Menschlichkeit in manchen Fällen verbieten , das Andere sey gewagt und für eine Person meines Alters und Geschlechtes völlig zu verwerfen . Diese Ansicht war so einleuchtend , daß ich mit all meinem Uebermuth nicht sogleich eine Widerlegung bereit hatte . Miß Mortimer , viel zu edel , um sich der Bestätigung meiner Niederlage in meinem Stillschweigen zu erfreuen , verließ ungesäumt das Gemach . Der Gedanke an den verführerischen Maskenball zerstreute mich bald von dem unangenehmen Eindruck , den diese Unterredung zurückließ . Fest entschlossen , ihm zu entsagen , erlaubte ich mir um so unbedachter , mich an der Vorstellung seines Glanzes zu weiden . Ich dachte mir die Pracht meiner türkischen Maske , die Anmuth , die sie meiner Gestalt verleihen müßte , die Bewunderung , die ich erregen , die witzigen Antworten , die ich ertheilen würde - doch vor allem beschäftigte sich meine Einbildungskraft mit dem Vergnügen , den ganzen Abend an Lady St. Edmonds Seite zu seyn . Zu gewohnt , meine Interessen mit Miß Arnold zu theilen , wurden meine eiteln Träume Gegenstand unsers nächsten Gesprächs , und es ward ihr leicht , da durch Lady St. Edmonds persönliche Einladung der Hauptgrund der Weigerung , der in Lord Friedrichs Dazwischenkunft bestanden hatte , gehoben war , mich zu bereden , daß es meinem Vater allein zukomme , über das Annehmen oder Ausschlagen der Einladung zu entscheiden . Der Ausweg war meinem Gewissen willkommen , allein es war noch zu schüchtern ; den Vorschlag meinem Vater selbst zu thun , fehlte es mir an Muth . Miß Arnold bot sich ungebeten zu der Unterhandlung an , diese glückte ohne die geringste Schwierigkeit ; mein Vater , durch seine Unkunde der feinern Gesetze des weiblichen Anstandes , da meine gute Mutter nie in der großen Welt gelebt hatte , und durch seine Eitelkeit , die an den vornehmen Bekanntschaften seiner Tochter Gefallen fand , irre geleitet , tadelte Miß Mortimers Ansicht und befahl mir ohne weitres Nachdenken , der Einladung Lady St. Edmonds zu folgen . Nun war der Pflicht genug gethan ; aber die Umstände erheischten es doch , Miß Mortimer die Veränderung meines Entschlusses mitzutheilen , und das schien mir noch schwieriger , als das Gesuch an meinen Vater . Miß Arnold versuchte mir deutlich zu machen , daß zu Vermeidung aller Unannehmlichkeiten für beide Theile nichts leichter sey , als dem würdigen Mädchen unsern Besuch des Maskenballs gänzlich zu verschweigen . Sie kenne unsre Einladungen nicht , es sey sehr leicht , an dem Ballabend eine andere Gesellschaft zu besuchen , dann später unsern Anzug zu ändern , um noch immer früh genug , bei Lady St. Edmond zu erscheinen . Meine ganze Seele empörte sich gegen diesen furchtsamen Betrug ; fast hätte mich dieser Vorschlag über Juliens gefährlichen Einfluß aufmerksam gemacht , allein sie wußte bei der ersten Aeußerung meines Mißfallens mich mit Thränen und Liebkosungen zu überzeugen , daß nur der innige Wunsch , mir den Genuß dieses Ballabends zu verschaffen , sie leite . Sie bot mir an , ihre Karte Miß Mortimer abzutreten , so alle Hindernisse zu heben und mir den sichersten Beweis ihrer uneigennützigen Freundschaft zu geben . Mein schwaches Herz , der Liebe bedürftig und der Schmeichelei gewöhnt , ließ sich leicht beschwichtigen , und als Ersatz für das meiner Freundin gethane Unrecht , gab ich ihr sogar bis dahin nach , daß wir , um Miß Mortimers Mißbilligung so viel wie möglich zu entgehen , sie erst am Ballabend selbst , im Augenblick unsrer Abfahrt , mit meinem veränderten Entschluß bekannt machen wollten . Miß Mortimers Ermahnungen zum Trotz , setzte ich meine Bekanntschaft mit Lady St. Edmond fort . Ich zog zwar einige Erkundigung über sie ein ; ihr Erfolg stellte meinen neuen Liebling als eine Frau dar , die sich mit großem Glück und Vortheil dem Hazardspiel ergäbe und über einen Punct ihres Betragens solcher Fehltritte wegen verdächtig werde , die es besser sey nicht zu erwähnen . Die Heftigkeit , mit der ich Lady St. Edmond unschuldig zu finden wünschte , bewog mich , die öffentliche Meinung als eine Despotin zu betrachten , der zu widerstehen , mich meine Eitelkeit aufreizte ; meine Zuneigung für sie gewann durch meine Absicht , ihr dadurch nützlich zu seyn , neue Stärke , so wie auch meine Bewunderung ihrer liebenswürdigen Eigenschaften dadurch anwuchs . Wirklich war aber ihr Betragen gegen mich so anziehend , ja so bezaubernd durch Geist und gemüthvolles Wesen , daß ich noch jetzt , nach Verfluß manches Jahres und mancher gemachten Erfahrung , überzeugt bin , ihr Wohlgefallen an mir war nicht ganz erlogen . Ich habe selten ein so verhärtetes Herz gefunden , daß es nicht , wenigstens vorübergehend , durch die redliche Gefühlswärme der Jugend gerührt worden wäre . Ich vermochte auch gar keine Ursache zu entdecken , die sie , mir zu heucheln bewegen könnte ; auch für die Beschuldigung ihrer Liebe zum Spiel fand ich , in ihrem Verhältniß zu mir , keinen Beweis ; sie veranlaßte mich nur ein einzigesmal die Karten zu nehmen , und da war ich im Gewinnen . Miß Mortimer fuhr indeß fort mich zu warnen und auf ihrer übeln Meinung von dem Gegenstand meiner Vorliebe zu beharren , so daß ich den Ausdruck meiner Bewunderung aus Widerspruchsgeist noch erhöhte . Ein prophetischer Ausspruch meiner Warnerin prägte sich meinem Gedächtniß besonders ein , weil er mit einer Strenge abgefaßt war , wie ich sie bei keiner andern Gelegenheit aus Miß Mortimers sanftem Munde vernahm . Ich hatte Lady St. Edmond » meine Zauberin « genannt ; diesen Ausdruck faßte sie auf und sagte : » Zauberin ? ja das ist sie , denn sie zieht Sie in einen Kreis , den nichts Gutes oder Heiliges betritt ; wollen Sie ihr dahin folgen , so bieten Sie allen guten Engeln Lebewohl . Die Guten werden Sie einer nach dem andern verlassen , und Ihnen kein Gefährte bleiben als der Ihre Irrthümer benutzen