Zeichen seiner Gegenwart zu geben , am Eingange stehen . Er war gekommen , um sie zu verhindern , dem Geliebten ein letztes Lebewohl zuzuwinken , nun dachte er : Mag sie doch ! - nachher ist ja ohnehin alles vorbei . Das Getrappel der Pferde ertönte auf dem Pflaster , die Klänge eines alten Reiterliedes schallten durch die Luft . » Lebewohl ! Lebewohl , mein Lieb ! « sprachen sie , riefen sie dem verstehenden , pochenden Herzen zu . Langsam richtete Rosa sich auf , sie öffnete das Fenster nicht , beugte sich nicht hinaus . Mit dem Rücken an die Wand gelehnt , die Arme schlaff herabhängend , stand sie regungslos , atemlos und starrte hinunter . Und jetzt stieg eine dunkle , heiße Blutwelle in ihr Gesicht ... Jetzt war er vorbeigekommen . - Und jetzt nickte sie ernsthaft und wiederholt , als hätte ihr jemand fragend zugewinkt und als antworte sie : Ja ! - ja , gewiß ! Und wie beteuernd preßte sie beide Hände an ihre Brust . Was soll ' s ? War das eine Verabredung ? ... Geräuschvoll schloß Heißenstein die Türe , deren Klinke er noch in der Hand hielt . Rosa wandte sich , erblickte ihren Vater , und mit einem Schrei , mit ausgebreiteten Armen stürzte sie auf ihn zu . Sie warf sich vor ihm nieder und umklammerte seine Knie , sie drückte ihre Lippen auf seine abwehrenden Hände und beschwor ihn mit Tränen und mit Schluchzen : » Vater , Vater , gib mich ihm ! « Aber das bißchen Mitleid , das er mit einem Geschöpf empfinden konnte , das sich ihm widersetzte , war erloschen . Daß sie noch hoffte , daß sie noch meinte ihren Willen durchzusetzen , daß sie es noch versuchte , das empörte ihn . Ist er der Mann , der seine Entschlüsse ändert ? - hat er nicht so manchen , den er übereilt gefaßt , zu seinem eigenen Nachteil ausgeführt , bloß deshalb , weil er ihn einmal gefaßt hatte ? Und sie traute ihm zu , er werde jetzt nachgeben , da es sich um die Erfüllung eines Lebenswunsches handelte , um das Gelingen sorgsam vorbereiteter und lang gehegter Pläne ? Er hatte ihr wohl zuwenig Strenge gezeigt , sie fürchtete ihn nicht genug . Er ließ sich nicht zu einem Zornesausbruch hinreißen , er blieb nur dabei : sie muß sich fügen . Der Sinn von allem , was er sagte , war : Mit dem Ungeliebten wirst du leben , den Geliebten wirst du vergessen . Auch in ihr waren die weichen und sanften Empfindungen nicht die vorherrschenden . In die Laune , zu bitten , kam sie selten . Heut galt es ihr ganzes Lebensglück , und das alte Wort : Not lehrt beten , bewahrheitete sich an ihr . Sie flehte demütig und inbrünstig ; aber so wie er von seinem Entschlusse nicht wich , so blieb auch sie bei dem ihren : Ich heirate keinen andern als meinen Geliebten . » Ich hab ein trauriges Leben « , klagte sie . » Du warst niemals gut gegen mich , und die andern sind bös und falsch gewesen . Endlich hab ich mein Herz an einen Fremden gehängt , kann ich dafür ? Hat eure Gleichgültigkeit mich nicht dazu gestoßen ? Sei du jetzt väterlich - verzeih mir - denke , wenn ich ein Unrecht getan habe , es ist zur Hälfte dein . Verzeih mir , Vater , und laß mich gewähren . Du weißt , ich war zeitlebens ein störrisches Geschöpf . Und den braven Joseph heiße warten ; ein paar Jahre nur , dann heiratet er die brave Regula . Die sagt ja zu allem , was du befiehlst , die ist nicht widerspenstig wie ich . Belohne sie für ihren Gehorsam mit deinem ganzen Hab und Gut . Ich will nichts , ich verzichte auf alles - nur deinen Segen gib - sag nur : ziehe hin ... « » Ins Elend ! « rief Heißenstein . » Weißt du , was du verlangst ? Kennst du den Jammer einer armseligen Militärwirtschaft ? das Herumzigeunern von Dorf zu Dorf ... Eine Ehe ohne eigenen Herd , einen Haushalt , den man nicht bestreiten , Kinder , die man nicht erziehen kann ? Und er - glaubst du , daß er dich möchte , wenn du ihm kämst ohne einen Heller ? Ein Narr wäre er , wenn er dich so nähme , und gewissenlos dazu . Also : nein ! Und kein Wort mehr darüber : du gehorchst ! « Sie bewegte noch ihre Lippen , aber sie sprach nicht mehr . Ihre Tränen waren versiegt , finster blickte sie ihren Vater an , der schon an der Türe stand . Da schien ein plötzlich ausbrechendes Gefühl sie zu überwältigen . Sie eilte ihm nach und warf sich an seine Brust . Er fragte : » Bist vernünftig ... willst gehorchen ? « Sie gab keine Antwort , sie trat weg von ihm , nachdem sie ihn noch einmal innig geküßt hatte . Eine Stunde später ließ sie ihn bitten , den Rest des Tages auf ihrem Zimmer zubringen zu dürfen , und die Erlaubnis dazu wurde ihr gewährt . Frau Nannette lauerte und beobachtete und schlich mehrmals an Rosas Türe vorbei und sah zufällig - sie wußte wenigstens selbst nicht , wie es geschah - durch das Schlüsselloch . Rosa saß an ihrem kleinen Pulte und ordnete die Gegenstände , die in der Lade aufbewahrt waren . Im ganzen Hause herrschte einmal wieder dumpfe Gewitterschwüle . Der » Herr « grollte , Bozena ging mit verstörter Miene umher , Mansuet war in bärbeißiger Laune und hatte auf offener Straße einen Streit gehabt mit Bernhard dem Pfau . Einen Streit , den der kleine Kommis mutwillig heraufbeschwor . Ohne allen Grund war er im Gespräche mit dem Jäger immer anzüglicher geworden und hatte endlich etwas gemurmelt von einem