. Ein großer Tafelaufsatz , der mir die ganze Zeit im Kopf herumspukt , und den mir deucht im großen Bankettsaal der kurfürstlichen Residenz gesehen zu haben ; er besteht aus einer ovalen , fünf bis sechs Fuß langen kristallenen Platte , einen See vorstellend , in Wellen sanft geschliffen , die sich gegen die Mitte hin mehr und mehr heben und endlich ganz hoch steigen , wo sie einen silbernen Fels mit einem Throne umgeben , auf welchem die Venus sitzt ; sie hat ihren Fuß auf den Rücken eines Tritonen gestemmt , der einen kleinen Amor auf den Händen balanciert ; rundum spritzt silberner Schaum , auf den höchsten Wellen umher reiten mutige Nymphen , sie haben Ruder in Händen , um die Wellen zu peitschen , ihre Gewande sind emailliert , meistens blaßblau oder seegrün , auch gelblich ; sie scheinen in einem übermütigen jauchzenden Wassertanz begriffen ; etwas tiefer silberne Seepferde , von Tritonen gebändigt und zum Teil beritten ; alles in Silber und Gold getrieben mit emaillierten Verzierungen . Wenn man in den hohlen Fels Wein tut , so spritzt er aus Röhrchen in regelmäßigen feinen Strahlen rund um die Venus empor und fließt in ein verborgenes Becken unter dem Fels ; das ist die hohe Mittelgruppe . Näher am Ufer liegen bunte Muscheln zwischen den Wellen und emaillierte Wasserlilien ; aus ihren Kelchen steigen kleine Amoretten empor , die mit gespanntem Bogen einander beschießen , zwischendurch flüchten Seeweibchen mit Fischschweifen , von Seemännchen mit spitzen Bärten verfolgt und an ihren Schilfkränzen erhascht oder mit Netzen eingefangen . Auf der andern Seite sind Seeweibchen , die einen kleinen Amor in der Luft gefangen halten und ihn unter die Wellen ziehen wollen , er wehrt sich und stemmt sein Füßchen der einen auf die Brust , während die andere ihn an den bunten Flügeln hält ; diese Gruppe ist ganz köstlich und sehr lustig ; der Amor ist schwarz von Ambra , die Nymphen sind von Gold mit emaillierten Kränzen . Die Gruppen sind verteilt in beiden Halbovalen , alles emailliert mit blau , grün , rot , gelb , lauter helle Farben ; viele Seeungeheuer gucken zwischen den kristallnen Wellen hervor mit aufgesperrten Rachen ; sie schnappen nach den fliehenden Nymphen , und so ist ein buntes Gewirr von lustiger glitzernder Pracht über das Ganze verbreitet , aus dessen Mitte der Fels mit der Venus emporsteigt ; am einen Ende der Platte , wo sonst gewöhnlich die Handhabe ist , sitzt etwas erhaben gegen den Zuschauer der berühmte Zyklop Polyphem , der die Galatee in seinen Armen gefangen hält ; er hat ein großes Aug auf der Stirn , sie sieht schüchtern herab auf die Schafherde , die zu beiden Seiten gelagert ist , wodurch die Gruppe sich in einen sanften Bogen mit zwei Lämmern , welche an beiden Enden liegen und schlafen , abschließt . Jenseits sitzt Orpheus , auch gegen die Zuschauer gewendet ; er spielt die Leier , ein Lorbeerbaum hinter ihm , auf dessen ausgebreiteten goldnen Zweigen Vögel sitzen ; Nymphen haben sich herbeigeschlichen mit Rudern in der Hand , sie lauschen ; dann sind noch allerlei Seetiere bis auf zwei Delphine , die auf beiden Seiten die Gruppe wie jenseits in einem sanften Bogen abschließen ; sehr hübsch ist ein kleiner Affe , der sich einen Sonnenschirm von einem Blatt gemacht hat , zu Orpheus Füßen sitzt und ihm zuhört . - Das ist , wie Sie leicht denken kann , ein wunderbares Prachtstück ; es ist sehr reich und doch erhaben ; und ich könnte Ihr noch eine halbe Stunde über die Schönheit der einzelnen Figuren vorschwätzen . Gold und Silber macht mir den Eindruck von etwas Heiligem ; ob dies daher kommt , weil ich im Kloster immer die goldnen und silbernen Meßgeschirre und den Kelch gewaschen habe , den Weihrauchkessel geputzt und die Altarleuchter vom abträufelnden Wachs gereinigt , alles mit einer Art Ehrfurcht berührt habe ? Ich kann Ihr nur sagen , daß uns beim Betrachten dieses reichen und künstlichen Werkes eine feierliche Stimmung befiel . Jetzt beschreib ich Ihr aber noch etwas Schönes , das gefällt mir in der Erinnerung noch besser , und die Kunstkenner sagen auch , es habe mehr Stil ; das ist so ein Wort , wenn ich frage , was es bedeutet , sagt man : » Wissen Sie nicht , was Stil ist ? « - Und damit muß ich mich zufrieden geben , hierbei hab ich ' s aber doch ausgedacht . Alles große Edle muß einen Grund haben , warum es edel ist : wenn dieser Grund rein ohne Vorurteil , ohne Pfuscherei von Nebendingen und Absichten , die einzige Basis des Kunstwerks ist : das ist der reine Stil . Das Kunstwerk muß grade nur das ausdrücken , was die Seele erhebt und edel ergötzt und nicht mehr . Die Empfindung des Künstlers muß allein darauf gerichtet sein , das übrige ist falsch . In den kleinen Gedichten vom Wolfgang ist die Empfindung aus einem Guß , und was er da ausspricht , das erfüllt reichlich eines jeden Seele mit derselben edlen Stimmung . In allen liegt es , ich will Ihr aber nur dies kleinste zitieren , das ich so oft mit hohem Genuß in den einsamen Wäldern gesungen habe , wenn ich allein von weitem Spazierwege nach Hause ging . Der du von dem Himmel bist , Alles Leid und Schmerzen stillest , Den , der doppelt elend ist , Doppelt mit Erquickung füllest : Ach , ich bin des Treibens müde , Was soll all der Schmerz und Lust ? - Süßer Friede ! Komm , ach komm in meine Brust . Im Kloster hab ich viel predigen hören , über den Weltgeist und die Eitelkeit aller Dinge , ich habe selbst den Nonnen die Legende jahraus jahrein vorgelesen , weder der Teufel noch die Heiligen haben bei mir Eindruck gemacht , ich glaub , sie waren nicht vom reinen Stil ; ein