Schweiz machen . Dies heimathlose Hinziehen durch unbekannte Gegenden , das Abreißen von allen Gewohnheitsbanden , die Einsamkeit in der Fremde führt näher zusammen , und schafft in dem , was die Seele gemeinschaftlich traf , einen eigenthümlichen Quell der Erinnerung . Man schöpft immer eine Weile daraus , und belebt in der Gegenwart dasjenige , was diese anfangs einfarbig und unbequem erscheinen läßt . Um indeß meinerseits auch nicht ganz müßig zu sein , habe ich gesucht , Emma eine heitere Geselligkeit für die , immer etwas trüben Herbsttage zu gewinnen . Das Haus der muntern Gräfin von Ulmenstein versammelt eine regsame , mittheilende und empfängliche junge Welt . Hier sind die blühenden Töchter des Hauses , und mit ihnen alles , was städtischer Verkehr an ihre Schritte bindet . Tanz , Musik , Conversation , Geist und Gefühl , kurz , das gute und richtige Gemisch übereinstimmender und widerstreitender Elemente , aus denen die Gesellschaft bestehen muß , soll sie überhaupt bestehen . Ich warf mich vor einigen Abenden , ganz meiner Gewohnheit entgegen , in das bunte Gewühl , und ward nicht unangenehm durch Fremdes und Neues , das mir entgegentrat , überrascht . Vorzüglich gefiel ich mir in der Unterhaltung mit der jungen Gemahlin unsers Freundes , des Präsidenten . Sie wissen , wie vielen Dank wir ihm in der Angelegenheit meines Neffen schuldig sind . Den Zutritt in seinem Hause nachzusuchen , schien mir daher für die Neuvermählten eine Pflicht , an welche ich gern durch die anziehende Einfachheit und Grazie der schönen Frau erinnert ward . Sie stand in einem Kreise lachender und schwatzender Modepüppchen , unter denen sie sehr vortheilhaft , durch Gestalt und Wesen , hervortrat . Es war nicht Nachläßigkeit , nicht Absicht in Tracht oder Benehmen zu spüren . Das frische , weiße Kleid , ohne entstellende Verzierungen , stand sehr wohl zu dem reichen , kastanienbraunen Haare , und dem reinen , tiefen Blick der schönsten blauen Augen , die je eine lange , dunkle Wimper beschattete . Als ich mich ihr nahete , trat sie mir zwanglos entgegen , empfing meinen Gruß , wie eine Schuldigkeit , und würdigte , was davon ihrer Anmuth galt , mit verständigem Gleichmuth . Sie hatte von dem jungen Paare , das ich ihr zuzuführen , um die Erlaubniß bat , gehört , sie fragte mit Theilnahme nach beiden , und zeigte sich , ohne affectirte Uebertreibung des Ausdrucks , bereit , ihnen den Eintritt in die fremde Welt zu erleichtern . Es liegt Natur und Wärme in ihrem ganzen Wesen , das ein feiner Geist , mehr unbewußt begleitet , als bewußt beherrscht . Wie sie ist , hat sie mir gefallen , auch genießt sie allgemeine Achtung , die weniger ihrer Stellung in der Welt , als ihrer Person gilt . Irre ich nicht , so wird Emma in ihr eine Freundin finden . Und nun getrost , gnädige Frau ! lassen Sie dem Geschick ohne Zagen seinen Lauf . Es kehrt sich wenig an unsere Launen . Auf eine , oder die andere Art macht sichs immer wieder Bahn . Zuletzt sind wir mit allem Rennen und Laufen nicht weiter als zu Anfang , und bringen nur müde Füße mit nach Hause . Vergeben Sie es mir , wenn ich Sie hier frage , ob Sie jemals durch die Ausführung irgend eines Planes völlig befriedigt wurden ? oder , ob Sie nicht über den Moment des Erlangens hinaus , lieber alles umgeworfen , und die Sache von neuem und anders angefangen hätten ? Glauben Sie mir , Sie sind es nicht allein , es ist der Mensch überhaupt , der so empfindet . Wir kennen keinen Genuß . Was wir so nennen , ist nur das rothe Läppchen an der Angel , die uns fortzieht . Das Ziel thäte es , und nicht das Streben darnach allein . Ich küsse Ihre Hände , und lege diese auf die Häupter Ihrer Kinder , daß Sie sie in Freudigkeit segnen mögen . Ganz der Ihrige . Hugo an Heinrich Ich will Dich nicht glauben lassen , die Flitterwochen vermöchten so viel über mich , daß ich die übrige Welt darüber vergäße . Ich bin in meinem Leben nicht geneigter gewesen , da Unterhaltung zu suchen , wo sie sich mir bietet , als eben jetzt . Ehrlich gestanden , dieser Nachhall des ausgesprochenen Ja , ist ein wenig eintönig ! Was sagt man sich noch , wenn alles beantwortet ist ? Mißverstehe mich nicht . Emma ' s Nähe ist wie der Frühling . Sie überkleidet alles mit jenen Lichtfarben , die uns anlächeln und den Sinn in behagliches Empfinden einwiegen . Ich sehe mich leicht auf Minuten so angesprochen . Aber - doch genug ! - Ich brauche scharfe Schatten , und verliere mich gern in die Tiefe zackiger , unförmlicher Schlüfte , aus denen der wilde Schrei der Natur meine träumende Seele wie ein Echo anruft . Wir sind moderne Reisende , Heinrich . Wir fahren die gebahnte , geebnete Straße , verweilen , wo Alle verweilen , und bewundern , was Alle bewundern . Emma ist entzückt . Ich begleite sie willig , aber sie kann mir auf meinen einsamen Wanderungen durch das Labyrinth großartiger Verwilderung nicht folgen . Man nennt nicht unpassend auch das Leben eine Reise . Nenne es , wie Du willst . - So viel weiß ich wohl , daß man sich auf der einen wie auf der andern , allein , am freiesten bewegt . Wie selten halten zwei Menschen gleichen Schritt . Wie jener sich beschränkt , muß dieser sich über Vermögen anstrengen . Man mag die Kräfte gegenseitig abwägen , wie man will , jede Probe zeigt , daß die Berechnung falsch war . Doch genug ! wir reisen ! Es war bei alledem gut , daß wir aus der Klemme der Hofetiquette und Familienrücksichten herauskamen . Ich war wie zwischen zwei Mühlräder zermalmt . Mir ist in der ganzen Gotteswelt