nach dem Abenteuer , das ihn mit dem Kinde zusammengebracht . Der Fünfzigjährige legte dem Alten , mit aller Ehrfurcht eines halberwachsenen Sohnes , von seinem Handel und Wandel genaue Rechenschaft ab ; beobachtete jedoch nicht dieselbe Genauigkeit , als er auf den Kleinen zu sprechen kam . Er behauptete nämlich , das Kind einige Stunden von Frankfurt , verirrt und umherlaufend gefunden , und von ihm herausgebracht zu haben , daß es nach der Stadt gehöre . Aus Mitleid habe er es mitgenommen , um seinen Vater oder seine Mutter auszukundschaften , und hoffe , sich dadurch etwas Ansehnliches zu verdienen , da das Kind aus gutem Hause zu seyn scheine . « » Was der Alte vorhin dem Mitleid ungern einräumen zu wollen bedacht war , ließ er jetzt der Berechnung eines Vortheils hingehen , und belobte des Sohns Umsicht und Gewandtheit . Zugleich aber beklagte er sich über Esthers Unzufriedenheit mit ihrer Lage , und forderte den Vater auf , mit Strenge dergleichen unziemliche Gedanken in ihr zu ersticken . « » Zürne nicht , Vater ! « antwortete Ben David hierauf : » Schilt nicht die übermüthige Lust , mit welcher die Jugend nach den lockenden Früchten der Welt blickt , die nun einmal durch des hochgelobten Gottes unerforschlichen Rathschluß den Gojim bestimmt sind , statt seinem Volke . Dein Bart ist weiß geworden im Kerker und Du sehnst Dich hinaus . Mein Haupthaar ist ergraut unter dem Joch , und ich dürste nach Freiheit . Warum soll das kräftige Geschlecht das nach uns kommt , nicht sich hinaus wünschen aus dem Haus der Gefangenschaft unter die Oelbäume des freien Lebens ? « Jochai schüttelte zweifelnd das Haupt , und strich unmuthig den langen Bart. Ben David fuhr aber zu Esther gewendet , fort : » Beruhige Dich , mein Kind . Vielleicht fügt es sich , daß ich Dich im nächsten Frühjahr mit hinausnehme in den Garten der Welt . Ich gedenke , zu fahren gen Costnitz , woselbst viele der großen Herren mein bedürfen werden , und wo wir auftreten können in Glanz und Pracht , wie es uns hier die Klugheit verbietet . « » Ei , was sprichst Du ? « fragte Jochai ängstlich den Sohn . » So ich nicht schon begraben liege an dem Ort der Lebendigen1 , wirst Du nicht das Mädchen von meiner Seite nehmen . Wer soll mich hüten , wer mich pflegen , bist Du fern ? « » Gib Dich zufrieden , Vater ! « antwortete Ben David : » der gute Knecht Zodick wird an Dir thun , wie an seinem Vater . « » Zodick ? « fragte Jochai zweifelhaft : » Zodick , der das Gesetz der Väter so wenig beachtet , daß er noch jetzt sich im Hause nicht sehen ließ ? « » Ich dachte , er sey schon in seine Kammer gegangen ! « erwiederte Ben David , und wollte noch einige Bemerkungen über Zodick ' s früheres Benehmen hinzusetzen , als ein fürchterlicher Tumult vor dem Hause laut wurde , auf dessen Pforte Schlag auf Schlag fiel . Erschrocken fuhr die Familie in die Höhe , und Grete stürzte herein , durch ihre heftigen Geberden etwas Ausserordentliches verkündend , das sich auf der Straße zugetragen . Entsetzen ergriff den Alten und die schöne Esther , denn ein Volksauflauf , mit einer neuen daraus entspringenden Judenschaft , stand wie ein ungeheures Gespenst vor ihren Gedanken ; aber Ben David beruhigte sie mit wenig Worten , ermahnte sie , die Thüre des Hintergebäudes fest zu verriegeln und die Kostbarkeiten bei Seite zu bringen , und folgte , wenn auch nicht ohne Herzklopfen , der lebhaft voranschreitenden Grete die Treppe hinab , durch den Hausgang an die Pforte , die von wiederholtem Pochen ertönte , und vor welcher das Gesumme einer ansehnlichen Menschenmenge sich vernehmen ließ . - » Wer pocht so ungestüm ? « fragte Ben David durch das Schlüsselloch , und zurück schrie eine klagende Stimme die Antwort : » Herr ! öffne ! Dein Knecht Zodick ist ' s ! öffne ! bei Deines Vaters Haupt beschwöre ich Dich : laß mich nicht zu Schanden werden vor den Edomitern hier auf der Schwelle Deines Hauses ! « - Und Gemurre und einzelnes Spottgelächter rings umher . - Ben David , die Verzweiflung des hülferufenden Hausgenossen nicht verkennend , befahl seinen Leib dem Gott seines Bundes , und gebot der Magd , zu öffnen . - Das Schloß ging auf sammt den Riegeln , und kaum klaffte die Thüre , als ein Haufe gemeinen Pöbels sich hereindrängte in ' s Haus : neugierige und höhnisch gezogene Gesichter , von wenigen Laternen und Kienspänen schwach beleuchtet ; in deren Mitte der Diener des Hauses , Zodick , Gesicht , Hemde und Gewand von Blut befleckt , das reichlich herabströmte aus einer breiten Stirnwunde . Ben David fuhr bei diesem Anblick erschrocken zurück , hob beide Hände gen Himmel , und rief in heiligem Eifer : » Zodick ! unseliger Knecht ! Hat Dich der Fürst der höllischen Nacht berückt , daß Du also trunken und blutend von einem Falle eintrittst in die Hütten Israels , und verbrecherisch schändest die liebliche Königin Schabbath , die allhier ihren Sitz genommen ? « Zodick winkte verneinend mit der Hand , sank jedoch , unfähig zu reden , auf die Schwelle der Unterstube . Ben David sah fragend umher in dem Kreis der Nachbarn , die zum Theil in schmutzigen Nachtgewändern , erst dem Lager entflohen , als gaffende und schadenfrohe Zeugen den Verwundeten umstanden . - » Was hat ' s gegeben , liebe Freunde ? « fragte er mehrmals vergebens , bis endlich ein ältlicher Mann von rechtlichem Aussehen sich hindurch drängte , und also sprach : » Ich will Dir Auskunft geben , Jude ! Ich bin der Schmid Albrecht dort an der Ecke dieser Gasse , und kam vor Kurzem aus unsrer Herberge . Wie ich nun kaum zwanzig Schritte