der Mast in schräger Stellung mitten hindurchlief . Der war aber hier nicht bloß mit Ölfarbe gestrichen , wie draußen an Deck , sondern mit Mahagoni belegt und als Träger einiger schwebender Blumengestelle eingerichtet . Dazu gab es ein behagliches Sofa und an beiden Seiten des Tisches gepolsterte Bänke , während sämtliche Wände aus beweglichem Fachwerk bestanden und große Schränke hinter ihren Türen verbargen . Den Boden bedeckte ein Strohteppich in bunten Farben , so daß das Ganze sehr wohnlich aussah . Robert hatte sich nicht träumen lassen , welche Behaglichkeit eine solche Schiffskajüte entwickeln könne . » Das hier ist die Schlafecke « , fuhr der Zimmermann fort , » denn ein Zimmer kann man es wohl kaum noch nennen . Aber an Raum muß eben gespart werden . Nur das Bett , an der Wand befestigt , das der Seemann Koje nennt , ein Tisch und ein Bücherschrank , mehr findet sich hier nicht ; gegenüber , ganz ähnlich eingerichtet , liegt die Steuermannskajüte , und das Ganze wird mit dieser Tür vollständig abgeschlossen . « » Willst wohl auch Seemann werden ? « lächelte der Zimmermann . » Sieh , Junge , dort ist das Logis . Wollen es gleich näher ansehen . « Er führte seine Gäste am großen Mast vorüber nach dem Vorderteil des Schiffes , und hier sah Robert den wenig einladenden Raum , in dem die Matrosen ihre freien Stunden verbringen . Eine enge , schmale Koje , so niedrig , daß der darin sitzende Mann kaum Platz hat , sich ganz auszustrecken , die Schiffskiste als Stuhl und ein Tisch aus Tannenholz , - das ist alles , was der Matrose an Freiheit und Eigentum besitzt , wenn er auf See ist . Aber Robert fand es schön , er sehnte sich immer mehr nach dem Seemannsleben , je mehr er davon sah . Auf dem Tisch sitzen und nähen , nach genau festgesetzten Stunden , und zum Schlafen das Bett im Winkel der Diele - war denn das nicht noch viel schrecklicher als die halbe Gefangenschaft an Bord eines Schiffes ? Er wäre am liebsten gleich hier geblieben , hätte sich als Kajütenjunge » anmustern « lassen und die erste Reise des neuen Seglers mitgemacht . Sein Herz klopfte ungestüm , als der Zimmermann in eine andere Tür hineindeutete . » Das da ist die Kombüse « , sagte er , » und diese eisernen Hähne , die ihr hier seht , sind die Pumpen . Wollen wir nun auch in den Schiffsraum hinabsteigen ? « Unten angekommen meinte Robert , es sei fast wie in einem Grabe . Er freute sich , als ihm die Sonne wieder ins Gesicht schien . » Aber wenn das alles ganz mit Ladung gefüllt ist « , fragte er , » wie untersucht man dann , ob nicht das Schiff vielleicht ein Leck bekommen hat ? « Georg und der Zimmermann lächelten . » Die Decksluken werden vor der Abreise kalfatert , das heißt wasserdicht verschlossen , und während der ganzen Fahrt nicht wieder geöffnet . Erst in dem Hafen , wo die Ladung gelöscht wird , kommt ein Mann der Reederei an Bord , und bezeugt dem Kapitän schriftlich den Zustand , in dem sich die Luken befanden . Nur wenn dieser ganz vorschriftsmäßig ; ist , trifft den Kapitän für die etwaige Beschädigung der Ladung keinerlei Verantwortung . Den Wasserstand dagegen untersucht man täglich zweimal durch die Pumpen , wobei sich bis auf einige Linien feststellen läßt , wieviel Wasser in das Schiff eingedrungen ist . Man nennt dies Verfahren Peilen . « Der Zimmermann sah sinnend vor sich hin . » Es ist schrecklich , wenn so ein Leck in das Schiff kommt « , sagte er , » unheimlich , weil man ihm nicht offen begegnen kann . Ich hab ' s einmal erlebt , sechs Tagereisen vor Kalkutta . Da stieg das Wasser so schnell , daß alle Arbeit auf Deck liegenblieb , daß nicht mehr gekocht und nicht mehr geschlafen wurde , weil wir nur unablässig pumpen mußten , um das nackte Leben zu retten . Wenn einer von der Mannschaft umfiel wie ein Toter , dann sprang ein anderer an seine Stelle , wortlos , ohne einen Blick auf den Röchelnden , ohne Rücksicht auf die eigenen zerfetzten Hände . Es war gräßlich , - wir brachten das Schiff nach Kalkutta , aber von unseren dreizehn Leuten lebten nur noch vier , die übrigen sind in ihren Kojen oder an Deck vor Erschöpfung gestorben , ohne daß wir uns um sie kümmern konnten . Wenn das Wasser im Schiffsraum steigt und nur zwei Minuten die Arbeit an den Pumpen eingestellt wird , dann ist das so , als stände der Tod hinter einem , und man würde nicht einmal darauf achten , wenn der eigene Bruder ein paar Schritte weit davon im Sterben läge . Nun - gottlob passiert das nicht alle Tage . « Robert hatte atemlos zugehört . » Waren Sie längere Zeit hindurch Seemann ? « fragte er . Der Zimmermann nickte . » Sechzehn Jahre « , antwortete er . » Da lernt man das Meer kennen . « Robert hatte noch eine Frage auf dem Herzen , das sah der Mann und ermunterte ihn freundlich , sie auszusprechen . » Na « , sagte er , » was wolltest du wissen , Junge , ob ich den fliegenden Holländer gesehen habe und den Klabautermann , oder das berühmte Meerweib , das sie hier auf St. Pauli jedem gläubigen Binnenländer für zwei Groschen zeigen , das aber aus Wachs und Kitt zusammengeflickt ist , wie ich dir lieber gleich sagen will . « Robert schüttelte den Kopf . » Das meine ich nicht « , sagte er schüchtern , » aber ob es wohl im Meer noch unbekannte Tiere gibt , große , fürchterliche , die man in den naturgeschichtlichen Werken gar nicht aufgeführt findet . « Der alte Zimmermann spielte mit der