« , fuhr der Schreiber in seiner Erläuterung fort , » wir schicken einen Brief an die Stände von Württemberg , und ermahnen sie , das unleidliche Regiment ihres Herzogs zu bedenken , demselben keinen Beistand zu tun , sondern dem Bunde zuzuziehen . « 15 » Wie ? « rief Georg mit Entsetzen , » das hieße ja den Herzog um sein Land betrügen ; wollt Ihr ihn denn zwingen , der Regierung zu entsagen , und sein schönes Württemberg mit dem Rücken anzusehen ? « » Und Ihr habt bisher geglaubt , man wolle nichts weiter als etwa Reutlingen wieder zur Reichsstadt machen ? Von was soll denn Hutten seine 42 Gesellen und ihre Diener besolden ? Wovon denn Sickingen seine 1000 Reiter und 12000 zu Fuß , wenn er nicht ein hübsches Stückchen Land damit erkämpft ? Und meint Ihr , der Herzog von Bayern wolle nicht auch sein Teil ? Und wir ? Unsere Markung grenzt zunächst an Württemberg - « » Aber die Fürsten Teutschlands « , unterbrach ihn Georg ungeduldig , » meint Ihr , sie werden es ruhig mit ansehen , daß Ihr ein schönes Land in kleine Fetzen reißet ? Der Kaiser , wird er es dulden , daß Ihr einen Herzog aus dem Lande jagt ? « Auch dafür wußte Herr Dieterich Rat . » Es ist kein Zweifel , daß Karl seinem Vater als Kaiser folgt ; ihm selbst bieten wir das Land zur Obervormundschaft an , und wenn Österreich seinen Mantel darauf deckt , wer kann dagegen sein ? Doch , sehet nicht so düster aus ; wenn Euch nach Krieg gelüstet , da kann Rat dazu werden . Der Adel hält noch zum Herzog , und an seinen Schlössern wird sich noch mancher die Zähne einbrechen . Wir verschwatzen übrigens das Mittagsmahl , kommt bald nach , daß wir erfahren was Frau Sabina uns gekocht hat . « Damit verließ der Schreiber des Großen Rates von Ulm , so stolzen Schrittes , als wäre er selbst schon Obervormund von Württemberg , das Zimmer seines Gastes . Georg sandte ihm nicht die freundlichsten Blicke nach . Zürnend schob er seinen Helm , den er noch vor einer Stunde mit so freudigem Mute zu seinem ersten Kampf geschmückt hatte , in die Ecke ; mit Wehmut betrachtete er sein altes Schwert , diesen treuen Stahl , den sein Vater in manchem guten Streite geführt , den er sterbend seinem verwaisten Knaben als einziges Erbe vom Schlachtfeld gesendet hatte . » Ficht ehrlich « , war das Symbolum , das der Waffenschmied in die schöne Klinge gegraben hatte , und er sollte sie für eine Sache führen , die ihre Ungerechtigkeit an der Stirne trug ? Wo er der Kriegskunst erfahrener Männer , der Tapferkeit des einzelnen die Entscheidung zutraute , da sollten geheime Ränke , die Politica , wie Herr Dieterich sich ausdrückte entscheiden ? Wo ihn der fröhliche Glanz der Waffen , die Aussicht auf Ruhm gelockt hatte , da sollte er nur den habgierigen Planen dieser Menschen dienen ? Ein altes Fürstenhaus , dem seine Ahnen gerne gedient hatten , sollte er von diesen Spießbürgern vertreiben sehen ? Unerträglich wollte ihm auch der Gedanke scheinen , von diesem Kraft sich belehren lassen zu müssen . Doch dem Unmut über seinen gutmütigen Wirt , konnte er nicht lange Raum geben , wenn er bedachte , daß ja jene Plane nicht in seinem Kopfe gewachsen seien ; und daß Menschen , wie dieser politische Ratschreiber , wenn sie einmal ein Geheimnis , einen großen Gedanken in Erfahrung gebracht haben , ihn hegen und pflegen wie ihren eigenen ; daß sie sich mit dem adoptierten Kinde brüsten , als wäre es Minerva und aus ihrem eigenen , harten Kopfe entsprungen . Mit milderen Gedanken kam er zu seinem Gastfreund , als man ihn zu Tisch rief . Ja , die ganze Ansicht der Dinge wurde ihm nach einigen Stunden bei weitem erträglicher , als er sich erinnerte , daß ja auch Mariens Vater dieser Partei folge ; es war ihm , als möchte die Sache doch nicht so schwarz sein , welcher Männer , wie Frondsberg ihre Dienste geliehen . Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort , Das schnell sich handhabt wie des Messers Schneide - - Gleich heißt ihr alles schändlich oder würdig , Bös oder gut . - Dieses wahre Wort des Dichters möge die Gesinnung Georgs bezeichnen , die Gesinnung Georgs , der vielleicht allzuschnell seine Ansicht über jene Dinge änderte . Und wie die düsteren Falten des Unmuts , auf einer jugendlichen Stirne sich schneller glätten , wie selbst schmerzliche Eindrücke in des Jünglings Seele von freundlichen Bildern leicht verdrängt werden , so erhellte auch Georgs Seele der freudige Gedanke an den Abend . Man hat uns erzählt , daß unter die schönsten Stunden im Leben der Liebe , die gehören , wo die Erwartung sich an schöne Erinnerungen knüpft . Der Geist seie da ahnungsvoller , das Herz gehobener . So mochte auch Georg fühlen . Er träumte von den schönen Augenblicken , wo es ihm vergönnt sein werde , die Geliebte zu sehen , sie zu sprechen , ihre Hand zu fassen und in ihrem Auge zu lesen . VI Und als er sie schwingt nun im luftigen Reigen , Da flüstert sie leise , sie kann ' s nicht verschweigen . L. Uhland Wenn es möglich gewesen wäre , auf einem Trödelmarke oder in der Auktion eines Antiquars ein » Taschenbuch zum geselligen Vergnügen , mit neuen Tanztouren vom Jahr 1519 « aufzufinden , wir hätten nicht leicht so angenehm überrascht werden können , als durch einen Fund ähnlicher Art , den uns der Zufall in die Hände spielte . Wir waren nämlich in vorliegender Historie bis an dieses Kapitel gekommen , das um der Sage zu folgen , von einem Abendtanz handeln soll ; da fiel uns mit einem Male der Gedanke schwer aufs Herz , daß wir ja nicht einmal