eingebunden und Schlözer , und Herders » Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit « sind mir wenigstens hundertmal unterm Falzbein gewesen , und jetzt binde ich Ranke viel ein - ich sage Ihnen , die Männer schrieben so schöne dicke Bücher , und so viele Noten und Zitate stehen in den Büchern , daß man sieht , wie die Verfasser sich ' s haben sauer werden lassen mit der Philosophie und der Geschichte - ich sage Ihnen , es ist rein unmöglich , daß man auf 305 Seiten , wie Karl Gutzkow getan , den Gott , und die Revolutionen und den Teufel und seine Großmutter in der Geschichte abhandeln kann . Aber das ist auch gar nicht seine Absicht gewesen , wie sich aus dem Vorworte ergibt , welches ich lesen mußte , weil ich einen Karton einzulegen hatte . Denn darin sagt der Autor , er habe keine andere Quellen zur » Philosophie der Geschichte « benutzen können , als höchstens einige an die Wand gekritzelte Verwünschungen der Langenweile , oder einige in die Fensterscheiben geschnittne Wahlsprüche zahlloser unbekannter Namensinschriften . Wenn er nun das Buch , was er vermutlich auch nur schrieb , um sich die Langeweile zu vertreiben , dennoch herausgab , so konnte das nur in der einzigen Absicht geschehen , Memoiren über seine schlechten und mangelhaftigen Studien zu liefern , und der Titel , wie ich ihn mit goldenen Lettern setzte , ist ganz richtig , nämlich : » Zur Philosophie der Geschichte von Karl Gutzkow « . Warum ich aber die letzten Kapitel Ihres Buches zu den ersten machte , das sollen Sie auch gleich vernehmen . Sie hatten die Münchhausenschen Geschichten wieder so schlicht angefangen , wie Ihre Manier ist : » In der deutschen Landschaft , worin ehemals das mächtige Fürstentum Hechelkram lag , erhebt sich eine Hochebene « usw. , hatten dann von dem Schlosse und seinen Bewohnern berichtet , und waren endlich nach und nach auf den Helden dieser Erzählungen gekommen . Ew . Wohlgeboren , dieser Stylus mochte zu Cervantes ' Zeiten gut und ersprießlich sein , wo die Leser so sacht und gelind in eine Erzählung hineinkommen wollten , wie in eine Zaubergrotte , von der die Märlein singen , daß eine schöne Elfe davor sitzt , und den Ritter mit wunderleisen Klängen in die karfunkelleuchtenden Klüfte lockt . Sie stößt auch nicht in die Trompete , oder bläst die Baßposaune , oder macht Pizzicato , sondern sie hat eine kleine goldne Laute im Arm ; aus deren Saiten quellen unschuldige , naive Töne , wie harmlose Kinder , die um den Ritter Blumenfesseln schlingen , und eh ' er sich ' s versieht , ist er umsponnen und durch den Grotteneingang gezogen , und steht mitten in dem Reiche der Wunder , bevor er nur gemerkt hat , daß er aus der Welt da draußen hinweggegangen ist . Aber heutzutage paßt die Magie eines solchen süßfesselnden Stils gar nicht mehr . Ew . Wohlgeboren , heutzutage müssen Sie noch mehr tun , als die Baßposaune blasen . Sie müssen den Tam-Tam schlagen , und die Ratschen in Bewegung setzen , womit man in den Schlachtmusiken das Kleingewehrfeuer macht , oder falsche Quinten greifen , oder vor die Dissonanz die Konsonanz schieben , wenn Sie die Leute » packen « wollen , wie es genannt wird . Ew . Wohlgeboren , die ordentliche Schreibart ist aus der Mode . Ein jeder Autor , der etwas vor sich bringen will , muß sich auf die unordentliche verlegen , dann entsteht die Spannung , die den Leser nicht zu Atem kommen läßt , und ihn par force bis zur letzten Seite jagt . Also nur alles wild durcheinander gestopft und geschoben , wie die Schollen beim Eisgange , Himmel und Erde weggeleugnet , Charaktere im Ofen gebacken , die nicht zu den Begebenheiten stimmen , und Begebenheiten ausgeheckt , die ohne Charaktere umherlaufen , wie Hunde , die den Herren verloren haben ! Mit einem Worte : Konfusion ! Konfusion ! - Ew . Wohlgeboren , glauben Sie mir , ohne Konfusion richten Sie heutzutage nichts mehr aus . Ich habe , soweit ich vermochte , in diesem Stücke bei den Münchhausianis für Sie gesorgt , und ein bißchen Konfusion gestiftet , soviel es sich tun ließ , damit die benötigte Spannung entstehe . Sehen Sie , so wie jetzt das Heft gebunden ist , kann kein Mensch bisher erraten , woran er ist , wer der alte Baron ist , und das Fräulein und der Schulmeister , und wo sich die Sache zuträgt ? Hat sich aber ein tüchtiger Leser erst durch einige Kapitel hindurchgewürgt , dann würgt er sich auch weiter , denn es geht den Leseleuten so , wie manchem Zuschauer in der Komödie . Er ärgert sich über das schlechte Stück , er gähnt , er möchte vor Ungeduld aus der Haut fahren , aber dennoch bleibt er sitzen , weil er einmal sein Entréegeld gegeben hat , und dafür auch seine drei Stunden absitzen will . Also , Ew . Wohlgeboren , ich dächte . Sie ständen von dem Verlangen nach Umheftung ab . Der ich übrigens usw. III. Der Herausgeber an den Buchbinder Lieber Herr Buchbinder , Sie haben mich überzeugt . Ach , ich lasse mir jetzt von jedermann raten in meinem Metier , selbst von Ihrem Jungen , wenn er mir etwa Vorschläge über das neue Buch machen kann . Es hat mir schon so mancher Junge Zurechtweisungen erteilt , und ich habe sie nicht befolgt und schwer darob büßen müssen . Es soll also bei der Verheftung bleiben , und wenn Sie oder Ihr Junge in der Folge merken , daß ich wieder gegen die Spannung , oder die unordentliche Schreibart gesündigt habe , dann heften Sie nur nach Gutdünken die Kapitel durcheinander , und verbessern auf solche Weise das Buch . Ich glaube sogar , daß ich nicht der erste in solchem Verfahren bin ; Herr Steffens hat