war zu weltlich und bequem , als daß sie soweit gegangen wäre , dergleichen mitzumachen . Vielmehr tadelte sie mit scharfen Worten die Kopfhänger und wurde sarkastisch und bitter , wenn sie allzu mystischen Unrat merkte . Sie bedurfte das Wunderbare und Geheimnisvolle , aber in der Sinnenwelt , in Leben und Schicksal , in der äußern wechselvollen Erscheinung ; von innern Seelenwundern , bevorzugten Stimmungen , Auserwählten und dergleichen mochte sie nichts hören und kanzelte ihre Gäste tüchtig herunter , wenn sie mit solchen Dingen auftreten wollten . Außer daß Gott als der kunst- und sinnreiche Schöpfer all der wunderbaren Dinge und Vorkommnisse für sie existierte , war er ihr vorzüglich in einer Richtung noch merk- und preiswürdig : nämlich als der treue Beiständer der klugen und rührigen Leute , welche , mit nichts und weniger als nichts anfangend , ihr Glück in der Welt selbst machen und es zu etwas Ordentlichem bringen . Deshalb fand sie ihre größte Freude an jungen Leuten , welche sich aus einer dunklen dürftigen Abkunft heraus durch Talent , Fleiß , Sparsamkeit und Klugheit in eine gute Stellung gearbeitet hatten und wohl gar hohe Protektion genossen . Das Heranwachsen des Wohlstandes solcher Schützlinge war ihr wie eine eigene Sache angelegen , und wenn dieselben endlich dahin gediehen waren , einen bescheidenen Aufwand mit gutem Gewissen geltend zu machen , so fühlte sie selbst die größte Genugtuung , ihrerseits reichlich beizusteuern und sich des Glanzes mitzufreuen . Sie war von Grund aus wohltätig und gab immer mit offenen Händen , den Armen und arm Bleibenden im gewöhnlichen abgeteilten Maße , denjenigen aber , bei welchen Hab , und Gut anschlug , mit wahrer Verschwendung für ihre Verhältnisse . Es lag meistens ganz in der Natur solcher Emporkömmlinge , neben ihren anderweitigen größern Beziehungen auch die Gunst dieser seltsamen Frau sorglich zu pflegen , bis sie durch einen jüngern Nachwuchs endlich verdrängt wurden , und so fand man nicht selten diesen oder jenen feingekleideten und vornehm aussehenden Mann unter den armen Gläubigen , der durch sein gemessenes Betragen dieselben verschüchterte und unbehaglich machte . Auch nahmen sie wohl , wenn er abwesend war , Veranlassung , der Frau Weltsinn und Lust an irdischer Herrlichkeit vorzuwerfen , was dann jedesmal lebhafte Erörterungen und Streitreden hervorrief . Von ihrer Freude an gedeihlichem Erwerb und emsiger Tätigkeit mochte es auch kommen , daß mehrere Schacherjuden in den Kreis ihrer Wohlgelittenen aufgenommen waren . Die Unermüdlichkeit und stetige Aufmerksamkeit dieser Menschen , welche öfter bei ihr verkehrten und ihre schweren Lasten abstellten , volle Geldbeutel aus unscheinbarer Hülle hervorzogen und ihr zum Aufbewahren anvertrauten , ohne irgend ein Wort oder eine Schrift zu wechseln , ihre billige Gutmütigkeit und neugierige Bescheidenheit neben der unberückbaren Pfiffigkeit im Handeln , ihre strengen Religionsgebräuche und biblische Abstammung , sogar ihre feindliche Stellung zum Christentum und die groben Vergehungen ihrer Voreltern machten diese vielgeplagten und verachteten Leute der guten Frau höchst interessant und gern gesehen , wenn sie sich bei den abendlichen Zusammenkünften vorfanden , am Herde der Frau Margret Kaffee kochten oder sich einen Fisch buken . Wenn die fromm christlichen Frauen ihnen schonend vorhielten , wie es noch nicht gar zu lange her sei , daß die Juden doch schlimme Käuze gewesen , Christenkinder geraubt und getötet und Brunnen vergiftet hätten , oder wenn Margret behauptete , der Ewige Jude Ahasverus hätte vor zwölf Jahren einmal im Schwarzen Bären übernachtet und sie hätte selbst zwei Stunden vor dem Hause gepaßt , um ihn abreisen zu sehen , jedoch vergeblich , da er schon vor Tagesanbruch weitergewandert sei , dann lächelten die Juden gar gutmütig und fein und ließen sich nicht aus ihrer guten Laune bringen . Da sie jedoch ebenfalls Gott fürchteten und eine scharf ausgeprägte Religion hatten , so gehörten sie noch eher in diesen Kreis , als man zwei weitere Personen darin vermutet hätte , welche allerdings irgend anderswo zu suchen waren als gerade hier ; und doch schienen sie eine Art unentbehrlichen Salzes für die wunderliche Mischung zu sein . Siebentes Kapitel Fortsetzung der Frau Margret Es waren dies zwei erklärte Atheisten . Der eine , ein schlichter , einsilbiger Schreinersmann , welcher schon manches Hundert Särge gefertigt und zugenagelt hatte , war ein braver Mann und versicherte dann und wann einmal mit dürren Worten , er glaube ebensowenig an ein ewiges Leben , als man von Gott etwas wissen könne . Im übrigen hörte man nie eine freche Rede oder ein Spottwort von ihm ; er rauchte gemütlich sein Pfeifchen und ließ es über sich ergehen , wenn die Weiber mit fließenden Bekehrungsreden über ihn herfuhren . Der andere war ein bejahrter Schneidersmann mit grauen Haaren und mutwilligem , unnützem Herzen , der schon mehr als einen schlimmen Streich verübt haben mochte . Während jener sich still und leidend verhielt und nur selten mit seinem dürren Glaubensbekenntnisse hervortrat , verfuhr dieser angriffsweise und machte sich ein Vergnügen daraus , die gläubigen Seelen durch derbe Zweifel und Verleugnungen , rohe Späße und Profanationen zu verletzen und zu erschrecken , als ein rechter Eulenspiegel das einfältige Wort zu verdrehen und mit dick aufgetragenem Humor in den armen Leuten eine sündhafte Lachlust zu reizen . Er besaß weder großen Verstand noch Pietät für irgend etwas , selbst für die Natur nicht , und schien einzig ein persönliches Bedürfnis zu haben , das Dasein Gottes zu leugnen oder wegzuwünschen , indessen der Schreiner sich bloß nicht viel daraus machte , hingegen auf seinen Wanderjahren die Welt aufmerksam betrachtet hatte , sich fortwährend noch unterrichtete und von allerlei merkwürdigen Dingen mit Liebe zu sprechen wußte , wenn er auftaute . Der Schneider fand nur Gefallen an Ränken und Schwänken und lärmenden Zänkereien mit den begeisterten Weibern ; auch sein Verhalten zu den Juden , gegenüber demjenigen des Sargmachers , war bezeichnend . Während dieser wohlwollend und freundlich mit ihnen verfuhr als mit seinesgleichen , neckte und quälte sie der Schneider , wo er nur konnte , und verfolgte sie mit echt christlichem