Zufall überzeugen konnte ... Aber , mein gnädigstes Fräulein , wir werden unser Thema fallenlassen müssen . Die gnädige Frau lächelt bereits und bewundert die Geschicklichkeit , mit der ich , unter Heranziehung Ihres Herrn Vetters , in das Kriegsabenteuer und all seine Konsequenzen einzumünden trachte . Darf ich also vorschlagen , lieber dem wundervollen Spiele zuzuhören , das ... Oh , wie schade ; jetzt bricht es ab ... « Er schwieg , und erst als es drinnen stillblieb , fuhr er in einer ihm sonst fremden , aber in diesem Augenblicke völlig aufrichtigen Emphase fort : » Oh , meine gnädigste Frau , welch ein Zaubergarten , in dem Sie leben . Ein Pfau , der sich sonnt , und Tauben , so zahm und so zahllos , als wäre diese Veranda der Markusplatz oder die Insel Zypern in Person ! Und dieser plätschernde Strahl , und nun gar dieses Lied ... In der Tat , wenn nicht auch der aufrichtigste Beifall unstatthaft und zudringlich sein könnte ... « Er unterbrach sich , denn vom Korridore her waren eben Schritte hörbar geworden , und Melanie sagte mit einer halben Wendung : » Ah , Anastasia ! Du kommst gerade zu guter Zeit , um den Dank und die Bewunderung unseres lieben Gastes und neuen Hausgenossen allerpersönlichst in Empfang zu nehmen . Erlauben Sie mir , daß ich Sie miteinander bekannt mache : Herr Ebenezer Rubehn , Fräulein Anastasia Schmidt ... Und hier meine Tochter Lydia « , setzte Melanie hinzu , nach dem schönen Kinde hinzeigend , das , auf der Türschwelle , neben dem Musikfräulein stehengeblieben war und den Fremden ernst und beinah feindselig musterte . Rubehn bemerkte den Blick . Aber es war ein Kind , und so wandt er sich ohne weiteres gegen Anastasia , um ihr allerhand Schmeichelhaftes über ihr Spiel und die Richtung ihres Geschmackes zu sagen . Diese verbeugte sich , während Melanie , der kein Wort entgangen war , aufs lebhafteste fortfuhr : » Ei , da dürfen wir Sie , wenn ich recht verstanden habe , wohl gar zu den Unseren zählen ? Anastasia , das träfe sich gut ! Sie müssen nämlich wissen , Herr Rubehn , daß wir hier in zwei Lagern stehen und daß sich das van der Straatensche Haus , das nun auch das Ihrige sein wird , in bilderschwärmende Montecchi und musikschwärmende Capuletti teilt . Ich , tout à fait Capulet und Julia . Doch mit untragischem Ausgang . Und ich füge zum Überfluß hinzu , daß wir , Anastasia und ich , jener kleinen Gemeinde zugehören , deren Namen und Mittelpunkt ich Ihnen nicht zu nennen brauche . Nur eines will ich auf der Stelle wissen . Und ich betrachte das als mein weibliches Neugiersrecht . Welcher seiner Arbeiten erkennen Sie den höchsten Preis zu ? Worin erscheint er Ihnen am bedeutendsten oder doch am eigenartigsten ? « » In den Meistersingern . « » Zugestanden . Und nun sind wir einig , und bei nächster Gelegenheit können wir van der Straaten und Gabler , und vor allem den langen und langweiligen Legationsrat , in die Luft sprengen . Den langen Duquede ! Oh , der steigt wie ein Raketenstock . Nicht wahr , Anastasia ? « Rubehn hatte seinen Hut genommen . Aber Melanie , die durch die ganze Begegnung ungewöhnlich erfreut und angeregt war , fuhr in wachsendem Eifer fort : » Alles das sind erst Namen . Eine Woche noch oder zwei , und Sie werden unsere kleine Welt kennengelernt haben . Ich wünsche , daß Sie die Gelegenheit dazu nicht hinausschieben . Unsere Veranda hat für heute die Repräsentation des Hauses übernehmen müssen . Erinnern Sie sich , daß wir auch einen Flügel haben , und versuchen Sie bald und oft , ob er Ihnen paßt . Au revoir . « Er küßte der schönen Frau die Hand , und unter gemessener Verbeugung gegen Riekchen und Anastasia verließ er die Damen . Über Lydia sah er fort . Aber diese nicht über ihn . » Du siehst ihm nach « , sagte Melanie . » Hat er dir gefallen ? « » Nein . « Alle lachten . Aber Lydia ging in das Haus zurück , und in ihrem großen Auge stand eine Träne . Achtes Kapitel Auf der Stralauer Wiese Nach dem ersten Besuche Rubehns waren Wochen vergangen , und der günstige Eindruck , den er auf die Damen gemacht hatte , war im Steigen geblieben wie das Wetterglas . Jeden zweiten , dritten Tag erschien er in Gesellschaft van der Straatens , der seinerseits an der allgemeinen Vorliebe für den neuen Hausgenossen teilnahm und nie vergaß , ihm einen Platz anzubieten , wenn er selber in seinem hochrädrigen Cabriolet hinausfuhr . Ein wolkenloser Himmel stand in jenen Wochen über der Villa , drin es mehr Lachen und Plaudern , mehr Medisieren und Musizieren gab als seit lange . Mit dem Musizieren vermochte sich van der Straaten freilich auch jetzt nicht auszusöhnen , und es fehlte nicht an Wünschen wie der , » mit von der Schiffsmannschaft des Fliegenden Holländers zu sein « , aber im Grunde genommen war er mit dem » anspruchsvollen Lärm « um vieles zufriedener , als er einräumen wollte , weil der von nun an in eine neue , gesteigerte Phase tretende Wagner-Kultus ihm einen unerschöpflichen Stoff für seine Lieblingsformen der Unterhaltung bot . Siegfried und Brunhilde , Tristan und Isolde , welche dankbaren Tummelfelder ! Und es konnte , wenn er , in Veranlassung dieser Themata , seinem Renner die Zügel schießen ließ , mitunter zweifelhaft erscheinen , ob die Musizierenden am Flügel oder er und sein Übermut die Glücklicheren waren . Und so war Hochsommer gekommen und fast schon vorüber , als an einem wundervollen Augustnachmittage van der Straaten den Vorschlag einer Land- und Wasserpartie machte . » Rubehn ist jetzt ein rundes Vierteljahr in unserer Stadt und hat nichts gesehen , als was zwischen unserem Comptoir und dieser unserer Villa liegt