- - wie ich mir schon einmal zu bemerken erlaubte - : in erster Linie bin ich conservativ - und dieser Standpunkt schließt ja ein mehr oder weniger intimes Verhältniß zu den Satzungen der Landeskirche ganz von selber ein - - ich klebe durchaus nicht am Dogma - gehe sogar so weit , in gewissem Sinne - verzeihen Sie ! - nun ! wie soll ich sagen ? - ja ! - frei - vielleicht modern zu sein - es ist wahr : ich besuche selten die Kirche - vertrete aber als Jurist , als Gesetzeshüter , ganz entschieden die Ansicht , daß die Masse der Religion bedarf - und sollte das - Sie sehen , ich bin ganz aufrichtig - und sollte das auch nur nothwendig sein , damit sie , die Plebs , der Mob , kurz : das Volk - damit dieses also stets in der Gewalt , in den Händen der oberen Zehntausend bleibt ... Ich bitte , in meinen freimüthigen Worten weiter keinen Cynismus zu suchen - « Adam lächelte sehr ironisch . Er spielte mit den Fingern der rechten Hand an dem Griffe seines Weinglases herum und warf nun mit gutmüthig-boshaftem Gesichtsausdruck die Frage über den Tisch zu seinem Gegner hinüber : » Dann gehören Sie also , Herr Referendar , so ungefähr zu den Leuten , die im Grunde als erste Autorität über sich ihren - Cylinder anerkennen - ? « Frau Möbius sah recht erschrocken aus . Lydia lächelte wie zustimmend , lenkte dann aber mit feinem Takte ab : » Und die Cigaretten , Herr Vetter - ? « Traugott Quöck verstand . Er erhob sich , warf dabei Adam einen nicht gerade » gnädigen , « kaum freundlichen und aufmunternden Blick zu und wünschte seinen Gästen » Gesegnete Mahlzeit ! « - » Sie rauchen doch , Herr Referendar - ? « Oettinger starrte noch immer auf Adam hin . Es schien ihm unbegreiflich zu sein , daß dieser Mensch gerade ihm mit seinen Impertinenzen zu kommen wagte . Sollte er die Beleidigung auf sich sitzen lassen - ? Sollte er einen Skandal provociren - ? Er war unschlüssig . Adam machte ein unschuldig-heiteres Gesicht . Er wandte sich jetzt zu Fräulein Irmer , die hinter ihrem Stuhle stand und theilnahmslos vor sich hinsah , mit der Frage : » Rauchen Sie auch , mein gnädiges Fräulein ? « » Nein ! « kam es kurz und schroff von Hedwigs Lippen . » Wollen die Herren in mein Zimmer treten - ? « forderte Herr Quöck auf . Man verbeugte sich ziemlich steif gegen einander . Lydia sah nach ihrer kleinen , goldnen Uhr . » Schon Zehn durch ! Um Elf kommt mein Wagen - « » Um Elf schon - ? « fragte Frau Möbius , wohl nur , um überhaupt Etwas zu sagen . » Wenn es Ihnen recht ist , Fräulein Irmer , fahren Sie mit mir - ? Wir wohnen ja nicht weit auseinander . Ich werde Friedrich sagen , daß er durch Ihre Straße den Weg nimmt - « » Sehr liebenswürdig , Frau Lange , ich nehme mit Dank an - « » Aber was fangen wir nun an -- ? « überlegte Lydia . » Die Herren spielen natürlich den unvermeidlichen Scat ... Ach ! Wir armen Frauen - ! « » Traugott spielt eigentlich selten Scat - « bemerkte Frau Möbius schüchtern . » Ich werde mir wahrhaftig noch die Geheimnisse dieses verteufelten Scatspiels beibringen lassen - man ist ja sonst rein verloren heute ... Ob der Doctor Mensch auch spielt - ? Er sieht gar nicht so aus ... Was meinen Sie , Hedwig - ? « » Warum sollte er nicht - ? « antwortete die Gefragte kurz , etwas geringschätzig . Die beiden Frauen sahen sich an . Eine jede wußte , was die andere im Stillen dachte , was sie wissen wollte , zu hören verlangte , und was doch keine von ihnen aussprach .... keine aussprechen mochte . » Bitte , Cousine - ! « Herr Quöck war aus dem Nebenzimmer getreten und hatte eine Schachtel amerikanischer Cigaretten auf den Tisch gestellt . » Versuchen Sie es doch auch einmal , Fräulein Irmer - ! « forderte er halb im Scherz , halb im Ernste auf . » Die Damen rauchen heute alle ... Es ist so fashionable ... « » Ich danke , Herr Quöck - « Lydia saß im Fauteuil und spie ganz respectable , weißgelbe Rauchwolken durch die Lippen . Sie hüstelte ein Wenig . » Wir spielen natürlich Scat , Lydia . Der Doctor ist nämlich auch ein leidenschaftlicher Scatverehrer , wie er neulich versichert hat - « » So - ? « Lydias und Hedwigs Augen fanden sich wieder einmal . Aus dem Nebenzimmer klang gedämpftes Sprechen . So leise die Unterhaltung geführt wurde - man hörte doch immer den gereizt-markirten Ton heraus . Hedwig hatte in einem Album geblättert . Jetzt sah sie auf und horchte gespannt hinüber . Lydia erschien sehr gleichgültig . Sie blies eine dicke , weißgelbe Dampfwolke nach der anderen vor sich hin . Im Zimmer machte sich schon das Cigaretten-Parfüm deutlich riechbar . Es war Frau Lange entschieden sehr behaglich zu Muthe . Herr Quöck war nach dem Salon hinübergegangen . Er arrangirte den Scattisch . Frau Möbius hatte sich nach der Küche begeben . Oettinger und Adam waren natürlich gegen einander gerathen . Der Herr Referendar hatte den Herrn Doctor bezüglich dessen Bemerkung bei Tisch noch einmal interpellirt . Das hätte kaum unterbleiben dürfen . » Ich habe weiter nichts gethan , als gleichsam die Quadratwurzel aus Ihren Aeußerungen gezogen , Herr Referendar . Ihr conservativer Standpunkt mag ehrliche Ueberzeugung sein - das gebe ich sehr gern zu . Warum auch nicht - ? In Puncto der Religion gestanden Sie selbst ein , daß Ihnen dieselbe nur noch als ein Mittel in den Händen der oberen Zehntausend erschiene , das den Zweck hat ,