starb , als Eva achtzehn Jahre alt war . Die Mutter verkaufte die Besitzungen und zog mit Eva in die nächste Stadt , und die kleine junge Wittwe sah sich so von allen Männern umschwärmt , daß sie wohl ein wenig übermüthig geworden sein mag . In Zerstreuungen und Huldigungen jeder Art lebte sie fröhlich fort , bis vor sechs Monaten ihre Mutter starb . Seitdem wohnt sie , nach dem Wunsch der Verstorbenen , in unserer Nähe und Julian ist zu ihrem Vormunde ernannt . Sie ist uns sehr lieb geworden und wird auch Ihnen gefallen , wenn Sie hinter dem flüchtigen Wesen einen tüchtigen Verstand und das offenste Herz entdecken werden . Unter diesen und andern Gesprächen verging die Zeit während der Mahlzeit schnell , man stand auf und der Präsident fragte seine Schwester , welche Entwürfe sie für den Abend gemacht habe ? Ich habe noch Einiges im Hause zu schaffen , sagte Therese , um erst wieder in die gewohnte Ordnung zu kommen . Ist das beendet , dann will ich ganz still ausruhen . So wirst Du mich nicht vermissen , falls ich vielleicht später nach Hause komme . Ich werde mit Reichenbach den Abend zubringen . Darauf trennte man sich , nachdem Alfred auf Julian ' s wiederholte Anfrage es abgelehnt hatte , ihn zu begleiten , weil er noch für einige Stunden Geschäfte habe , die er abzumachen wünschte . Therese ging nach der Entfernung der Beiden an ihre Arbeiten , aber unaufhörlich dachte sie dabei an Alfred ' s Worte : Nein ! weil er ihr fehlt ! - Ob Alfred ' s Ehe nicht glücklich ist ? fragte sie sich und wünschte den Morgen herbei , um von dem Bruder Auskunft über diese Angelegenheit zu erhalten , die sie lebhaft beschäftigte . VI Abends um die neunte Stunde ging der Präsident in ein stattliches Haus der .... Straße , stieg zwei Treppen hinauf , öffnete mit einem Schlüssel , den er mit sich hatte , einen geschlossenen Corridor und trat bald darauf , ohne anzuklopfen , in ein kostbar eingerichtetes Zimmer . Ein junger Mann in altfranzösischer Tracht stand am Fenster und sah auf die Straße hinaus . Bei Julian ' s Eintritt wendete Jener sich plötzlich um und stürzte mit einem Jubelruf ihm entgegen und in seine Arme . Es war Sophie Harcourt , die den Geliebten empfing . Er war zu ihr gekommen , mit dem festen Vorsatz , ihr ernste Vorwürfe zu machen , weil sie gleich am Morgen seiner Ankunft von derselben unterrichtet gewesen , also nach ihm gefragt , ihn ausgespäht haben mußte . Jetzt , als er sie sah , dachte er nicht mehr daran , sondern zog sie mit sich auf das Sopha und fragte : Hast Du doch spielen müssen heute Abend ? Du bist ja im Costüme . Ich erwartete Dich schon lange , antwortete sie , und um nicht zu empfinden , wie lange , probirte ich das Costüm an , in dem ich in der nächsten Woche auftreten will . Kokette ! sagte scheltend Julian , während er sie auf seine Knie nahm und ihre feine Hand , die aus den breiten Spitzenmanschetten zierlich hervorsah , auf seine Augen drückte . Kokette ! Du wußtest wohl , wie reizend Du bist in dieser Männertracht , in der ich Dich zuerst sah . Du wußtest , daß ich Dir Vorwürfe machen würde , und wolltest mich bestechen . Aber ich sehe Dich nicht an ! mit Deinen eigenen Händen halte ich mir die Augen zu . Glücklicherweise ist der Mund frei ! rief sie , indem sie einen Kuß auf Julian ' s Lippen drückte , den er mit vielen andern erwiderte . Dann machte sie sich los und sagte : Du zerdrückst mir den schönen Sammetrock und hast doch noch gar nicht gesehen , wie er mich kleidet , so roh und wild bist Du gleich mit Deiner Zärtlichkeit über mich hergefallen . Sieh mich an , mein Freund , wie gefalle ich Dir ? Sie fing nun an im Zimmer umherzugehen , sich in mancherlei Stellungen bald vor dem Spiegel , bald vor Julian zu bewegen , und man konnte in der That kaum höhern Liebreiz finden . Sie war groß , schlank und kräftig gebaut , ohne große Fülle zu haben . Die Männerkleidung stand ihr vortrefflich und die schwarzen Augen sahen blitzend und zärtlich unter der gepuderten Perrücke hervor . Der Präsident betrachtete sie mit Entzücken . Dessen war sie sich deutlich bewußt , und auf ihren Reiz vertrauend , warf sie den kleinen Stahldegen , mit dem sie Fechtübungen gemacht hatte , von sich , setzte sich dicht neben den Geliebten , schmiegte sich an ihn und fragte : Julian ! Warum hast Du mir nicht ein einziges Mal geschrieben ? Warum hast Du mich nicht wissen lassen , wann Du wiederkommen würdest ? Ich habe vor Ungeduld fast täglich in Dein Haus geschickt . Diese Frage erinnerte den Präsidenten , daß er sich über seine schöne Freundin zu beklagen habe , und die Gelegenheit benutzend , sagte er : Weil ich die Absicht hatte , gar nicht wiederzukommen , weil Dein Spioniren und Nachfragen mir unerträglich ist . Gleich heute wieder ! Wie oft habe ich Dir verboten , Deinen Diener zu mir zu schicken , wie oft Dir gesagt : schreibe nicht auf dem närrischen , bunten Papier , das auf zehn Schritte ein billet doux verräth ! Nun thust Du gleich das Alles auf einmal . Erspähst , natürlich durch Bestechung meiner Leute , wann ich zurückkehre , schickst den baumhohen Diener in mein Haus und schreibst auf bunt bemaltem Papier , damit vom Kutscher bis zur Küchenmagd Jeder errathen kann , von wem die Botschaft kommt . Du bist unerträglich indiscret . - Nimm die Perrücke ab , der Puderstaub belästigt mich . Sie that augenblicklich , wie er verlangte , und sagte dann : Indiscret nennst Du mich , wenn ich