was Sie gelitten , was Sie geopfert haben ? Ja , ich habe es verschmerzt ! Ich habe wieder Freude an dem Leben , ich habe Menschen , deren Wohl und Wehe mir sehr am Herzen liegt .... Und Sie können also wirklich wieder glücklich sein ? fragte sie noch einmal . Ich bin freudig in meiner Arbeit , in der Erfüllung meiner Pflicht ! Mit einem Worte , ich lebe gern , versetzte er - und ich habe doch keinen Sohn , für den ich leben könnte ! Sie faßte den Gedanken offenbar bereitwillig auf . Ja , sagte sie , es ist ein gutes Kind , und Sie glauben nicht , wie klug er ist . Weit über seine Jahre klug ! Er merkt Alles und weiß Alles , ohne daß man es ihm sagt . Wenn er mich traurig findet , sieht er mich an , daß man denkt , es sei eine Sünde , ihn merken zu lassen , was man aussteht . Er läßt dann keinen Blick von mir , und seine Augen sind ganz wie die des Vaters . Sie sprach darauf von der Absicht des Barons , den Knaben früh einer männlichen Leitung zu übergeben , und klagte sich an , daß sie denselben bisher nicht genug geliebt habe . - Ich habe immer und immer nur an den Vater gedacht , sagte sie ; der Knabe würde mich bald vergessen , nähme man ihn fort von mir , und der Vater wird mich noch schneller vergessen ! setzte sie mit erneuter Klage hinzu . Der Caplan mochte es ihr nicht bemerken , daß sie damit zum ersten Male ihre indirecte Zustimmung zu den Absichten des Barons kundgegeben hatte , aber die Thatsache war ihm wichtig , und obschon er bei Paulinen ' s schnell wechselnden Stimmungen auf diese plötzliche Sinnesänderung nicht allzu viel vertraute , fing er doch an , mit ihr von einem der nächstgelegenen Städtchen und von dem Leben in demselben zu sprechen . Pauline wußte es , daß der Baron sie dorthin senden wollte . Sie fragte , wie weit der Ort von Richten entfernt sei und wie viel Zeit man brauche , um von dort nach der Hauptstadt der Provinz zu kommen , in welcher nach dem oftmals ausgesprochenen Plane seines Vaters der Knabe später erzogen werden sollte . Dann erkundigte sie sich , ob ihrem Sohne seine Geburt bei der Aufnahme in eine Erziehungsanstalt keine Hindernisse in den Weg stellen würde , wie sie einmal gehört zu haben glaubte , und sie blieb überhaupt nur mit der Zukunft des Knaben beschäftigt , bis der Caplan sich entfernte . Es war aber ersichtlich daß ihr Etwas auf dem Herzen lag , für das sie den Ausdruck oder den Moment nicht zu finden wußte , und der Geistliche hielt schon den Drücker der Thüre in der Hand , als sie sich ihm näherte und schüchterner , als es ihre Art war , die Frage aufwarf : Sie haben sich überwunden , sich aufgeopfert , Hochwürden , hat Ihnen das gute Frucht gebracht ? Haben sie es Ihnen gedankt , diejenigen , für welche Sie sich geopfert haben ? Ein Opfer , für das man Lohn erwartet , ist kein Opfer mehr ! entgegnete er ihr . Sie verstummte darauf und ließ ihn gehen . Aber er war ihr menschlich näher getreten , seit sie wußte , daß auch er gelitten und verzichtet habe ; und es gelang ihm nach einigen Tagen endlich , ihre Einwilligung zu der Uebersiedelung nach der Stadt zu erhalten . Sie erklärte jedoch , daß sie den Baron noch einmal sehen wolle , ehe sie Richten verlasse . Sie müsse aus seinem eigenen Munde das Versprechen erhalten , daß er sie besuchen werde , wenn er nach ihrem künftigen Wohnorte komme ; daß er selbst über den Lebensweg ihres Sohnes wachen wolle , und der Caplan ging , so weit er es vermochte , auf alle ihre Wünsche ein . Neben diesen Stunden voll ruhiger Ueberlegung gab es aber auch viele andere , in welchen sie sich nur mit der Hochzeit des Barons und der künftigen Baronin beschäftigte , und in denen sie völlig wieder in ihren Schmerz versank . Sie betheuerte dann unaufhörlich , daß sie ja verzichten möchte , daß sie es aber nicht könne , und daß es über ihre Kräfte gehe . Es war ein Auf und Nieder in ihren Empfindungen , dem schwer zu folgen , dessen Ursachen oft nicht zu erspähen waren ; und oftmals , wenn die Vorstellungen und Gespräche des Caplans sie so weit gebracht hatten , daß ein Schuldbewußtsein und der Gedanke , daß man ein Verschulden büßen müsse , in ihr rege wurden , warf sie mit der ihr eigenthümlichen Plötzlichkeit gewisse Aeußerungen über die ihr einzig angemessene Art von Buße hin , welche er aufs Neue zu bekämpfen hatte . Am Freitag Abend ging er nochmals zu ihr . Man erwartete in der Nacht die Ankunft des Barons , der sich am Sonntag in aller Frühe zu seiner Braut begeben wollte . Der Caplan wünschte ihm bei seiner Heimkehr sagen zu können , daß er Alles geordnet habe und daß Pauline in ihr Schicksal ergeben sei . Er war daher sehr zufrieden , als er Abends , da er zu ihr kam , sie damit beschäftigt fand , die Kleider und das Spielzeug ihres Sohnes in einen kleinen Koffer zusammen zu packen . Sie sprachen fortdauernd von der Reise und von der Stadt . Als der Caplan sie fragte , für welche Zeit er ihr die Pferde bestellen solle , gab sie den Sonntagmorgen an , und wünschte , daß der alte Kämmerer bewogen werden möge , sie zu begleiten . Sie habe Richten nie verlassen und es bange ihr vor der Fremde . Der Caplan versprach ihr , dies zu vermitteln und Alles nach ihrem Wunsche einzurichten . Nur als sie auf die begehrte Unterredung mit dem Baron zurückkam und auf dieselbe bestand