und Weh über die Welt verbreitet worden ist als durch die Langweiligkeit der sogenannten Philister samt und sonders ; mögen auch erst nachfolgende Geschlechter die bittere Hefe des süßen Weines zu verwinden haben . Aber Brigitte Mehlborn war bei sechzehn Jahren noch keine Philosophin , wennschon sie starke Anlage hatte , es eines Tages zu werden . » Der und kein anderer ! « sagte sie zu sich selbst , als sie den Tag vor ihrer Einführung in die residenzliche Kostschule an der Tafel der Exzellenzen dem schönen Gardereiterleutnant in seiner blitzenden Uniform zum ersten Male gegenübersaß . Und : » Meinetwegen auch die ! « sagte zwei Jahre später seufzend der schöne Gardereiterleutnant , vor die Alternative gestellt , sich aus einem hauptstädtischen Schuldensumpfe auf den soliden Boden eines provinzialen Infanterieregimentes zu retten und den letzten Anspruch an sein einstiges Muttererbe fallen zu lassen , oder diese Erbaussicht aus der Hand der Pächterstochter , um den Preis des Graziengürtels , zurückzuerhalten . Der tapfere General überwand das Loch im Stammbaum , wie es einem Helden ziemt ; seine Gemahlin kränkelte und dachte an eine selige Ewigkeit , in deren Angesicht man es hinsichtlich gewisser geistigen Gewöhnungen , Vorurteile genannt , glimpflicher als in gesunden Tagen zu nehmen pflegt . Mutter Mehlborn wurde nicht gefragt , würde aber , wenn gefragt , schwerlich mit dem Kopfe geschüttelt haben . Vater Mehlborn aber schrieb , unter Frau Hanna Blümels freundseelsorgerischer Korrektur , triumphierend Ja und Amen , und seine Brigitte kehrte als strahlende Braut in das Pächterhaus zurück . In kurzem präsentierte sich auch der ritterliche Bräutigam , wie es hieß , weniger strahlend als seine Braut , und leider , der Frühlingsparaden halber , nur für einen halben Tag , so daß den Freunden in der Pfarre der Vorzug seiner Bekanntschaft versagt blieb . Indessen soll vor dem Abschied die Verlobtenstimmung doch noch recht merklich zum Durchbruch gekommen sein , da ein gewisses heikles Geschäft , von Vater auf Sohn übertragen , sich über Erwarten glatt abgesponnen hatte . Und warum hätte wohl auch Vater Mehlborn , selbst abgesehen von seinem edelmännischen Gelingen , die Schnüren seines Säckels allzu straff anziehen sollen ? Der Bodenwert stieg , das Gut trug jetzt allenfalls eine Hypothek mehr ; noch eins oder das andere von diesen gewissen heiklen Geschäften , und der Stammsitz der Werben war ungeteilt Mehlbornsches Erbe . Schon im Sommer wurde die Hochzeit gefeiert , weder in Ober- noch Unterwerben , die beide zu exzellenzlichen Festivitäten nicht angetan waren ; auch nicht in der Residenz , aus welcher vor kurzem General von Hartenstein zu einem Oberkommando in die östliche Provinz versetzt worden war , sondern möglichst still in einem kleinen märkischen Badeorte , in welchem die kranke Generalin sich zur Kur aufhielt . Amtmann Mehlborn war es zufrieden , sich als Brautvater mit einer Gasthofsrechnung abfinden zu dürfen , obschon dieselbe , der Rangstufe der Hochzeitssippe entsprechend , mit doppelter Kreide angeschrieben wurde . Auch daß die Brautmutter , der Ernte und anderer Unvermeidlichkeiten halber zu Hause geblieben war , konnte ihm nur zur Genugtuung gereichen . Er hatte , da er noch Ehren-Mehlborn hieß , seine Röse gern zu Kirmes- und Erntetanz unter lustige Festgenossen geführt ; seitdem sie jedoch seine Gemahlin und eine gnädige Frau ohne kleines » von « geworden , sah er sie nur gern innerhalb ihrer vier Pfähle . Sie war und blieb nun einmal unempfänglich für jede höhere Kulturbestrebung . So das Schicksal der Tochter . Aber schon Jahr und Tag vor deren Einführung in das residenzliche Institut war auch der Sohn der Sphäre des Pachthofes entrückt worden und wäre es bei diesem Anlaß nahezu geschehen , daß Mutter Rosine zum ersten und einzigen Male energisch den Kopf geschüttelt hätte . Denn der Hannes war von ihrer eigenen stillen Art und beiden am wohlsten , wenn er ihr im Milchkeller und Hühnerhof am Schürzenzipfel hing . Er wuchs ihr daher auch weit dichter an das Herz als die nach dem Vater schlagende aufgeweckte Tochter , und sie hätte ihn dort großziehen mögen , wo er nach seiner wie ihrer Meinung , und sicherlich auch nach der der Natur , hingehörte : auf dem elterlichen Hofe . Wenn aber Vater Mehlborn sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte , was konnten Mutter Rosine und ihr Hannes dann wohl dagegen tun ? Und Vater Mehlborn hatte es sich in den Kopf gesetzt , seinen Stammhalter dem Throne um verschiedentliche Stufen näher rücken zu lassen . » Hannes , « hatte er gesagt , » Hannes , du studierst ; ich schenke dir ein Rittergut ; du wirst Landrat , heiratest eine Gräfin , meinethalben eine arme , und alles , was weiter hinaus liegt , findet sich von selber . « So wurde denn der arme stille Hannes mühsam durch das Gymnasium gedrillt , brachte es auch bis zur Universität , aber bis zum Landratsamte und allem , was weiter hinaus liegen sollte , brachte er es nicht , denn der arme Hannes fiel im Zweikampf mit einem Korpsbruder , der das kleine » von « vor seinem Namen ererbt und dem reichen Landsmann , welcher es erst erwerben sollte , den Spottnamen » Mehlwurm « angehängt hatte . Zuverlässig : der arme Hannes war von Natur kein Raufbold , der sich durch einen unschuldigen Mehlwurm zu Mordgedanken hätte treiben lassen . Aber sie hetzten und stachelten ihn in Spott und Ernst , und der am eifrigsten hetzte und stachelte , ihn mit dem , was er der Ehre der Familie schuldig sei , ganz toll und töricht machte , das war der Mann , den er Bruder nannte , weil er der Gatte seiner Schwester geworden war . Und so kriegte der arme Hannes denn einen Stich in die Brust , lag ein paar Tage purpurrot in loderndem Fieber und Phantasien von dem heimischen Hof , und dann wurde er weiß und stiller denn je . » Ach , Mutterchen , wie kühl muß