Scherz wie von einem Stammsitz seiner Familie sprach . Bei dem kurzen Besuche , den du gerade beim Tode des Vaters in Angerode machtest , wirst du dich des alten verfallenen Nebengebäudes an dem Tempelhause erinnern - Das ganze Gebäude , ergänzte Siegbert , regte mich immer auf ' s lebendigste an . Das Tempelhaus zu Angerode ist einer der schönsten Reste des Mittelalters . Die herrliche Façade mit den symmetrisch geordneten Doppelfenstern , deren zwei immer ein Spitzbogen vereinigt , die beiden Giebel , ganz erinnernd an das alte , restaurirte Haus des Martin Behaim in Nürnberg , und selbst der Anbau , den man nicht zur Pfarrwohnung geschlagen hatte , obgleich verfallen und in gedrücktern Formen gehalten , doch gar lauschig und traulich . Dieser Anbau gehörte so unzweifelhaft zu dem Ensemble dieser ehrwürdigen alten Niederlassung , daß ich mich freute , zu hören , wie nun auch diese Räume bestimmt sind , mit der Wohnung des künftigen Oberpfarrers und dem Schulhause verbunden zu werden . Und gerade in dem Augenblicke , ergänzte Dankmar , wo diese Übergabe erfolgte , kam ich nach Angerode . Man wollte der Mutter erst ihren einjährigen Witwensitz im Hause streitig machen , es wurde mir leicht , ihr Recht bei der Stadt durchzuführen . Schwieriger war es , ihr auch die Nutznießung des Anbaus zu sichern . Sie selbst verzichtete darauf . Du weißt , wie wenig sie bedarf . Aber ich wollte vom Rechte nichts vergeben sehen und bestand darauf , daß ihr auch diese jetzt freien Räume zur Verfügung gestellt wurden . Es war das Archiv und die Bibliothek des ehemaligen Tempelhauses , spätern Johanniterhofes . Das war ein Hetzen mit den Gerbern und Seifensiedern der Stadt ! Die Einen wollten in dem alten Gemäuer ihre Felle aufbewahren , die Andern ihre Lichtdochte . Auch die Regierung kam und reclamirte den Ort zum Besten der wollenen Socken und leinenen Kostbeutel des Militairs . Aber ich trat als Advocat auf . Ich sagte ihnen : Diese Stadt Angerode hatte einst die Ehre , der Sitz eines reichen und mächtigen geistlichen Ritterhofes zu sein . Der Orden hat die Wohlfahrt der Stadt begründet . Als er in Folge der Reformation sich auflöste , wurde bestimmt , daß seine sämmtlichen Besitzthümer in Angerode an die Pfarrei der St.-Johanniskirche übergingen . Mit dem Tempelhause selbst geschah Dies . Eure Pfarrer konnten in den kalten großen Räumen mit den steinernen Fußböden , die nur für Ritter bestimmt waren , alle eines frühen Todes an Gicht und Rheumatismus sterben , aber den Anbau nahmt ihr zu diesem und jenem profanen Zwecke . Aus dem alten Archiv und der Bibliothek machtet Ihr das Unwürdigste ! Gott sei Dank ! Jetzt ist der Fleisch- und Mehloctroi daraus vertrieben , denn Ihr Angeroder habt dem Staat den Mehl- und Schlachtzins durch directe Steuern abgekauft . Nun falle dieser Raum an Die , denen er gehört , an Eure Seelsorger oder deren Witwen ! So sprach ich und ich hätt ' es doch ohne Proceß nicht durchgebracht , wenn sich nicht politische Freunde gefunden hätten , die die Sache ordentlich nach einem Princip auffaßten . Wie Das möglich war , weiß ich noch bis zur Stunde nicht ; aber die Anbaufrage wurde Tendenzfrage , man machte einen Antrag bei den Stadtverordneten , und weil man Aufregung bei dem jüngern Theile der Bevölkerung und der mir rasch zugethanen arbeitenden Classe fürchtete , so hatten wir die Majorität , und die neuen Gelasse fielen nicht an die reichen Gerber und Seifensieder , nicht an die Regierung , sondern an die Geistlichkeit und deren Angehörige . Eine seltene Ausnahme in diesen Tagen , bemerkte Siegbert , wo dieser Stand eher herauszugeben als zu gewinnen gewohnt ist . Der Stand that da nichts , fuhr Dankmar fort , das Recht und meine Popularität entschied . Den alten angeroder Lyceisten kannten Alle , feierten Alle . Das Gefühl , mit dem die große eisenbeschlagene Eichenthür , die von unserm Schlafzimmer in den Anbau führt , von mir feierlich geöffnet wurde , entlockte der Mutter einen unwillkürlichen Seufzer , denn gerade da hatte das Sterbebett des Vaters gestanden . Da war er in deinen Armen gestorben , Siegbert , du kennst die Stelle . Die Thür krachte in ihren Angeln . Seit drei Jahrhunderten war sie nicht geöffnet worden . Der alte verrostete Schlüssel lag so lange auf dem Rathhause ! Ein Schlosser hatte einen ganzen Tag daran zu putzen , ihn nur einigermaßen wieder brauchbar zu machen . Der Gewinn an Räumlichkeiten war nicht gering , aber da sie im verwildertsten Zustande sich fanden , konnte man sie jetzt schon zur Wohnung unmöglich herüberziehen . Da lagen die Acten der Mahl- und Schlachtsteuerschreiberei in Haufen aufgethürmt . Eine Auction erst entfernte sie . Von der Verbindungsthür stieg man einige Stufen hernieder und befand sich dann auf einem Gange , der mit Bildern alter Heiligen geschmückt war . Ob Boisserée daraus etwas herausfinden würde , was abgewaschen und mit Lack frisch überzogen an einen König von Baiern als altdeutsche Schule sich verkaufen ließe , weiß ich nicht . Dünnbeinig genug sahen die Kriegsknechte und die heiligen drei Könige vom Morgenlande aus , die man da auf Holz geklext hatte - Still ! Still , Dankmar ! Deine Frivolität wird bestraft , unterbrach Siegbert den Bruder , Kathrine hemmt deinen Redefluß und zwingt dir eine unwillkürliche Pause auf . Dankmar sah sich um . Kathrine brachte den Salat und ihr schnittlauchduftendes Backwerk . Selbstzufrieden trug sie das gelbe Erzeugniß ihrer Kunst . Die süßesten Kindheitserinnerungen gingen den Brüdern auf . Siegbert hätte sie gern gleich ausgesprochen , aber Kathrine fiel ihm ins Wort und sagte plötzlich mit trauriger Stimme : Eigentlich sollt ' ich gar nicht vergnügt sein , Sie so bedienen zu können . Lieber Gott , es vergeht doch kein Tag , wo nicht was Schlimmes kommt ! Auf eine Freude immer zehn mal ein Unglück . Was ist denn , Kathrine ? fragten die