die ältere Schwester , oder , wie es zu Krolas jedesmaligem Gaudium hieß , » die weitaus talentvollere « , mit » Bächlein , laß dein Rauschen sein « ohne weiteres einsetzte . Daran reihte sich : » Ich schnitt es gern in alle Rinden ein « , was , als allgemeines Lieblingsstück , zu der Kommerzienrätin großem , wenn auch nicht geäußerten Verdruß von einigen indiskreten Stimmen im Garten begleitet wurde . Dann folgte die Schlußnummer , ein Duett aus » Figaros Hochzeit « . Alles war hingerissen , und Treibel sagte zu Vogelsang : » er könne sich nicht erinnern , seit den Tagen der Milanollos , etwas so Liebliches von Schwestern gesehen und gehört zu haben « , woran er die weitere , allerdings unüberlegte Frage knüpfte , ob Vogelsang seinerseits sich noch der Milanollos erinnern könne . » Nein « , sagte dieser barsch und peremptorisch . - » Nun , dann bitt ich um Entschuldigung . « Eine Pause trat ein , und einige Wagen , darunter auch der Felgentreusche , waren schon angefahren ; trotzdem zögerte man noch mit dem Aufbruch , weil das Fest immer noch seines Abschlusses entbehrte . Die Kommerzienrätin nämlich hatte noch nicht gesungen , ja war unerhörterweise noch nicht einmal zum Vortrag eines ihrer Lieder aufgefordert worden - ein Zustand der Dinge , der so rasch wie möglich geändert werden mußte . Dies erkannte niemand klarer als Adolar Krola , der , den Polizeiassessor beiseite nehmend , ihm eindringlichst vorstellte , daß durchaus etwas geschehen und das hinsichtlich Jennys Versäumte sofort nachgeholt werden müsse . » Wird Jenny nicht aufgefordert , so seh ich die Treibelschen Diners , oder wenigstens unsere Teilnahme daran , für alle Zukunft in Frage gestellt , was doch schließlich einen Verlust bedeuten würde ... « » Dem wir unter allen Umständen vorzubeugen haben , verlassen Sie sich auf mich . « Und die beiden Felgentreus an der Hand nehmend , schritt Goldammer , rasch entschlossen , auf die Kommerzienrätin zu , um , wie er sich ausdrückte , als erwählter Sprecher des Hauses , um ein Lied zu bitten . Die Kommerzienrätin , der das Abgekartete der ganzen Sache nicht entgehen konnte , kam in ein Schwanken zwischen Ärger und Wunsch : aber die Beredsamkeit des Antragstellers siegte doch schließlich ; Krola nahm wieder seinen Platz ein , und einige Augenblicke später erklang Jennys dünne , durchaus im Gegensatz zu ihrer sonstigen Fülle stehende Stimme durch den Saal hin , und man vernahm die in diesem Kreise wohlbekannten Liedesworte : » Glück , von deinen tausend Losen Eines nur erwähl ich mir , Was soll Gold ? Ich liebe Rosen Und der Blumen schlichte Zier . Und ich höre Waldesrauschen , Und ich seh ein flatternd Band - Aug in Auge Blicke tauschen , Und ein Kuß auf deine Hand . Geben nehmen , nehmen geben , Und dein Haar umspielt der Wind , Ach , nur das , nur das ist Leben , Wo sich Herz zum Herzen findt . « Es braucht nicht gesagt zu werden , daß ein rauschender Beifall folgte , woran sich , von des alten Felgentreu Seite , die Bemerkung schloß , » die damaligen Lieder « ( er vermied eine bestimmte Zeitangabe ) » wären doch schöner gewesen , namentlich inniger « , eine Bemerkung , die von dem direkt zur Meinungsäußerung aufgeforderten Krola schmunzelnd bestätigt wurde . Mister Nelson seinerseits hatte von der Veranda dem Vortrage zugehört und sagte jetzt zu Corinna : » Wonderfully good . Oh , these Germans , they know everything ... even such an old lady . « Corinna legte ihm den Finger auf den Mund . Kurze Zeit danach war alles fort , Haus und Park leer , und man hörte nur noch , wie drinnen im Speisesaal geschäftige Hände den Ausziehtisch zusammenschoben und wie draußen im Garten der Strahl des Springbrunnens plätschernd ins Bassin fiel . Fünftes Kapitel Unter den letzten , die , den Vorgarten passierend , das kommerzienrätliche Haus verließen , waren Marcell und Corinna . Diese plauderte nach wie vor in übermütiger Laune , was des Vetters mühsam zurückgehaltene Verstimmung nur noch steigerte . Zuletzt schwiegen beide . So gingen sie schon fünf Minuten nebeneinander her , bis Corinna , die sehr gut wußte , was in Marcells Seele vorging , das Gespräch wieder aufnahm . » Nun , Freund , was gibt es ? « » Nichts . « » Nichts ? « » Oder , wozu soll ich es leugnen , ich bin verstimmt . « » Worüber ? « » Über dich . Über dich , weil du kein Herz hast . « » Ich ? Erst recht hab ich ... « » Weil du kein Herz hast , sag ich , keinen Sinn für Familie , nicht einmal für deinen Vater ... « » Und nicht einmal für meinen Vetter Marcell ... « » Nein , den laß aus dem Spiel , von dem ist nicht die Rede . Mir gegenüber kannst du tun , was du willst . Aber dein Vater . Da läßt du nun heute den alten Mann einsam und allein und kümmerst dich sozusagen um gar nichts . Ich glaube , du weißt nicht einmal , ob er zu Haus ist oder nicht . « » Freilich ist er zu Haus . Er hat ja heut seinen Abend , und wenn auch nicht alle kommen , etliche vom hohen Olymp werden wohl dasein . « » Und du gehst aus und überlässest alles der alten guten Schmolke ? « » Weil ich es ihr überlassen kann . Du weißt das ja so gut wie ich ; es geht alles wie am Schnürchen , und in diesem Augenblick essen sie wahrscheinlich Oderkrebse und trinken Mosel . Nicht Treibelschen , aber doch Professor Schmidtschen , einen edlen Trarbacher , von dem Papa behauptet , er sei der einzige reine Wein in Berlin . Bist du nun zufrieden ? « »