er einen ansehnlichen Vorrat Geduld , verlängerte die Zügel und wartete vor dem Schlagbaum , wobei die Lissi mit schmunzelnden Nüstern neugierig nach dem Wagenfenster schnupperte , als wollte sie sagen : Kann mir vielleicht einer von euch ein Schnupftuch leihen ? Es war ein Wagen zweiter Klasse . Gelangweilte Gesichter stierten ihm daraus entgegen , stumm und mürrisch , als ob sie nächstens bellen wollten . Nein , ganz unparteiisch , die Lissi hatte entschieden ein menschlicheres Gesicht . Nebenan aus der dritten Klasse lärmte Fußstampfen , Gejohl und Blechmusik . Köpfe bockten durch die Fenster aus und ein , mit heftigen , überschüssigen , unzweckmäßigen Bewegungen ; verdutzte Rudel schossen die Treppe auf und nieder , wobei sich Zusammenstöße ergaben . Allmählich aber hefteten sich alle Blicke auf ihn , den einsam ragenden Reiter , um die zehntausendjährige Neuigkeit zu bestaunen , daß ein Zweibein auf einem Vierbein sitzt . Da er jedoch nicht aufgelegt war , sich von dem müßigen Reisevolk wie ein Jahrmarktswunder anglotzen zu lassen , drehte er sein Pferd um , das Hinterteil dem Wagen zugekehrt . » Conrad « , rief ihn eine bekannte Stimme aus einem der hintersten Wagen an : » Bist du heute abend gegen sechs Uhr daheim ? « Es war Leutolf , der Leutnant der Waldishofer Feuerwehr . Sein silberner Helm mit dem purpurroten Haarbusch glitzerte weithin ; neben ihm kamen messingene Helme in großer Zahl zum Vorschein . » Warum ? « fragte Conrad zurück . » Wir machen nämlich einen Ausflug nach Rubisthal , zu Ehren der Spritzenmusterung , und denken auf dem Rückweg im Pfauen einzukehren . « » Ja « , beschied er nach einigem Zögern , da er keinen vernünftigen Grund hatte , nein zu sagen . Auch mochte er die Waldishofer als wackere , pflichttreue Leute besonders wohl leiden . Aus der vorderen Hälfte des Zuges , nahe der Lokomotive , winkte unablässig ein Taschentuch , bis ihm endlich die Ahnung aufdämmerte , das flatternde Fähnchen könnte möglicherweise ihm gelten . Wie er dann Front danach machte , erkannte er die Base . » Leb wohl , Conrad ! « schrie sie ihm zu , mit überschnappender Stimme . » Mach dich lustig ! Und bessere dich ! - Du nimmst dich gut aus auf deinem Rößlein . - Ja , reiten und soldäteln und dergleichen brotlose Künste , das muß man dir lassen , die verstehst du aus dem ff. Hingegen mit dem Pflug zu Acker fahren , gelt , das ist dir zu gemein , zu schmutzig ? « So von weitem erschien ihm jetzt die Base lieblich und traut , so daß ihm ganz heimatlich ums Herz ward . Und da sich eben der Zug mühsam in Bewegung setzte , rief er zurück , mit der Hand winkend :