dazu , obwohl ihm ihre Erzieherin gar nichts recht machte , als da sie ihr Verhältnis mit dem Stighans auf jede Weise begünstigte und mit allen Kräften vorwärts half . Aber als dann der Base doch ihre Rechnung fehlte , empfand er etwas wie Schadenfreude und meinte , zum lieben Glück sei denn auch noch eine Zusel da , die schon fangen werde , was der Angelika entronnen sei . Angelikas mütterliche Verwandte nahmen die Sache viel weniger leicht . Sie hielten es für höchst nötig , die von Hansen , wenn auch wider Willen , so vielen Redereien preisgegebene Base sofort zu verheiraten , um dem Geschwätz für immer ein Ende zu machen , bevor sie bei keinem reichen Burschen mehr etwas gelte . Zum lieben Glück erklärte sich der Andreas , ein wohlhabender Bursche , sogleich bereit , durch die Tat zu beweisen , daß Angelika schon noch einen rechten Burschen bekomme , wenn auch der Hans zurückgetreten sei . Dem Mädchen war er so recht oder unrecht als außer Stighansen fast jeder andere . Sein Leichtsinn machte ihr wenig Sorge , obwohl sie die Hoffnung der Basen , daß sie ihn leicht bekehre , nicht zu teilen vermochte . Sie wollte nun einmal aus dem Gerede heraus und lieber einen Gebieter als zwanzig Gebieterinnen . War er verschwenderisch , wie man sagte , so brauchte sie nicht zu zittern , wenn sie einen alten Topf zerbrach , und sein Leichtsinn ließ sie wohl einmal frei atmen , wenn auch sie ihm das Leben nicht allzuschwer machte . Sie hatte es also immerhin besser als bisher . Der Krämer sprach es offen aus , daß er mit diesem Töchtermann durchaus nicht zufrieden sei ; doch ließ er sich die Leute darüber streiten , ob diese Abneigung mehr dem zügellosen Leichtsinn oder der Starrköpfigkeit des Töchtermanns gelte . Andreas selbst kümmerte sich darum nicht viel , nur das verletzte ihn , daß der Krämer die wegen Verwandtschaft eingeholte kirchliche Dispens nicht bezahlen wollte , sondern trotzig sagte , er würde die hundert Gulden lieber geben , wenn er von dieser Verwandtschaft loskommen könne , als dafür , daß nun sein Kind sich wieder darin verheirate . Diese Rede verzieh Andreas dem Krämer nie , und selbst Angelika empfand sie wie eine Beleidigung ihrer lieben seligen Mutter . So kam es , daß Andreas und sein junges Weib nicht viel mit dem Krämer zu tun hatten . Dieser dagegen wendete nur noch mehr all seine Liebe und Sorgfalt der damals dreizehnjährigen Zusel zu , oder - um mit den Nachbarn zu reden - er verzog und verdarb sie , daß man oft zuerst ihm und dann ihr mit der Rute hätte nachlaufen mögen . Der Ostertag war daher auch für ihn ein wahrer Festtag , wie er noch selten einen erlebt hatte . Mit der Auswahl der Stoffe zu neuen Kleidern hatte er es noch viel strenger genommen als selbst Zusel , welche zu oberflächlich war , um sich schon jetzt so ängstlich mit der Sache zu beschäftigen . Der Krämer jedoch wußte aus Erfahrung nur zu gut , daß man schließlich böse Stunden erlebe , wenn etwas nicht recht paßte und allen Anforderungen entspräche . Redlich hatte er das Seine getan bei der Auswahl und dann der Nähterin wenigstens eine Viertelstunde lang vorgepredigt ; drum konnte er jetzt auch mit ruhigem Gewissen seines Lieblings Rückkehr aus dem Ankleidezimmer erwarten . Die Geduld aber wär ' ihm beinahe ausgegangen , bis sich endlich die Stubentüre auftat und ihn die hohe , im Festschmuck strahlende Gestalt seines wirklich wunderlieblichen Kindes mit dem etwas herausfordernd aufgeworfenen Blondköpfchen sehen ließ . » Nun , wie gefall ' ich dir jetzt ? « fragte sie mit einem Blicke , daß der Krämer - Stighansen an seinen Platz gewünscht hätte . Ja , sie war schön mit dem lachenden Blick und dem selbstsicheren Trotz , der bei jeder Frage um den kleinen Mund zu spielen schien . Die Leute nannten sie Angelikas treues Ebenbild , der Krämer jedoch fand sie viel , viel schöner . Angelikas ernster Blick machte einem ganz angst . Sie tat oft , als ob sie die Mutter Gottes zu spielen hätte ; neben der Zusel aber wurde einem wohl . Die war doch eher ein Mädchen für den etwas unbeholfenen , allzu gewissenhaften Hans . Die sollte der Gemeinde beweisen , daß es früher nicht nur am Ansehen seiner Verwandtschaft fehlte und daß seine Mädchen sich wenigstens durch ihre Erziehung sehr unähnlich geworden seien . » Nun , wie gefall ' ich dir ? « fragte das Mädchen abermals , und ohne den Krämer zu einer Antwort kommen zu lassen , eilte sie hinaus auf die Gasse , wo man frohe Mädchenstimmen hörte . » Es ist doch ein prächtiges Ding « , sagte er , der Forteilenden langsam folgend . » Lustig wie ein Vogel und stolz . Das ist recht . Besser noch freilich wär ' s gewesen , wenn sie diesen Stolz schon vor drei Jahren gehabt hätte ... Nun - eine Dummheit kann man ihr schon verzeihen , besonders eine , die ihr jetzt nichts mehr schaden wird . « In der Kirche wird Zusel sich wohl über die Auferstehung des Herrn gefreut haben , wie der Pfarrer das in der Predigt von jedem Christen erwartete , heim aber kam sie nach dem Gottesdienst in der allerübelsten Stimmung . Die ihr entgegeneilende Katze , die plötzlich zischend unter den Kachelofen sprang , mußte das eher bemerkt haben als die Magd , die ihren Bericht über das Aufsehen , welches Zusel heute gemacht habe , nicht eher endete , als da eine Stimme , wie sie dem hübschen Mädchen unmöglich anzugehören schien , ihr zu schweigen und lieber an das Mittagessen zu denken befahl . Der Vater fand sein Kind auf dem Kanapee , wo es das verweinte Gesichtchen in die Kissen vergrub . » Nun ? « fragte er nach einer Weile erstaunt . » Nun