alt - ich kann nicht ohne Schauder an das Geschick denken , das sie vielleicht betroffen . Nie habe ich wieder etwas von ihr gehört , alle Nachforschungen , die ich selbst nach ihr anstellte und welche von den Benediktinern , wie sie mich wenigstens versicherten , nach ihr angestellt worden , blieben erfolglos . Die frommen Klosterbrüder behielten mich bei sich im Kloster , das kleine Besitzthum meiner Eltern fiel ihm anheim und ich sollte dafür von ihnen zum geistlichen Stande erzogen werden . Ich lernte nun bei ihnen schreiben , zeichnen und lesen , und da sie mit mir zufrieden waren , wie ich bei ihren Lehren mich anstellte , unterrichteten sie mich in allen wissenschaftlichen Dingen . Dabei ging mir der Sinn auf für die Kunst , und ich konnte dem Drang nicht widerstehen , mich ihr ganz zu widmen . Einer der Mönche ward mein Fürsprecher , und so entließ man mich endlich und die Straßburger Bauhütte nahm mich als Lehrling auf , wo ich , wie Ihr aus meinen Zeugnissen seht , fünf Jahre gelernt und mein erstes Gesellenjahr gearbeitet habe . « » Und von Eurem Vater erfuhrt Ihr Nichts ? « fragte der Propst theilnehmend weiter . » Einige seiner Landsleute , die zurückkamen , sagten , er sei in der Schlacht gefallen , aber ich weiß so wenig gewiß , ob das wahr ist , wie jene letzte Nachricht über meine Mutter , « antwortete Ulrich . » Es sind vierzehn Jahre seitdem vergangen , aber ich habe nie wieder etwas von ihnen gehört , noch hat der Klosterbruder , der mein Gönner und Freund geblieben , je etwas von ihnen erfahren . « » Ihr waret das einzige Kind Eurer Eltern ? « fragte Kreß , dessen Theilnahme immer mehr zu wachsen schien . » Ich hatte niemals Geschwister . « » Und Euer ländliches Besitzthum ? « » Der Abt des Benediktinerklosters verwaltet es für meinen Vater . Wenn er oder meine Mutter nicht zurückkommen , fällt es an das Kloster . « Der Propst konnte bei dieser Antwort ein leises Lächeln nicht unterdrücken , aber er schien mit seinem Examen über Ulrich ' s Familienangelegenheiten zu Ende zu sein , und sprach nun von Bauangelegenheiten mit ihm . Dieses Examen war ungewöhnlich , da es vollständig überflüssig war . Kein Jüngling ward als Baulehrling zugelassen , der nicht von ehrlicher Geburt war und nicht die besten Zeugnisse über seine Sittlichkeit und Brauchbarkeit hatte . Es verstand sich daher beides schon bei einem Baubruder von selbst , und außerdem waren dieselben fast ebenso losgerissen von allen Familienbanden wie die Geistlichen , da auch das Cölibat bei ihnen Bedingung war , daß es nie Jemanden einfiel , sich um ihre Angehörigen zu bekümmern . Anton Kreß mußte darum gerade ein besonderes Interesse für diese haben , sonst hätte er nicht diese Auskunft von Ulrich verlangt . So viel ward diesem klar , aber vergeblich bemühte er sich durch Nachsinnen zu ergründen , was den Propst zu diesen Fragen veranlassen konnte . Viertes Capitel Konrad Celtes » Unter der Veste « erhob sich ein neues Prachtgebäude , das eben erst in diesem Jahr beendet worden . Es war auch nur das Wohnhaus eines Patriziers , aber fast das schönste Nürnbergs . Ein Eckhaus , breit und tief und hochaufsteigend zugleich , die immer noch Raum zu neuen Verschönerungen ließ , wie z.B. der Tragstein an der Ecke noch mit keiner Statue geschmückt war und die einzelnen Absätze des treppenartig ausgeschnittenen Giebels auch noch ihrer Standbilder harrten . Im Innern war es mit ausgesuchter Pracht und Kunst eingerichtet und bekundete den Reichthum seines Besitzers . Dies war Herr Christoph Scheurl , der mit zu den angesehensten Geschlechtern gehörte . Erst seit wenigen Wochen hatte er dies neue Haus bezogen , nachdem seine Hochzeit mit Elisabeth Behaim stattgefunden , eine ebenbürtige Wahl , denn auch die Behaim waren ein altes rathsfähiges Geschlecht und auch im Ausland durch ihre Niederlagen in Venedig und den Handel , den sie nach Portugal trieben , wohlbekannt und in großem Ansehen . Die junge Gattin war allein . In einem prachtvollen Chörlein , das sich weit vorspringend an der Ecke des Hauses befand , saß sie am offenen Fenster und blickte träumerisch hinab auf die Straße , zuweilen auch auf eine zierliche Schrift , die auf ihrem Schooße lag . Sie war eine ziemlich große prächtige Gestalt mit schwellenden Formen und edler stolzer Haltung . Auch in ihrem schönen Antlitz schien ein Zug von Stolz der vorherrschende zu sein . Aber man sah es auf den ersten Blick : es war nicht die Hoffarth und Eitelkeit einer verwöhnten Schönheit , es war nicht der Hochmuth auf Vornehmheit und Reichthum , was diesen Zug hervorrief : es war der Stolz eines selbstbewußten Weibes , das über das gewöhnliche Geschlecht und die gewöhnlichen Verhältnisse sich selbst emporgehoben . In diesen strahlenden Augen las man von innern Kämpfen , und der lächelnde Zug um die Lippen war nicht der des Glückes und der Befriedigung , möge sie aus naiver Unerfahrenheit oder aus beglückenden Verhältnissen kommen , sondern mehr das Lächeln einer Welterfahrung , die zur Weltverachtung geworden . Sie stand etwa in der Mitte der Zwanzig und sah auch sonst nicht aus wie ein Wesen , das schon in solcher Weise mit der Welt abgeschlossen hätte - nur jenes Lächeln abgerechnet . Das Haar umwallte sie in malerisch geordneten Locken , die im Nacken goldene Nadeln emporhielten , die vordersten aber fielen auf die Brust herab . Ihr Kleid war von violetter Seide , einem Stoff , den man Zündel hieß , und nach venetianischem Schnitt , die offenen Aermel fielen bis zum Boden und ließen die weißen schöngeformten Arme ohne bedeckende Hülle ; man müßte denn als solche die zahlreichen kostbaren Spangen betrachten , von denen man nicht wußte , ob ihr Werth größer sei durch die Pracht ihrer Steine und deren Fassung , oder durch die kunstreiche Arbeit ihres Verfertigers