und Hülsenfruchtproben standen . Außerdem gab es noch ein halbes Dutzend Rohrstühle in der Stube , darin der weiße Fußboden mit Sand bestreut war . Fanny nahm auf ihrem Stuhl vor dem Schreibtisch Platz , die drei Hesselbarths setzten sich im Halbkreis ihr zur Seite . Der Pastor faltete seine Hände über dem Bäuchlein ; ach , nach einem so guten Essen und nach einem so ausgezeichneten Bordeaux war es wahrlich schwer , sich die ganze Sündenfälligkeit des leichtsinnigen Sohnes ins Gedächtnis zu rufen . Die Pastorin hatte auf den gelben Wangen rote Flecke . Ihre Gedanken jagten wie ein Wirbelwind in ihrem Kopf umher , sie zürnte dem Sohn , dem sie diese schwere Stunde verdankte . Sie wollte Fanny beweisen , daß der Sohn eigentlich bloß das Opferlamm eines Mächtigeren sei , sie wollte dem Gatten nochmals zu Gewissen bringen , daß seine Erziehung an allem schuld sei . Aber aus ihrem von Gedanken kreisenden Kopf gebar sich kein gesammeltes Wort ; der Sohn hob statt ihrer an , Fanny geradeaus ansehend : » Severina wird Ihnen das Geschehene angedeutet haben , Frau Förster . Ich sitze nicht hier , um mich zu entschuldigen , und die Hilfe , die wir von Ihnen erbitten wollen , denke ich nicht dadurch zu erschleichen , daß ich mich als Opfer unglücklicher Verkettungen darstelle . Ich habe gefehlt ; jugendlich , verzeihlich vielleicht , würde man sagen , wenn ich einen reichen Vater hätte , der die paartausend Mark Spielverlust ohne Empfindlichkeit zahlen könnte . Aber da ich wußte und immer dessen hätte eingedenk bleiben sollen , daß mein Vater nicht im stande ist , mir dergleichen Schulden zu bezahlen , so wäre mein Vergehen unverzeihlich , wenn ich nicht den Willen und die Fähigkeit hätte , den pekuniären Schaden und den , welchen ich in Ihrer Achtung erlitt , gut zu machen . « Der Pastor seufzte zustimmend . Die Pastorin , die ihre Hände im Schoß gefaltet hielt , sagte schnell : » Gewiß , Magnus , Du hast gefehlt wider besseres Erkennen und Wollen . Der Versucher kam über Dich , und Du mußtest ihm gehorchen . Das ist der Fluch , der seit dem ersten Sündenfall auf uns allen ruht . Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms , den ... « » Liebe Pastorin , « sagte Fanny mit feinem Lächeln , » Sie hörten , Magnus lehnt es von vornherein ab , unter dem Druck jener mysteriösen force majeur gehandelt zu haben , die Sie seit seinen Knabenjahren immer als Entschuldigung für alle seine Thorheiten citirten . Wir haben schon an den alltäglichen kleinen menschlichen Unvollkommenheiten unserer Charaktere genug Stoff , um Adam und Eva verantwortlich zu machen ; suchen wir mit den Hauptnummern unseres Sündenregisters niemand zu belasten als unsere eigene Willensschwäche . « Magnus lächelte Fanny an . Der Pastor seufzte zum zweitenmal zustimmend . » Es war am Abend meines Doktorschmauses , « begann Magnus ; » wir hatten stark getrunken , erst so stark , wie es solche Gelegenheit in studentischen Kreisen mit sich bringt , und dann noch stärker , als mitten in unsere Fröhlichkeit hinein mir ein Brief der großen X.schen Verlagsbuchhandlung kam , die mit mir fest kontrahirt über eine von mir zu liefernde Uebersetzung und Bearbeitung mehrerer griechischen Autoren zum Zweck einer Volksausgabe . Dies Ereignis ... « » Magnus , « rief die Pastorin fieberhaft , » und davon hast Du bislang geschwiegen ? ! Diesen Trost , diese Entschuldigung uns vorenthalten ! Was hab ' ich immer gesagt ; wer hat nun recht ? « » Dieser Umstand hätte Dich vielleicht dahin geführt , liebe Mutter , mein Vergehen als Verdienst aufzufassen , und das ging doch angesichts des Umstandes nicht an , daß Frau Förster uns helfen muß , soll kein Unglück , kein Skandal geschehen , « sprach Magnus mit jener liebevollen Lehrhaftigkeit , die erwachsene Männer den Schwächen der Mutter gegenüber annehmen . Die roten Flecken auf den Wangen der Pastorin wurden dunkler . Ihr Herz schlug heftig . Der Ton - der Ton von ihrem Magnus ! Und von und mit Fanny sprach er so voll Ehrfurcht ! O , wenn sie doch unermeßlich reich wäre , um alle Sorgen selbst dem Sohn aus dem Weg zu schaffen , ihm alle Freuden der Welt zu ermöglichen ! Diese Wonne Fanny überlassen zu müssen ! « » Und weiter ? « fragte Fanny . » Meine Fröhlichkeit wurde Uebermut ; ich sah mich schon berühmt als unerreichten Uebersetzer , ich sah mich schon im Besitz der als Honorar für die in zwei Jahren zu liefernde Arbeit bedungenen fünftausend Mark . Als die Freunde Bank auflegten , verschmähte ich zum erstenmal nicht , daran teilzunehmen . Mein Verlust wuchs , meine Besinnung schwand . Endlich gab es Streit . Am andern Mittag hatte ich die Wunde im Arm und fünftausend Mark Spielschulden . « » Ach , « sagte die Pastorin und sah ihren Sohn bewundernd an , » was mögen das für Aufregungen gewesen sein ! « » Wenn Sie uns , teure Frau , die Summe vorstrecken wollen und sie mir allmälich am Gehalt abziehen ... « , begann der Pastor , der mit einer unüberwindlichen Sehnsucht nach seinem Lehnstuhl kämpfte . » Halt , « rief Fanny , » Magnus soll sich allein aus der Klemme ziehen , in die er sich hineingebracht . Er erhält die fragliche Summe von mir und verschreibt mir dafür sein Honorar . Und damit er nicht durch abermalige schwache Stunden in noch Aergeres gerät , schlage ich vor , daß er seine Arbeit im Elternhause vornimmt ; da wird er billiger und ruhiger leben als in Berlin . « » Bravo ! « rief der Pastor erleichtert , weil die Sorge und die Unterredung bald ein Ende hatten . Magnus ergriff die Hand Fannys und drückte sie mit wortloser Dankbarkeit . Im Herzen der Mutter wallte neben der Freude , den Sohn bei