seinen Platz auf dem Eckstein ein : das Fenster Lydias war dunkel ; - dagegen strahlten die andern beiden , später erhellten Fenster einen durch keine Rouleaux gebrochenen Glanz ihm entgegen . - Jetzt trat eine männliche Gestalt an das Fenster . Da fuhr es ihm wie ein Dolchstich durch die Seele und er fühlte zum ersten Male den schmerzhaften Stachel der Eifersucht in seinem Herzen , das in diesem Augenblicke seine Unbefangenheit für immer verloren . - Fürst Lichninsky - flüsterte halb träumerisch der arme Knabe , indem er drohend die Hand gegen den Himmel erhob : - Fürst Lichninsky , Sie stehen mir im Wege . - Folgen wir nun dem Fürsten zu Alicen . Rasch stieg er die Treppen hinan und war wenige Sekunden darauf bei Alicen . Der Fürst stellte den Hut aufs Fenstergesims und warf mit jener graziösen Nachlässigkeit , die nur bei wirklich aristokratischen Naturen nicht affectirt erscheint , seine Handschuhe hinein . - Ich habe Sie also verstanden - sagte er mit gleichgültigem Tone - Sie erwarteten mich . - Freilich , ich erwartete Sie und nun will ich Ihnen vor allen Dingen Aufklärung darüber geben , was heute oder vielmehr gestern Abend Sie zu jenem absonderlichen Mißverständnisse verleitete , als würden wir belauscht . Der Fürst erwiederte nichts . Er rückte einen Stuhl an den Tisch , hinter welchem Alice auf dem Sopha saß und blätterte in einem Reisealbum , das sie auf allen ihren Streifzügen mit sich führte und mit ihren Erinnerungen bereicherte . - Sie scheinen nicht begierig darauf - fuhr Alice mit gereiztem Tone fort , froh darüber , einen Grund zum Streit gefunden zu haben , der sie vielleicht der Nothwendigkeit einer solchen » Aufklärung « - überheben könnte . - Schweigen wir also davon , wenn Sie es so wünschen . - Ich wünsche es nicht - sagte lakonisch der Fürst . Alice glaubte sich durchschaut und erröthete unwillkührlich . Sie mußte zu einer andern Taktik ihre Zuflucht nehmen , das fühlte sie wohl . - Sie setzte der Einsylbigkeit des Mißtrauens die Einsylbigkeit des Stolzes entgegen . - Was wünschen Sie also , Durchlaucht ? - fragte sie fast hochmüthig . Der Fürst blickte empor : - Sie haben gewünscht , gnädige Frau - erwiederte er mit derselben hochmüthigen Kälte - daß ich um diese Zeit hier mich einfinden solle , wenn ich Sie richtig verstanden . Nun denn , ich bin hier , auf Ihren Wunsch nämlich . Es könnte demnach auffallend scheinen , daß jetzt , wo ich Ihrem Wunsche gehorsam , mich eingestellt , Sie mich fragen , was ich wünsche . - Der Fürst erhob sich . - Das Umgekehrte wäre naturgemäßer , sollte ich meinen . Indessen war ich zu bescheiden , um eine solche , gegen alle gute Lebensart sündigende , Frage an Sie zu richten . Ich wartete ab : voilà tout . - Der Fürst warf seinen Mantel über die Schultern . Alice erbleichte , als sie sah , daß der Fürst entweder wirklich beleidigt war oder den Beleidigten spielte . In beiden Fällen war er gegen sie im Vortheil ; aber ihr Benehmen mußte für jeden der beiden Fälle ein durchaus verschiedenes sein . Schnell wie sie die Nothwendigkeit dieser Unterscheidung erkannte , beantwortete sie sich auch die Frage , ob die kalte Gereiztheit des Fürsten nur eine Maske war , vermittelst deren er über sie zu triumphiren versuchen wollte , oder ob er diesmal wirklich beleidigt war . Im ersten Falle konnte sie es wagen , Trotz dem Trotzigen zu bieten , denn sie war sich ihrer größeren Consequenz bewußt ; im andern Falle war ihre Lage schwieriger ; und - sie konnte es sich nicht abläugnen , daß sie sich in dieser schwierigen Lage wirklich befand . - Der Fürst ergriff seinen Hut und steckte die Handschuhe in die Rocktasche . - Vielleicht wird der Leser lachen , wenn wir ihm mittheilen , daß in diesem einzigen Umstande , daß der Fürst die Handschuhe in die Tasche steckte , Alice die Ueberzeugung gewann , der Fürst sei ernstlich erzürnt auf sie . Er hätte sie sicher - so reflektirte sie - mit hastiger Langsamkeit angezogen , um für sich Zeit zu gewinnen und ihr zu lassen . Ihr Operationsplan war gefaßt . Sie schwieg und lehnte sich , die Hand über die Augen haltend - als blendete sie das Licht , - in das Sopha zurück . Ihr ganzes Wesen nahm den lebendigen Ausdruck einer aus Mißkennung stammenden Resignation an . - Der Fürst war zum Abschiednehmen fertig . Er stand vor ihr , erwartend , daß sie sich emporrichten würde . Aber sie reichte ihm - ohne ihre Stellung zu verändern - die linke Hand und sagte mit leiser Stimme , als fürchte sie durch lauteres Sprechen ihre Bewegung zu verrathen : - Leben Sie wohl , Felix ! - Es lag ein solcher Zauber in diesem Ton , daß des Fürsten Zorn schon halb gebrochen war . Er hielt ihre kleine zierliche Hand noch in der seinigen , schwankend , was er sagen , was er thun solle . Jetzt überflog sein Auge die vor ihm liegende reizende Gestalt , welche durch ein schneeweißes , leichtes Negligee noch mehr gehoben , einen verführerischen Anblick darbot . - Alice - sagte sanft der Fürst , indem er ihre Hand nach einem leisen Drucke fahren ließ . Alice ließ ihre Rechte von der Stirn gleiten . Zwei große Thränen glänzten in ihren Augen . Sie blickte ihn durch dieselben mit unaussprechlicher Traurigkeit an . Jetzt war es um des Fürsten Kälte geschehen . Er warf Hut und Mantel weit von sich und kniete vor Alicen nieder , ihren schlanken Körper umfassend und an seine Brust drückend . Sie beugte sich über ihn und drückte einen Kuß in sein schwarzes reiches Haar . - Du hast mir wehe gethan , Felix - sagte sie mit demselben sanften Tone der Resignation . - Verzeihung Alice - -