aus blankem Messing , das neben dem Herde hängt , blitzt und funkelt . Die grün und blau gesprenkelten Honiggläser glitzern hinter dem Pumpenschwengel . Die große Stahlschaufel lehnt am Türpfosten . Die blau und rot gestickten Leinentücher baumeln - etwas schmutzig sind sie - über dem Kehrichteimer . In den Eiseimern taut das Eis . Es ist so schrecklich ruhig in der großen Küche des reichen Said . Eier quirlen soll der Dichter schließlich . Er tut es und denkt daran , wie er die kleine Öllampe mit dem langen Docht an der Schnauze zum ersten Mal in einer dunklen Nacht hier in der Küche brennen sah - er half da der Tarub noch die vielen Löffel putzen . Als er mit dem Quirlen fertig ist , will er die kleine Öllampe , die zwischen kleinen lila gefärbten Näpfchen steht , anstecken . Aber da kommt er schön an . » Bist Du verrückt ? « schreit die Tarub , » jetzt am hellen Tage willst Du die Lamp anstecken ? Du fängst ja wieder gut an . Solche Dummheiten kann ich nicht leiden . « » Sei doch nicht gleich so ! « spricht milde der Dichter , dem die rauhen Worte wie Faustschläge vorkamen , » diese Heftigkeit ist mir schrecklich - mir wird gleich ganz heiß , wenn Du in so roher grober Weise redest . « Doch die Tarub geht an den hölzernen Pumpenschwengel und pumpt , daß das Wasser überschäumt und den blank gescheuerten Ziegelboden naß macht ... sie lacht darüber aus vollem Halse ; ihr Lachen schallt in den Garten hinaus . » Da hättest Du bald das Wasser in die Milch gespritzt - die großen Milchschalen könnten auch mal bedeckt werden . « Also der Dichter . Doch seine dralle Köchin sagt rauh : » Wasch Dir doch die Hände ! « » Nein - sei nicht so rücksichtslos ! « sagt er . Doch gleich darauf wäscht er sich wirklich die Hände ; sie waren ja tatsächlich sehr sauber nicht . Wie die Hände sauber sind , ist Safur wieder ruhiger - er lächelt sogar , lächelt über seinen protten Bären , der ihn immer wieder verletzt - immer wieder . Die Erinnerungen an alte Zeiten machen den Dichter wieder friedlich - er freut sich über die vielen Kiepen mit Pfirsichen , Birnen , Gurken , Waldbeeren und Kirschen . Am Fenster in einer Ecke liegen auch ein paar Dutzend Tauben - in einer Reihe - ihre toten Köpfchen hängen trübselig auf der Seite . Tarub geht hinaus , sie muß nach der eitlen Abla sehen , ob die auch mit ihrer Zuckerbäckerei fertig wird - Saids Abendessen soll fürstlich werden . » Sollst doch nicht so die Stirn krausen ! « ruft sie noch , als sie schon beinahe draußen ist , ihrem Dichter freundlich zu . Der Safur nickt und befühlt mit seinen reinen Händen die fein getriebene Arbeit des großen kupfernen Eiskübels , in dem künstlich Eis erzeugt wird . Er denkt - spricht dabei zuweilen ganz laut : » Wie seltsam alle diese Küchengeräte auf mich einwirken . Ich erinnere mich heute fast an meine halbe Vergangenheit . Als Tarub Kopfschmerzen hatte und ich ihr Eisumschläge machte , da war sie so dankbar - so weich und zärtlich . Dieses Aufbrausen berührt mich so entsetzlich roh . - - - Aber die Erinnerung verschärft doch die Genüsse . Wenn ich aus einem alten , mir vertrauten Kochtopf esse - so empfinde ich die früher genossenen Speisen noch einmal auf der Zunge - nur so halb - aber sie würzen doch das neue Gericht . Mit solcher Wiederholung eines Genusses kann man wohl eine sehr verfeinerte , verschärfte Empfindung erzielen ... Wenn man nur alle Arten der Genußverschärfung genauer kennen würde ! ... Verschärfen läßt sich ein Genuß , aber nicht verlängern - das ist wichtig ... Zum Beispiel : eine Liebesstimmung soll man auch nicht länger machen wollen - als sie ist - sie ist auch kein Gummiband ... Jedenfalls ist mir nun das Eine klar : man muß in jedem Augenblick einen neuen Genuß oder einen verschärften Genuß zu empfinden trachten - man darf nicht kleben bleiben an der einzelnen Lustempfindung . Der verschärfte Genuß ist nur eine besondre Art von den neuen Genüssen ... die Erinnerung spielt hier die Rolle eines feinen Gewürzes . - - - Und dann darf man nie vergessen , daß man einen andauernden Glückszustand nicht in sich erzeugen kann . Man muß immer im Auge behalten , daß der einzelne Genuß nicht allzu lange genießbar ist - man darf sich daher nicht bloß einer besondren Gattung von Genüssen zuwenden - man muß alle - alle - alle Genüsse durchkosten wollen - immer wieder andre - immer wieder neue feine vergeistigte Gefühle - aus dem trockenen Brot muß man ebensoviel Genußerreger rausziehen können - wie aus der rasendsten tollsten glühendsten Liebesleidenschaft . Das höchste Lebensglück besteht in dem Leben , das da aufweisen kann : die größte Zahl von glücklichen Augenblicken - die man nicht verlängern soll - die man auch nicht verlängern kann - die man nur zuweilen durch Erinnerungen und lustige Verse verschärfen darf . Verlieben darf man sich nicht in die einzelnen Genüsse - kleben bleiben darf man nicht an den einzelnen Augenblicken . Man muß ohne Schmerz weiterspringen - wenn die eine Wiese ein bißchen abgegrast ist . Nur nicht traurig werden ! Mit geballten Fäusten oder anders will ich unermüdlich danach streben , die größte Zahl fein verzückter Augenblicke zu durchkosten . Ich will der glücklichste Mensch sein . Nichts soll mir zu klein und nichts zu groß sein . Genießen will ich - genießen ! « Ein durchdringender Blütenwind strömt aus dem Garten kühl in die Küche . Safur fröstelt . Er dreht sich um . Die Küchentür steht splarweit offen . Und Tarub , Bagdads berühmte Köchin , kniet dort auf der Schwelle - faltet die Hände - tut so , als ob sie