, und auch der Oheim Grünebaum gab als » zivilisierter Mann « und » Philosophikus « seine Zustimmung . Hans durfte Moses besuchen und Besuche von Moses annehmen . Die Nachbarn und Nachbarinnen schüttelten bedenklich die Köpfe , aber hinderten nicht , was das Geschick beschlossen hatte . Nachdem sich seine Augen an die Dunkelheit des Trödelladens gewöhnt hatten , entdeckte Hans darin so viele Wunder , daß sich sein Leben jetzt erst mit dem wahren Inhalt zu füllen schien . Zu gleicher Zeit erstieg er eine zweite Stufe auf der Leiter des Wissens , sagte er dem Spritzenhaus und dem Nachfolger Silberlöffels Valet , um in die unterste Klasse der » Bürgerschule « einzutreten . Das war ein wichtiger Schritt vorwärts und wurde als solcher gebührend anerkannt und gefeiert . Der Oheim Grünebaum hielt dabei eine seiner schönsten und längsten Reden , welche aber doch weniger Wirkung auf den Neffen machte als ein Paar neuer Stiefel , womit er ihn beschenkte . Es waren die ersten , auf welche Hans Unwirrsch trat ; in fieberhafter Aufregung hatte er ihren Bau von den ersten Anfängen an bewacht ; mit Nägeln waren sie beschlagen , daß man von der Sohle fast nichts erblickte ; wenn man darin einherstapfte , so hörte man den Schritt drei Gassen weit . Der Oheim Grünebaum hatte ein Meisterstück gemacht und hatte das seltene Vergnügen , daß es als solches anerkannt wurde . Ein großes Sehnen in Hansens Brust war durch die Stiefeln befriedigt worden , er schritt auf ihnen mit bedeutend erhöhterem Selbstbewußtsein durch das Leben . Ein Junge mit so vielen und so dickköpfigen Nägeln unter den Füßen konnte schon seinen Standpunkt den neuen Lehrern und den neuen Schulgenossen gegenüber behaupten , und Hans behauptete ihn und trat jetzt auch erst in ein innigeres Verhältnis zu dem andern Geschlecht , welches er bis dahin so sehr verachtet hatte , insofern es nicht durch seine Mutter und die Base Schlotterbeck repräsentiert wurde . Neben dem Trödelladen wohnte eine Frau , die sich durch eine Semmel- und Obstbude vor der Tür der Bürgerschule erhielt . Ihr Name tut nichts zur Sache ; aber sie hatte eine Tochter von ungefähr acht Jahren , und das kleine Mädchen hatte eine Katze . Das Kind starb zuerst , dann starb die Katze ; die Obsthändlerin ist heute auch längst tot ; - sie haben keine unausfüllbare Lücke in der Welt gelassen , aber die kleine Sophie war doch Hans Unwirrschs erste Liebe . In Abwesenheit der Mutter saß das Kind in der Obstbude an der Bürgerschule , und neben ihm saß die Katze . Beide blickten unbeschreiblich ernsthaft und verständig über die Haufen rotbäckiger Äpfel und Birnen , die Körbe mit den Pfefferkuchen und Semmeln und die Glaskästen voll verlockenden Zuckerwerks . Sich selber ließen sie niemals durch die ausgelegten Schätze verlocken . Pflichtgetreu saßen sie da , warteten auf die Kunden und besorgten den Handel ebensogut wie die Inhaberin der Firma . Zuerst wurde Hans natürlich durch das Obst , die Pfefferkuchen und Semmeln zu der Bude gezogen ; dann übte die Katze eine bedeutende Anziehungskraft auf ihn aus ; die kleine Sophie würdigte er seiner Aufmerksamkeit zuletzt , und es dauerte eine ziemliche Zeit , ehe das Verhältnis sich umkehrte . Letzteres trat erst dann ein , als der ritterliche Hans auch hier als Beschützer aufgetreten war , und dazu mangelte die Gelegenheit nicht . Nicht Hans allein richtete seine Aufmerksamkeit auf die Katze in der Semmelbude . Auch andere jugendliche Gemüter nahmen teil an ihrem Wohl , aber noch viel mehr an ihrem Wehe . Die offenen oder geheimen Angriffe auf das ehrbare , gesittete Tier nahmen nie ein Ende , und die kleine Herrin wußte im Kampf mit allen finstern Mächten ihrem Jammer oft keinen Rat . An jedem Abend trug sie ihre vierbeinige Freundin auf den Armen nach Haus , und dann war auch die rechte Zeit der Wegelagerer gekommen . An jeder Straßenecke hatten Kind und Katze Leid zu bestehen , und immer neue Verfolger schlossen sich zur Begleitung an . Bei solcher Gelegenheit zeigte sich Hans wieder als ein edles Gemüt und nahm sich der duldenden Unschuld nach Kräften an . Er trug zwar wiederum einige Beulen und blaue Flecke davon ; aber das stolze Gefühl , mit welchem er die kleine Sophie sicher bis zur Kröppelstraße geleitete , war doch auch nicht zu verachten . Die Bekanntschaft war angeknüpft , und gegenseitige , innigste Zuneigung entstand daraus . An jedem Abend fand sich Hans an der Obstbude ein , um seine beiden Schutzbefohlenen abzuholen . Moses Freudenstein war bald der Vierte im Bunde . Durch einen Lenz , einen Sommer und einen Winter verkehrten die Kinder so miteinander . Sie trieben alle Kinderspiele zusammen ; mit seinen schönsten Blüten überschüttete sie der Frühling , der Sommer gab alle Freuden , welche er dem jungen Menschen zu geben hat . Holdselig war das Jahr , keine Blüte , keine Frucht blieb aus . In den Herzen der Greise regten sich die ältesten fröhlichen Erinnerungen ; die Schatten der Toten , welche der Base Schlotterbeck in den Gassen begegneten , schienen sich , nach der Aussage der Base , mit den Lebendigen zu freuen . Die Jünglinge und Jungfrauen lebten ein doppeltes Leben in einer schönen Gegenwart und einer schönern , hoffnungsreichen Zukunft . Sorgenvolle Väter und Mütter warfen wenigstens auf Augenblicke die Not des Tages von sich ; aber die Glücklichsten waren doch die Kinder , die vom Alter , vom Tod , von der Hoffnung und von der Sorge noch nichts wußten . Ihnen gehörte die Lust des Jahres ganz und gar , und größtes Unrecht war es , in ihr Reich allzu verständig mit kalter Hand einzugreifen . Zu Wald und Feld führte Hans die kleine Sophie . Sie verloren sich freilich nicht weiter in die grüne Freiheit , als der Schall der Glocken der kleinen Stadt reichte : aber welch eine Unendlichkeit war ihnen darin gegeben ! Der Inbegriff