freundlichsten Augen und nickte von Zeit zu Zeit vergnügt in seine Worte hinein . Als er aber geendet hatte , knüpfte sie ihre Schürzenbänder fester , schüttelte sich in ihren Röcken zurecht und rief : » Man muß eben sein Bestes tun ! « Dann nickte sie auch dem Fräulein zu und sprach , durchaus nicht die Rücksichten des Chevaliers nehmend : » Was machen Sie denn eigentlich wieder für ' n Gesicht , Frölen ? Herrgott und alle Klagelieder Jeremiä , eine Ananas haben Sie damals nicht aus der Krodebecker Gurke gezogen ; aber - aber nun heulen Sie nur nicht ! Ich will ja gern Abbitte tun , wenn ich zuviel gesagt habe ! - Ach du liebster Himmel , da geht sie wieder hin ! « Da ging sie wirklich wieder hin mit dem Taschentuch vor den Augen , schwankend und stöhnend wie die Clairon in der Rolle der Phädra . Den Junker von Lauen hatte sie am Handgelenke gepackt und zog ihn hinter sich her . Belfernd und kläffend folgte Peccadillo ihr , während Mystax mit Bedacht auf ihren Stuhl sprang und mit ruhiger Würde sich der gnädigen Frau und dem Chevalier gegenüber niederließ . » Nun bitt ich Sie , Glaubigern ! « sagte die Frau Adelheid und fügte nach einigen Augenblicken hinzu : » Alter Freund , lassen Sie mir den Jungen nicht aus den Augen ! « Siebentes Kapitel Wir haben bis jetzt mit dem Fräulein von Saint-Trouin und dem kleinen Hennig nur von der Landstraße aus in das Fenster des Krodebecker Siechenhauses gesehen und haben also noch über einiges zu reden , was sich am vorigen Abend hinter den erblindeten Scheiben begab . Der » Homeister « , welcher unter der Oberaufsicht der gnädigen Frau eine zweite Bettstatt in der Hütte aufschlagen mußte , hatte sich entfernt mit seinem Handwerkszeug . Die gnädige Frau hatte der schönen Marie noch einmal das Kopfkissen zurechtgezogen und sich sodann gleicherweise mit dem Herrn von Glaubigern entfernt . Sie hatte die neugierigen Gaffer vor der Tür auseinandergejagt , und es war still in der Hütte geworden ; - die alte Erbherrin und Burgfrau des Siechenhauses von Krodebeck fand sich zum erstenmal mit ihren neuen Hausgenossen allein , saß im Winkel und starrte auf das Bett . Marie Häußler hatte die Decke über den Kopf gezogen ; das Kind kauerte neben dem Bette auf dem Erdhoden und starrte auf die Alte . Krieg oder Frieden ? Die Atmosphäre war dumpf , schwül und drückend wie vor allen größern Auseinandersetzungen , sei ' s zwischen zwei dummen nichtsbedeutenden Weibsbildern oder zwei klugen mächtigen Nationen ! Diese Auseinandersetzung mußte kommen , und sie begann in einer höchst drolligen , aber durchaus bezeichnenden Weise . Wie ein Käfer , der in einer gefährlich erscheinenden Situation wieder Mut faßt , regte die Alte allmählich wieder Glied um Glied . Wie eine Henne , über welche der Habicht hinrauschte , zog sie den Kopf wieder unter dem gesträubten Flügel hervor . Leise und scheu streckte sie den Hals aus ihrem Winkel vor und wiegte immer schneller den Oberkörper hin und her . Sie stöhnte laut und unterbrach sich dabei , nach dem Bett hinhorchend ; und als ihr Seufzer von dem Lager her ein Echo fand , erhob sie sich und stand gebückt , wiederum lauschend . Sie hielt die Hand an das Ohr , und das Kind , welches sich immer mehr vor ihr fürchtete , fing an zu weinen , an zu schreien . Die Alte richtete ihre Aufmerksamkeit von der Mutter auf das Kind und murmelte ununterbrochen durch zwei Minuten : » Oje , oje , oje ! « Es dauerte zwei volle Minuten , ehe sie in jenes Stadium übertrat , in welchem der Käfer anfängt , seine Fühlhörner zu putzen und zu » zählen « . Dieses Stadium fand endlich seinen Ausdruck durch die Interjektionen : » O du lieber Gott ! O Gott , Gott , Gott ! « Im dritten Stadium entfaltet der Käfer seine Flügeldecken und schnurrt davon , die Henne schüttelt sich und gackert hell auf ; die alte Burgfrau im Siechenhaus aber , von einem ganz außergewöhnlichen Entschluß , von einem von Thor und Wodan zu gleicher Zeit gesandten Mut ergriffen , fuhr mit einem Kamm auf das angstvolle Kind los , packte es mit ihren knöchernen Händen , zog es trotz seines Widerstrebens zwischen die Knie und fing an , es mit gespanntestem Nachdruck zu kämmen . Die Lage der Dinge hatte sich mit einem Schlage geändert . Der Standpunkt für den fernern Verkehr war auf die natürlichste Weise gewonnen . Auf das Geschrei des Kindes hob Marie ein wenig die Decke vom Gesicht , um zu sehen , was vorgehe , sagte jedoch nichts und sagte auch nichts , als die Alte , nachdem sie ihr Werk vollendet hatte , die kleine Antonie zu dem Stuhl am Fenster führte , um ihr das heimkehrende Dorfvieh zu zeigen . Die Sonne war nunmehr untergegangen , und die Glocken der Kuhherde ertönten bereits in der Ferne . Antonie stand wieder zwischen den Knien der Alten , doch jetzt ohne Zwang ; die alte Frau wie das Kind warteten beide mit gleicher Spannung auf die Heimkehr des Viehs , und wenn wir den guten Gebrauch , jeden Abschnitt durch eine passende Überschrift zu bezeichnen , in diesem Buche zur Anwendung bringen wollten , so würden wir über dieses Kapitel die Worte : Das liebe Vieh ! setzen und mehr als einen Grund dafür bereit haben . Ein recht schöner Grund lag zum Exempel schon in dem plötzlichen Angriff mit dem Kamm auf den verwilderten Kinderkopf ; allein das war , wie gesagt , nicht der einzige . Die Alte , welche den Menschen wenig Dank schuldete und noch weniger Zutrauen , besaß eine große und innige Neigung für das Vieh und stand mit demselben auf dem allerbesten Fuße , vorzüglich soweit es , in Herden versammelt , am Morgen und am Abend an