den Trödler als Alteisen verkauft zu werden . » Pflegekind ? « Er bedankte sich für solch ein Pflegekind . Er sei denn doch zu gut dazu , solch einen Rosthaufen zu pflegen . Und dabei kam es heraus : - Löb Levy hatte ihn vor drei Tagen in einer Spelunke aufgelesen und ihn gefragt , ob er für eine Woche wie der Herrgott in Frankreich leben wolle ; länger werde der Scherz wohl nicht dauern . Und nur auf diese Zusicherung hin sei er mitgegangen , denn länger wie acht Tage an einem Platze sitzen , das widerstreite seinen Prinzipien . Darauf wurde er vom Hofe gejagt . Am andern Tage ließ Meyhöfer den Schlosser aus dem Dorfe holen , damit er sich den Schaden besehe . Dieser arbeitete abermals ein paar Tage an der Maschine herum , aß und trank für dreie und erklärte schließlich , wenn sie jetzt nicht gehen wolle , hätte der Teufel die Hand im Spiel . - Das Anheizen wurde wiederholt , aber die » schwarze Suse « war nicht mehr zum Leben zu erwecken . Als gegen Weihnachten Löb Levy auf dem Hof erschien , um den Rest des Getreides abzuholen , prügelte ihn Meyhöfer mit seinem eigenen Peitschenstiel durch . Der Jude schrie Gewalt und fuhr schleunigst wieder von dannen . Aber alsbald erschien ein Gerichtsbote mit einem großen , rotversiegelten Briefe . Meyhöfer fluchte und trank mehr denn je , und das Ende vom Liede war , daß er zur Zahlung sämtlicher Kosten und eines Schmerzensgeldes verurteilt wurde . Nur mit knapper Not glitt er an einer Gefängnisstrafe vorbei . Seit diesem Tage wollte er die » schwarze Suse « nicht mehr vor Augen sehen . Sie wurde in den hintersten Schuppen gebracht und stand dort in Verborgenheit manches Jahr hindurch , ohne daß eines Menschen Blick auf sie fiel . Nur Paul nahm von Zeit zu Zeit heimlich den Schlüssel des Schuppens und schlich zu dem schwarzen Ungetüm hinein , das ihm lieber und lieber wurde und ihm schließlich wie eine stumme , arg verkannte Freundin erschien . Dann betastete er die Schrauben und die Ventile , kletterte längs dem Schornstein in die Höhe und setzte sich rittlings auf den Kessel - oder er hängte sich an das große Triebrad und versuchte es durch seiner Arme Kraft in Schwung zu setzen . Aber schlaff wie ein Leichnam bewegte er sich nur so weit , als es geschoben wurde , dann stand es wieder still . Und wenn er sich müde gearbeitet hatte , faltete er die Hände , und traurig zu dem toten Rade emporblickend murmelte er : » Wer wird dich wieder lebendig machen ? « 7 Als Paul vierzehn Jahre alt war , beschloß sein Vater , ihm zum Konfirmandenunterricht zu schicken . » Etwas Rechtschaffenes wird er in der Schule doch nicht lernen , « sagte er , » Zeit und Geld sind bei ihm weggeworfen . Daher soll er rasch eingesegnet werden , damit er sich in der Wirtschaft nützlich machen kann . Was Besseres als ein Bauer wird sowieso nicht aus ihm werden . « Paul war ' s zufrieden , denn ihn verlangte danach , einen Teil der Sorgen , die die Mutter drückten , auf seine Schultern zu nehmen . Er gedachte eine Art von Inspektor aus sich zu machen , der den fehlenden Herrn zu jeder Zeit ersetzte und selber Hand anlegte , wo die Knechte ein gutes Beispiel brauchten . Er versprach sich von seiner Tätigkeit den Beginn einer neuen , segensreichen Zeit , und wenn er nachts im Bette lag , träumte er von wogenden Weizenfeldern und blitzblanken , massiven Scheuern . Immer mehr festigte sich in ihm der Entschluß , all seine Kraft daran zu wenden , um den verlotterten Heidehof zu Ehren zu bringen . Die Brüder sollten einst von ihm sagen können : » Er ist doch zu etwas nütze gewesen , wenn er uns auch auf unseren glänzenden Bahnen nicht hat folgen können . « Ja , die Brüder ! Wie groß und wie vornehm waren die inzwischen geworden ! Der eine studierte Philologie , und der andere war als Lehrling in ein angesehenes Bankgeschäft eingetreten . Trotz der guten Tante brauchten beide Geld , viel Geld , weit , weit mehr , als der Vater ihnen schicken konnte . Auch für sie versprach sich Paul mit seinem Übertritt in die Wirtschaft den Beginn einer sorgenfreien Zeit . Alles überschüssige Geld sollte ihnen geschickt werden , und er , o , er würde schon sparen und sorgen , auf daß sie frei von Not und Bedrängnis weiterschreiten könnten nach ihren erhabenen Zielen . Mit diesen frommen Gedanken trat Paul den Weg zur ersten Religionsstunde an . - Es war an einem sonnigen Frühlingsmorgen zu Anfang des Monats April . Das junge Gras auf der Heide leuchtete in grünlichen Lichtern , Wacholder und Erika trieben neue , weiche Spitzen , am Waldesrand blühten Anemonen und Ranunkeln . - Ein warmer Wind zog über die Heide ihm entgegen , er hätte laut aufjauchzen mögen , und das Herz ward ihm schwer vor lauter Lust . » Es muß ein Trauriges im Werke sein , « sagte er sich , » denn so froh darf man sich auf Erden nicht fühlen . « Vor dem Pfarrgarten stand eine Reihe von Fuhrwerken , die er nur zum geringsten Teil kannte . Auch vornehme Karossen waren darunter . - Mit stolzem Lächeln saßen die Kutscher mit ihren blanken Röcken auf dem Bocke und warfen geringschätzige Blicke um sich herum . In dem Garten war eine große Kinderschar versammelt . Die Knaben gesondert und die Mädchen auch . Unter den Knaben befanden sich die beiden Brüder , von denen er früher so viel hatte leiden müssen und die seit einem Jahr die Schule nicht mehr besuchten . Sie kamen sehr freundlich auf ihn zu , und während der eine ihm die Hand zum Gruße reichte , stellte ihm der andere von