dies wunderlich in einem bewohnten und wohleingerichteten Zimmer aus . Da ich aber nun den Grund meiner Empfindung aufgefunden hatte , oder aufgefunden zu haben glaubte , war auch ein großer Teil ihrer Dunkelheit und mithin Annehmlichkeit verschwunden . Wie ich nun so fortwährend auf den Vogelgesang merkte , fiel mir sogleich auch etwas anderes ein . Wenn ein Gewitter im Anzuge ist und schwüle Lüfte in dem Himmelsraume stocken , schweigen gewöhnlich die Waldvögel . Ich erinnerte mich , daß ich in solchen Augenblicken oft in den schönsten , dichtesten , entlegensten Wäldern nicht den geringsten Laut gehört habe , etwa ein einmaliges oder zweimaliges Hämmern des Spechtes ausgenommen oder den kurzen Schrei jenes Geiers , den die Landleute Gießvogel nennen . Aber selbst er schweigt , wenn das Gewitter in unmittelbarer Annäherung ist . Nur bei den Menschen wohnende Vögel , die das Gewitter fürchten wie er , oder solche , die im weiten Freien hausen und vielleicht dessen majestätische Annäherung bewundern , zeigen sein Bevorstehen an . So habe ich Schwalben vor den dicken Wolken eines heraufsteigenden Gewitters mit ihrem weißen Bauchgefieder kreuzen gesehen und selbst schreien gehört , und so habe ich Lerchen singend gegen die dunkeln Gewitterwolken aufsteigen gesehen . Das Singen der Waldvögel erschien mir nun als ein schlimmes Zeichen für meine Voraussagung eines Gewitters . Auch fiel mir auf , daß sich noch immer keine Merkmale des Ausbruches zeigten , welchen ich nicht für so ferne gehalten hatte , als ich die Landstraße verließ . Die Sonne schien noch immer auf das Haus , und ihre glänzenden Lichttafeln lagen noch immer auf dem schönen Fußboden des Zimmers . Mein Beherberger schien es darauf angelegt zu haben , mich lange allein zu lassen , wahrscheinlich , um mir Raum zur Ruhe und Bequemlichkeit zu geben ; denn er kam nicht so bald zurück , als ich nach seiner Äußerung erwartet hatte . Als ich eine geraume Weile gesessen war , und das Sitzen anfing , mir nicht mehr jene Annehmlichkeit zu gewähren wie anfangs , stand ich auf und ging auf den Fußspitzen , um den Boden zu schonen , zu dem Büchergestelle , um die Bücher anzusehen . Es waren aber bloß beinahe lauter Dichter . Ich fand Bände von Herder , Lessing , Goethe , Schiller , Übersetzungen Shakespeares von Schlegel und Tieck , einen griechischen Odysseus , dann aber auch etwas aus Ritters Erdbeschreibung , aus Johannes Müllers Geschichte der Menschheit und aus Alexander und Wilhelm Humboldt . Ich tat die Dichter bei Seite , und nahm Alexander Humboldts Reise in die Äquinoktialländer , die ich zwar schon kannte , in der ich aber immer gerne las . Ich begab mich mit meinem Buche wieder zu meinem Sitze zurück . Als ich nicht gar kurze Zeit gelesen hatte , trat mein Beherberger herein . Ich hatte , weil er so lange abwesend war , gedacht , er werde sich etwa auch umgekleidet haben , weil er doch nun einmal einen Gast habe , und weil sein Anzug so gar unbedeutend war . Aber er kam in den nämlichen Kleidern zurück , in welchen er vor mir an dem Gittertore gestanden war . Er entschuldigte sein Außenbleiben nicht , sondern sagte , ich möchte , wenn ich ausgeruht hätte und es mir genehm wäre zu speisen , ihm in das Speisezimmer folgen , es würde dort für mich aufgetragen werden . Ich sagte , ausgeruht hätte ich schon ; aber ich sei nur gekommen , um um Unterstand zu bitten , nicht aber auch in anderer Weise , besonders in Hinsicht von Speise und Trank lästig zu fallen . » Ihr fallt nicht lästig , « antwortete der Mann , » Ihr müßt etwas zu essen bekommen , besonders da Ihr so lange da bleiben müßt , bis sich die Sache wegen des Gewitters entschieden hat . Da schon Mittag vorüber ist , wir aber genau mit der Mittagstunde des Tages zu Mittag essen , und von da bis zu dem Abendessen nichts mehr aufgetragen wird , so muß für Euch , wenn Ihr nicht bis abends warten sollet , besonders aufgetragen werden . Solltet Ihr aber schon zu Mittag gegessen haben und bis abends warten wollen , so fodert es doch die Ehre des Hauses , daß Euch etwas geboten werde , Ihr möget es dann annehmen oder nicht . Folgt mir daher in das Speisezimmer . « Ich legte das Buch neben mich auf den Sitz , und schickte mich an zu gehen . Er aber nahm das Buch , und legte es auf seinen Platz in dem Büchergestelle . » Verzeiht , « sagte er , » es ist bei uns Sitte , daß die Bücher , die auf dem Gestelle sind , damit jemand , der in dem Zimmer wartet oder sich sonst aufhält , bei Gelegenheit und nach Wohlgefallen etwas lesen kann , nach dem Gebrauche wieder auf das Gestelle gelegt werden , damit das Zimmer die ihm zugehörige Gestalt behalte . « Hierauf öffnete er die Tür und lud mich ein , in das mir bekannte Speisezimmer voraus zu gehen . Als wir in demselben angelangt waren , sah ich , daß in ausgezeichnet schönen weißen Linnen gedeckt sei , und zwar nur ein Gedecke , daß sich eingemachte Früchte , Wein , Wasser und Brod auf dem Tische befanden , und in einem Gefäße verkleinertes Eis war , es in den Wein zu tun . Mein Ränzlein und meinen Schwarzdornstock sah ich nicht mehr , mein Hut aber lag noch auf seinem Platze . Mein Begleiter tat aus einer der Taschen seines Kleides ein , wie ich vermutete , silbernes Glöcklein hervor und läutete . Sofort erschien eine Magd und brachte ein gebratenes Huhn und schönen rotgesprenkelten Kopfsalat . Mein Gastherr lud mich ein , mich zu setzen und zu essen . Da es so freundlich geboten war , nahm ich es an . Obwohl ich wirklich schon einmal gegessen hatte , so war das