, dem Kinde meiner Freunde ein treuer Helfer zu sein im Glück und Unglück , bei Nacht und bei Tage , und ich glaube den Schwur gehalten zu haben . Das Kind sah mich mit seinen großen blauen - denen der Mutter so ähnlichen Augen lächelnd an , griff mit beiden Händchen mir in die Haare und begann lustig zu zausen , wobei die alte Martha mit gefalteten Händen zusah . Martha war schon Mariens Wärterin im Rektorhause zu Ulfelden gewesen , war mit ihr zur Stadt gekommen und hatte sie nicht verlassen bis an ihren Tod . Da meine Wohnung drüben in Nr. elf zu beschränkt war , um die ganze kleine Welt dahin überzusiedeln , so hielt ich zuerst mit der Martha einen Rat , dessen Resultat war , daß ich meine Bücher , Herbarien , Pfeifen und unleserlichen Manuskripte nach Nr. sieben herüberholte , worauf Martha alles aufs beste einrichtete . Indem ich alle Liebe für die Eltern nun in dem Kinde konzentrierte , hoffte ich , auf den Trümmern des zusammengestürzten Glücks ein neues hervorblühen sehen zu können . Drüben blieb die Wohnung nicht lange leer ; mein dicker Freund , der Doktor Wimmer , zog ein und spielte eine geraume Zeit den Haupthelden und Faxenmacher der Sperlingsgasse . Am 5. Januar Elise ! - Sooft ich diesen Namen niederschreibe , klingt es wieder in der immer dunkler herabsinkenden Nacht meines Alters wie ein Kindermärchen , wie Lerchenjubel und Nachtigallenklage , umgaukelt es mich so duftig , so leicht , so elfenhaft ... Elise , Elise , komm zurück ! Sieh , ich bin alt und einsam ! Weißt du nicht , daß ich dich auf den Armen schaukelte , daß ich über dir wachte in langen Nächten , wie nur eine Mutter über ihrem Kinde wachen kann ? - Und aus weiter Ferne glaube ich oft eine zärtliche , wie Musik tönende Stimme zu vernehmen : Ich komme ! Ich komme ! Geduld , nur noch eine kurze Zeit ! Und ich warte und hoffe und fülle diese Blätter mit den Namen meines Kindes Elise . So tauche denn auf aus dem Dunkel , du Idyll , bringe mit dir deine Märchenwelt , dein Lächeln durch Tränen ! Komm , mein kleines Herz - aus den schweinsledernen Folianten lassen sich so hübsche Puppenstuben bauen ; schau einmal her , was für ein prächtiges Bett gibt mein Papierkorb ab für die Jungfern Anna , Laura , Josephine , und wie die kleiegefüllten Donnen sonst heißen ! Einen niedlichen , goldgelben Kanarienvogel schenke ich dir , wenn du nicht weinen willst und hübsch herzhaft den Löffel voll brauner Medizin herunterschluckst ! - Weine nicht , Liebchen , sieh , wie der Efeu aus deiner Mutter Heimatswalde Blättchen an Blättchen ansetzt und immer höher an der Fensterwand sich emporrankt . Schau , wie der Sonnenschein hindurchzittert und auf dem Fußboden tanzt und flimmert ; es ist wie im grünen Wald - Sonnenschein und blauer Himmel ! Du mußt aber auch lächeln ! Und wie der Efeu höher und höher emporsteigt , so wächst auch du , mein kleines Lieb ; schon umgeben ebenso feine lichtbraune Locken , wie die auf jenem Bilde , dein Köpfchen . Wer hat dich gelehrt , dieses Köpfchen so hinüberhängen zu lassen nach der linken Seite , wie sie es tat ? Schüttle die Locken nicht so und gucke mich nicht so schelmisch an aus deinen großen , glänzenden Augen ! Soll das ein R sein , dieses Ungetüm ? Oh , welch ein Klecks , Schriftstellerin ! Welche Dintenverschwendung von den Händen bis auf die Nasenspitze ! Wie wird die alte Martha waschen müssen ! Du sagst , du habest nun genug Buchstaben gemalt , du müssest jetzt hinunter in die Gasse ; du meinst , sogar die Fliegen hielten es nicht mehr aus in der Stube , du sähest wohl , wie sie mit den Köpfen gegen die Scheiben stießen ? ! Nun so lauf und fall nicht , Wildfang ; ich sehe ein , wir müssen dich doch wohl zu dem Herrn Roder in die Schule schicken , damit du das Stillsitzen lernst . Was ist das auf einmal für ein helles Stimmchen , welches drüben aus dem Fenster meiner alten Wohnung in Nr. elf ruft : » Onkel Wachholder , Onkel Wachholder ! Ausgehen , ausgehen ! « Quält die kleine Hexe nicht schon wieder den Doktor der Philosophie Heinrich Wimmer , der da drüben seine guten Leitartikel und schlechten Romane schreibt ? Wirklich , es ist so . Eine Baßstimme brummt herüber : » Wachholder , ' s ist ' ne absolute Unmöglichkeit , bei dem Heidenlärm , den Euer Mädchen hier mit dem Buchdruckerjungen und dem Rezensenten - ( Rezensent heißt der Hund des Doktors , ein ehrbarer schwarzer Pudel ) - treibt , weiterzuschreiben . Ich bin mitten in einer der sentimentalsten Phrasen abgeschnappt - die kleine Range ist aus Rand und Band , und dabei grinst der Himmel Fritze im Winkel und will Manuskript für die morgende Nummer . « » Schicken Sie doch das Mädchen fort , Doktor , und riegeln Sie Ihren Musentempel hinter ihr zu ! « lache ich hinüber . » Dummes Zeug « , brummt der Doktor , der eine echte zeitungsschreibende Bummelnatur ist und dem die Störung durchaus nicht mißfällt . » Dummes Zeug ; ich schreibe Fortsetzung folgt , und wir führen die Dirne in Schreiers Hunde- und Affenkomödie ; der Rezensent hat ' s auch nötig , daß seine ästhetische Bildung aufgefrischt werde , wie ein Pack verflucht sonderbar riechender Zeitungsnummern in der Ecke zur Genüge beweist . Machen Sie sich fertig , Verehrtester ! « Damit verschwindet der Doktor vom Fenster ; ich höre drüben auf der Treppe ein Getrappel kleiner Füßchen , und Liese erscheint , begleitet vom Rezensenten , in der Haustür . Mit einem Satz ist sie über die Gasse , ebenso schnell bei mir und im Handumdrehen fertig , wenn ' s