zu verbergen strebt - er ist der edelste Mann , den ich kenne . « Während die Blumenfabrikantin so sprach , spielte das Kind noch immer mit Elisabeths Fingern unter dem seidnen Handschuh , und diese sagte jetzt zu jener leise : » Ich mögte Etwas mit Ihnen allein reden , vor Allem darf es das Kind nicht hören . « Letzteres war bald entfernt , und Elisabeth nahm Henriettens Hand und sagte : » Darf ich auf Ihre Verschwiegenheit rechnen ? Ich bin beauftragt , diese Kleinigkeit an Doctor Thalheim gelangen zu lassen - aber ich wußte nicht , wie ich es anfangen sollte , um ihn nicht zu beleidigen , und zugleich auch zu dessen Annahme zu vermögen . Sagen Sie ihm , daß es aus der Hand des Reichthums kommt , die sich am Fröhlichsten öffnet , wo sie es für Nothleidende kann , daß man es für seine Gattin bestimmt , daß es die Dankbarkeit sendet - sagen Sie ihm Alles , wodurch Sie ihn bewegen können , es nicht zurückzuweisen , aber verschweigen Sie ihm , daß man mich als erste Mittelsperson gewählt hat - wenn Sie mich kennen sollten - verschweigen Sie überhaupt , daß es ein Mädchen Ihnen übergeben hat - wenn Sie es nicht verschweigen , « fuhr sie mit ängstlicher Stimme fort , » könnte es leicht traurige Folgen für die Personen haben , welche Thalheims beste Freunde sind - « mit diesen Worten gab sie an Henriette ein Couvert , welches eine Banknote von 50 Thalern enthielt , und empfing dafür das feierlichste Versprechen , sowohl der pünktlichsten Abgabe , als des strengsten Schweigens . Als Elisabeth an der Vorhausthüre , welche ihr Henriette öffnete , eben den letzten Knix empfing , öffnete sich auch die entgegengesetzte Thüre . Eine Scene anderer Art hatte unterdeß in dem Zimmer Statt gehabt , zu welchem diese Thüre führte . Es war eben vier Uhr vorüber , als Graf Jaromir von Szariny an Thalheims Thüre schellte . Er öffnete selbst . Sie standen sich gegenüber . Sie standen sich gegenüber , Jaromir , dem die Braut , Thalheim , dem die Gattin untreu geworden - und Braut und Gattin waren eine Person . » Man hat mich hierher beschieden - « sagte Jaromir . » Es war Amaliens Wille , « antwortete Thalheim . » Sind Sie Amaliens Gatte , und kamen die Zeilen , die ich diesen Morgen erhielt , von Ihrer Hand ? - Nur dann habe ich das Recht , hier zu erscheinen . « » Ich bin Thalheim - Sie werden unser Zusammentreffen hier seltsam finden , aber der Wille einer Sterbenden war mir heilig . Sie wartet jetzt auf uns mit Ungeduld , und deßhalb muß unsere Unterredung hier kurz sein . Es wird später Zeit sein zu einer nähern Erklärung . Amalie meint , nicht eher sterben zu können , bis sie Ihre Vergebung für ergangenes Unrecht und Weh erlangt hat . - Sie werden sie ihr nicht verweigern . Sie haben sich hier wiedergesehen - « » Wiedergesehen ? « fragte Jaromir , Thalheim unterbrechend , » ich habe gar nicht gewußt , daß sie hier ist . - « Thalheim sagte , mit einem langen Blick auf den Grafen : » Sie hat Ihnen eine Rose mit einem Zettel zugeworfen , als Sie unter ihren Fenstern weilten - « » Unter ihren Fenstern - die Rose kam von Amalien ? « rief Jaromir , immer verwunderter und bestürzter . » Wahrhaftig , der Zufall treibt ein närrisch Spiel mit mir ! « und ein bittres und schmerzliches Lächeln zuckte dabei um seinen Mund . Thalheim starrte ihn verwundert an - auch um seinen Mund zuckte ein bittres Lachen - er verstand jetzt Alles : der Graf hatte Amalien längst vergessen , und nicht um ihret Willen sah er leidend aus , nicht um ihret Willen war er in diese Stadt gekommen - aus andern zarten Händen hatte er gehofft , Rosen und geschriebene Worte zu empfangen , als aus ihren - es war der Selbstbetrug der Liebe , welcher Amaliens Herz und Sinne gefangen genommen . So sagte er jetzt sehr ernst , beinah feierlich zu Jaromir : » Herr Graf , Amalie glaubt sich von Ihnen noch geliebt - schonen Sie die Sterbende , ohne sie zu täuschen - vergeben Sie ihr als ein milder , mitleidiger Richter . « Er trat jetzt aus dem Vorsaal , in dem beide leise diese Unterredung geführt , in das Zimmer , in welchem Amalie angekleidet auf dem Bette lag , und sagte zu ihr mild : » Bist Du stark genug , Szariny zu empfangen ? Er wartet draußen . « » Ich hörte seine Stimme längst , warum läßt Du ihn warten ? « rief sie ungeduldig . Szariny trat ein . Welch ein Wiedersehen ! Er ein glücklicher , lebensfroher und lebensfrischer Jüngling , Sie ein glückliches , blühendes Mädchen - beide glücklich allein durch die zärtliche Liebe , in welcher sie für einander schwärmten und glühten - so hatten sie einst einander verlassen mit den heiligsten Liebesschwüren . Vier Jahre waren seitdem vergangen . Jetzt sahen sie sich wieder . Sie hatte ihn wieder erkannt , denn sie liebte ihn noch , und das liebende Frauenherz findet aus Tausenden den wieder heraus , dem es in ' Liebe schlägt - und trotz der Macht der Jahre , jedes äußeren Einflusses den Gemüthsbewegungen und Leidenschaften , äußere und innere Leiden , ja selbst Lebensverhältnisse und Tracht auf eine Menschengestalt und ein Antlitz ausüben . So hatte sie ihn erkannt . Aber hätte man ihm nicht gesagt , diese bleiche Kranke sei Amalie - er hätte es nimmer geglaubt . Vielleicht hatten die innern , steten Kämpfe Amaliens - dieses stete Ringen in einem zuckenden Herzen , das es sich selbst nicht einmal wissen lassen will , wie es stündlich kämpft - dieses Ringen , das vielleicht nur die Frau mit seinen ganzen gräßlichen Qualen