als wollte sie der Gefahr entfliehen , und es war ihr , als ob sie hinter sich leise Fußtritte hörte . Geängstigt beflügelte sie ihren Schritt , dem Schlafgemach zu . 8 Mitternacht war vorüber . - Madame Oburns Gemach war ganz von frischem , würzigem Dufte durchdrungen , den es , aus tausend Blumenkelchen , nach dem Gewitterregen eingeschlürft hatte durch die offenen Fenster . Es wurde erhellt durch eine weiße Alabaster-Ampel , die zwischen den faltigen , durchsichtigen Vorhängen des Himmelbettes hing , das auf bronzenen Füßen ruh ' te . Das trauliche Helldüster , die üppigen , bunten Fußteppiche , eine kleine Orangerie , die auf zierlichen Blumentischen am Fenster stand , und nur einzelne , große Silberflecken des anschwellenden Mondlichtes auf den Fußboden durchfallen ließ : alles das gab dem Zimmer einen so malerischen Anstrich , daß die hohe dunkle Gestalt , welche so eben die Thüre öffnete , und dann fest hinter sich verschloß , eine Zeitlang wie festgebannt dastand , und hochaufathmend die Blicke umherschweifen ließ . Es war der Prinz C * * , in ein feines , etwas phantastisches Negligée gekleidet . Leichte mit Gold gestickte Stiefel von weißem Sammet machten sein Auftreten fast unhörbar . Weite , orientalische Beinkleider von rosenrother Seide , und ein faltiger kurzer Rock von dem selben Stoff bildeten die übrige Bekleidung . Ein weißer , schöner Männerhals , von dichtem schwarzem Bart beschattet , stieg aus dem zurückgeschlagenen Battist-Hemdkragen hervor , und machte der Weiße einer schöngeformten Hand , an der es von werthvollen Steinen blitzte , den Preis streitig . Eine fieberhafte Glut hatte sich auf seinen Schläfen gelagert , und mit jedem Schritte , den er vorwärts that , fing sein Herz lauter an zu schlagen . Von einem tiefen gesunden Schlaf leise geröthet , lag die junge Frau auf ihrem Bette , dessen leichte , roth seidene Decke sich gesträubt zu haben schien , die vollen , reizenden Formen ganz zu verhüllen . Sie lag dem Zimmer zugewandt , die Hände auf dem Busen gefaltet . Ein süßer Traum schien im Vorüberschweben sich in dem seligen Lächeln ihres Mundes gefangen zu haben . In dem ganzen , zauberhaft wirkenden Bilde lag nichts Ueppiges , nichts Kokettes . Keine herabwallenden Locken , keine entblößte Schulter . Aber das Nachthäubchen , welches die aufgewickelten Haare barg , umschloß mit seinem Rahmen von feinen , Brüsseler Kanten ein so liebliches Madonnenantlitz , zwei übereinandergeschlagene Füßchen sahen am Ende des Bettes so unschuldig aus den weißen Leinen hervor , daß dies ganze reizende Bild mehr zur Andacht einlud , als zu wilder Begierde . Dem Prinzen aber , dem jede höhere Regung fern lag , weil er nur eine Liebe kannte , die dem Schimmer des Goldes feil war oder der Eitelkeit zum Opfer fiel - zog es mit stets wachsender Gewalt zu dem Bette der schönen Frau . Zitternd vor Aufregung , gepreßt und heißathmend war er nur noch einen Schritt von der Schläferinn entfernt . Leise ließ er sich auf ein Knie nieder , hob , noch unschlüssig über seinen Angriff , die Decke in die Höhe , und küßte den rosigen Fuß der Madame Oburn . Das aufwallende Blut röthete seine Augen . Einen Augenblick verweilte er , halb betäubt von so vollendeter Schönheit ; dann plötzlich , mit den Zähnen knirschend , stürzte er mit den Worten : » Weib , Du mußt mir gehören ! « über sie , schloß ihren Mund fest durch den seinigen , so daß sie nur einen schwachen Laut von sich zu geben vermochte , zerriß mit gewaltiger Kraft ihr Nachtgewand , und schleuderte es mit der Decke weit in das Zimmer hinein . Madame Oburn hatte ihn erkannt ; doch trotz der gewaltigsten Anstrengungen war es ihr unmöglich , sich loszuwinden ; sie fühlte sich einer Ohnmacht nahe , als der Prinz , der ihre allmählige Abspannung für ein Zeichen der Nachgiebigkeit hielt , das Haupt emporhob , um etwas zu sprechen . Diesen Augenblick benutzend , stieß die Oburn einen Schrei aus , der seine Wirkung nicht verfehlte . Man hörte eine Fensterscheibe klirren , sah eine kräftige Männerfaust durch die Oeffnung hindurch , nach dem Fensterriegel langen , während der Prinz , durch den Lärm aus seinem Taumel geweckt , aufsprang , und regungslos dastand ; die Oburn aber alles , was sie von Leinenzeug und Gardinen zusammenraffen konnte , um sich zog , damit zur Thüre hinstürzte , wo die Klingel für ihre Dienerschaft hing , heftig schellte , und dann ohnmächtig niedersank . In diesem Augenblick sprang Herr von Stein - denn er war es , der die ganze Nacht hindurch unter dem Fenster der von ihm so hochgeehrten Frau zugebracht - in das Zimmer , und stand , bleich vor Wuth , mit funkelnden Augen , vor dem Prinzen , der nicht mehr wußte , was um ihn vorging . Die Worte des Barons , voll heftigster Beleidigung , brachten ihn endlich wieder zur Besinnung . Er , der mit dem Bewußtsein eines ertappten Schulknaben , dem Baron gegenüberstand , schien plötzlich einen raschen Entschluß zu fassen , und sprach in spöttischem Ton : » Es thut mir leid , lieber Baron , Ihnen hier zuvorgekommen zu sein , « und ging auf die Thüre zu , vor welcher man schon die Tritte der nahenden Dienerschaft hörte . Seine Absicht war augenscheinlich , wenigstens den guten Ruf der Oburn zu vernichten . Die Dienerschaft kannte ihn nicht - und wäre auch seine Anwesenheit im Zimmer dieser Dame bekannt geworden , so hätte doch Niemand vorausgesetzt , daß der schöne geistreiche Mann hier Widerstand gefunden . Im schlimmsten Fall ließ sich die Geschichte mit einem geringen Aufwand von Escamotage drehen , indem man das Gerücht verbreitete , daß der Prinz die Madame Oburn vor den Zudringlichkeiten des Herrn von Stein gerettet . Natürlich wäre es hier wiederum allen einleuchtend gewesen , daß der Prinz nicht unbelohnt einen solchen Ritterdienst geleistet . Stein