kleine Zerstreuung der Art wird Herrn Doctor Stein , der die Einförmigkeit eines ländlichen Aufenthalts sicher schon empfunden hat , recht willkommen sein . Ich selbst wollte Sie für morgen schon zu einem Besuche zu bestimmen suchen , Herr Stein ; bei unserm Pastor , der schon empfindlich sein wird , daß Sie sich ihm noch nicht vorgestellt haben . Nun , das läßt sich ja ganz gut vereinigen , sagte Melitta ; morgen ist Sonntag , der Pastor Jäger wird entzückt sein , wenn Sie die nicht allzugroße Zahl seiner Zuhörer durch Ihre Person vermehren . Berkow ist von Faschwitz durch den Wald nur ein halbes Stündchen entfernt . Ich würde Sie gleich zu Mittag einladen , aber ich weiß , daß die Frau Pastorin Sie nicht sobald wieder fortlassen wird . Nun , was sagen Sie , Herr Doctor ? Ich kann den Damen nur meinen tiefgefühlten Dank aussprechen , daß Sie die Güte haben wollen , über meine Zeit besser zu disponiren , als ich es auf jeden Fall im Stande wäre , antwortete Oswald mit einer höflichen Verbeugung . Das heißt : der Weise schickt sich in das Unvermeidliche , sagte Melitta lachend . Und hier kommt der Baron mit Malte , und wir können zu Tische gehen , wonach ich , offen gestanden , großes Verlangen trage . Die Tafel war auf dem niedrigen Perron , der nach dem Garten zu dem Schlosse in seiner ganzen Länge angebaut war , unter einem Zeltdache gedeckt . Der Abend war herrlich . Die Sonne war im Untergehen . Rosige Lichter spielten in den Wipfeln der hohen Buchen , die den schattigen Rasenplatz umgaben . Schwalben schossen zwitschernd und zirpend durch die klare Luft . Ein Pfau kam , durch das wohlbekannte Klappern der Teller herbeigelockt , aus dem Gebüsch eilig über die Wiese geschritten , und sammelte die Brocken auf , die der alte Baron ihm über das Steingeländer des Perrons zuwarf . Die Unterhaltung war heute um Vieles lebhafter , als es wohl sonst der Fall war . Die Baronin konnte , wenn sie wollte , eine sehr angenehme Wirthin machen , und sie war , trotz ihrer zur Schau getragenen Abneigung gegen weltlichen Sinn , durchaus nicht so frei von Eitelkeit , daß es ihr gleichgültig gewesen wäre , neben Melitta übersehen zu werden . Melitta aber war in der liebenswürdigsten Laune ; sie scherzte und lachte , neckte und ließ necken , unbefangen , harmlos , wie ein Kind . Es fiel Oswald , während er sich dem Zauber von Melitta ' s reizender Erscheinung willig überließ , nicht ein , zu glauben , seine Gegenwart könne etwas zur Erhöhung ihrer Stimmung beitragen , und doch war dies in einem hohen Grade der Fall . Es giebt wenige Frauen , die vollkommen indifferent dagegen sind , welchen Eindruck sie auf ihre Umgebung hervorbringen , und Melitta gehörte durchaus nicht zu diesen wenigen Frauen , wohl aber zu jenen Naturen von leicht erreglicher Sinnlichkeit , die sich durch gefällige und schöne Formen in einer Weise bestechen lassen , die kälteren Temperamenten unbegreiflich ist . Nun war Oswald , ohne das zu sein , was man einen schönen Mann nennt , von der Mutter Natur nichts weniger als stiefmütterlich ausgestattet , und die gute Gesellschaft , in der er sich stets bewegt , hatte die natürliche Grazie seiner Manieren noch erhöht . Das Alles überraschte Melitta um so angenehmer , als sie es bei einem Manne von einer nach ihren Begriffen so untergeordneten Stellung am wenigsten erwartet hatte . Oswald erschien ihr mit jedem Augenblick bedeutender ; sie fing an , ihre brüske Einladung von vorhin doch recht unpassend zu finden , und zugleich entzückte sie der Gedanke , den liebenswürdigen jungen Mann so bald bei sich zu sehen . Es schmeichelte ihr , wenn , was über Tische mehrmals geschah , Oswald ' s Blicke den ihren begegneten , und doch senkte sie jedesmal die Wimpern vor einem Augenpaar , das bei aller Unbefangenheit so beredt und forschend blicken konnte . Nach Beendigung der Mahlzeit brachte die Baronin , da Melitta erklärte , noch ein Stündchen bleiben zu können , ein Reifspiel in Vorschlag ; Bruno sprang fort , die Reifen zu holen , die weder verlegt , noch außer Stande waren , ein Umstand , der gewiß für die musterhafte Ordnung , die in dem Schlosse Grenwitz herrschte , beredt genug spricht ; und bald hatte sich die Gesellschaft auf dem Rasen in einem weiten Kreise aufgestellt und die bunten Reifen flogen lustig durch die weiche , warme Abendluft von Einem zum Anderen . Alle , selbst der alte Baron , legten eine größere oder geringere Geschicklichkeit an den Tag , mit Ausnahme von Malte , der seinen Reif in den meisten Fällen , wo er ihm nicht unmittelbar auf den Stock geflogen kam , fallen ließ , eine Gelegenheit , die Melitta , seine Nachbarin , zum großen Aerger Bruno ' s , der die Spielregeln eingehalten wissen wollte , jedesmal benutzte , ihren Reif aus der Reihe einem der Mitspieler blitzschnell über den Kopf zu schleudern , wobei Oswald nicht umhin konnte , zu bemerken , daß Melitta ihn häufiger wie die Uebrigen auf diese Weise auszeichnete . Unterdessen war der Abend tiefer herabgesunken ; der alte Baron hatte eine schwache Spur von Thau auf dem Rasen bemerkt ; Abendthau aber war nach seiner Meinung reines Gift für Malte , der als kleines Kind eine Zeit lang viel an der Bräune gelitten hatte , und er mahnte deshalb dringend , das Spiel einzustellen . Melitta fand , daß es hohe Zeit für sie sei , aufzubrechen , und bat , ihrem Reitknecht Befehl zu geben , die Pferde zu satteln . Bruno war fortgesprungen , den Auftrag auszurichten ; die Baronin mit Mademoiselle in das Zimmer getreten ; der Baron beschäftigt , Malte , der sich durchaus erkältet haben sollte , ein dickes Shawltuch um den Hals zu wickeln ; Oswald und