Stelle aufgeben müssen , ist mit mir zu seiner wohlhabenden Schwester in die Stadt gezogen . In einem leichteren Amt hat er wieder arbeiten wollen , um seiner Schwester , die sich stets der Tugend der Sparsamkeit beflissen , Dach und Nahrung redlich erstatten zu können . Aber in der Stadt ist er krank Jahr und Tag ; nur daß er mir zur Not das Lesen und Schreiben lehrt , sonst hat er gar nichts getan . Und es ist gekommen , wie ich es im frühern aufgeschrieben habe . Bei dem alten Mann im dritten Stock bin ich mehrere Jahre gewesen . Wie er , so habe auch ich einen himmelblauen Brustschurz getragen . Man erspart dadurch an Gewand . In der ersteren Zeit bin ich mehrmals zur Muhme hinabgegangen auf Besuch ; aber sie hat mich fortweg und solange einen sehr dummen Jungen geheißen , bis ich nicht mehr hinabgegangen bin . Selbunter hat mein Meister einmal das Wort gesagt : » Gib acht , Andreas , daß du nicht so gescheit wirst wie deine Frau Muhme ! « Wir haben lauter blaue und rote Regenschirme gemacht , haben sie dann in großen Bünden auf Jahrmärkte getragen und verkauft . Einen breiten Schirm haben wir über unsere Ware gespannt , und die Marktbude ist fertig gewesen . Und wenn das Geschäft so gut ist gegangen , daß wir letztlich auch die Bude verkauft , so sind wir allbeide in ein Wirtshaus gegangen und haben uns was gut sein lassen . Ansonsten aber haben wir die Ware in Bünden wieder nach Hause getragen und daheim eine warme Suppe genossen . Wie mein Meister über die siebzig Jahre alt ist , wird ihm die Welt nicht mehr recht ; hat müssen eine andere haben - ist mir gestorben . Gestorben wie mein Vater . Ich bin der Erbe gewesen . Zweithalb Dutzend Schirme sind da ; die pack ' ich eines Tages auf und trag sie dem Markte zu . Auf demselbigen Markt hab ' ich Glück gehabt . Er ist in einem Tal nicht gar weit von der Stadt ; Menschen in Überfluß , aber die wenigsten werden sich zur Morgenfrühe gedacht haben , sie gehen auf den Markt , daß sie Regenschirme kauften . Kommt zur Mittagszeit jählings ein Wetterregen ; wie weggeschwemmt sind die Leute vom Platz , und mit ihnen meine Schirme . Ein alleinziger ist mir noch geblieben für mich selber , daß ich trocken bliebe mitsamt meinem gelösten Geld . Was läuft doch über den Platz ein Mann daher , daß alle Lachen spritzen ! Meinen Regenschirm will er kaufen . » Hätt ' ich selber keinen ! « sage ich . » Hab ' schon manchen Schuster barfuß laufen sehen , « lachte der Mann , » aber hörst , Junge , wir richten uns die Sach ' schlau ein . Bist du aus der Stadt ? « » Ja , « sag ich , » aber kein Schuster . « » Das macht nicht . Ein Wagen ist dahier nichts zu haben ; so gehen wir zusammen , Bursche , und benützen den Schirm gemeinsam ; letzlich magst ihn behalten oder das Geld dafür haben . « Gottesschad ' wär ' s um den feinen Rock , den er anhat , denk ich , und sag : » So ist es mir recht . « Arm in Arm bin ich , Schirmmacherbursch mit dem vornehmen Herrn in die Stadt gegangen . Wir haben unterwegs miteinander geplaudert . Er hat es so zu fügen gewußt , daß ich ihm nach und nach all meine Umstände und meine ganze Lebensgeschichte erzählt hab . Der Regen hörte auf ; die Sonne scheint , ich trage den Schirm noch offen über der Achsel , daß er trocknen mag . Wir kommen zur Stadt , da will ich zurückbleiben - nicht schicksam , daß ich mit einem so feinen Herrn durch die Stadt gehe . Er hat mich aber freundlich eingeladen , nur mit ihm zu kommen . Er hat mich zuletzt mit in sein Haus geführt , hat mir Speise und Trank vorsetzen lassen , hat mich endlich gar gefragt , ob ich nicht bei ihm bleiben wolle , er stehe einer Bücherei vor und benötige in ihr einen Handlanger . Was weiß ich unfertiger Mensch mit der Schirmmacherei anzufangen ? Ich werde Handlanger in der Bücherei . Damalen hab ' ich ' s gut gehabt . Mit meinem Herrn bin ich zufrieden gewesen ; der hat mir das Regenschirmdach reichlich erstattet ; kein Lüftlein hat mich beleidigt unter seinem Dach . Aber die Handlangerarbeit hat mir nicht von statten gehen wollen . Der helle Fürwitz ist ' s gewesen ; mit jedem Buch , das ich zur Hand bekommen , hätt ' ich auch gleich Bekanntschaft machen mögen . Allerweile hab ich ' s mit den Aufschriftblättern und Inhaltsverzeichnissen zu tun gehabt , und ich hab das , was mir insonderheit erfahrungswert geschienen , gar zu lesen angefangen . Auf das Zurechtstellen und Ordnen der Bücher hab ich vergessen . Was sagt mein Herr eines Tages zu mir ? - Bursche , für das Auswendige der Bücher bist du nicht zu brauchen , du mußt in das Inwendige hinein . Mir dünkt es gut , daß ich dich in einer Lehranstalt unterbringe . » Ja freilich , ja freilich - das ist mein heimlich Verlangen . « » Es wird gelingen , dich in die dasige Gelehrtenschule1 zu stellen , du wirst rechtschaffen und fleißig sein , wirst Unterstützung finden ; es geht rasch aufwärts und kehr ' die Hand , wird ' s heißen : Herr Doktor Erdmann ! Ganz heiß wird mir bei diesen Worten . Nicht gar lange nachher und mir ist noch heißer geworden . Mein Brotherr hat es durchgesetzt ; ich bin in die Gelehrtenschule gekommen und schnurgerade mitten hinein in das Innere der Bücher . Aber in der Schule , da werden einem trutz die allerlangweiligsten Bücher in die