daß treue Liebe in der stärkern Brust des Mannes oft nur um so sichrer wohnt , als in dem weicheren Herzen der Frauen , « setzte er lächelnd hinzu . Was Ernesto von Ferdinands späterem Geschick Gabrielen noch ferner mittheilte , läßt sich in wenig Worte fassen . Auf eine ihm unerklärbare Weise von der Geliebten getrennt , währte es beinahe ein Jahr , ehe er den ganzen Umfang seines Unglücks erkannte , und tröstende Hoffnungen begleiteten ihn lange von Land zu Land . Augustens Vater leitete fortwährend mit unsichtbarer Hand sein Geschick ; er hatte den Zweck erreicht , ihn auf immer von seiner Tochter zu trennen , und war übrigens nicht weniger als sonst für das zeitliche Glück seines ehemaligen Pfleglings besorgt . Er glaubte sogar , ihm gewissermaaßen Ersatz schuldig zu seyn , und ebnete deshalb , so viel er es konnte , Ferdinands Weg auf der einmal angetretnen Laufbahn seines Strebens , ohne daß dieser es ahnete . Bis Konstantinopel hatte er ihn zu bringen gewußt , als der Tod ihn in Schweden übereilte . An der südlichsten Gränze von Europa erfuhr Ferdinand sehr spät aus den Zeitungen die Nachricht von dem Hinscheiden seines ehemaligen Beschützers , und die weite Entfernung , in der er sich von jenem nördlichen Lande befand , vernichtete den Erfolg jedes schriftlichen Versuches , Augusten , die dort verschwunden war , wieder aufzufinden . Er eilte selbst nach Schweden , sobald seine Verhältnisse es ihm möglich machten , aber vergebens suchte er aufs ängstlichste eine Spur von ihr . In der Residenz war Augustens vorübereilende Erscheinung längst vergessen , in dem kleinen Städtchen , in welchem ihr Vater starb , hatte niemand sie gekannt ; nur wenige erinnerten sich ihrer Existenz , keiner wußte nur von ferne anzudeuten , wohin sie sich gewendet haben könne , und in der tiefen Einsamkeit , in welcher sie auf dem Landgute ihrer Tante damals lebte , war und blieb sie ihm verloren . Ferdinand führte von nun an ein trübes , unstätes Leben , ewig suchend nach dem Glück seiner Jugend und nimmer es findend , bis das Fruchtlose seines Strebens ihm endlich die Ahnung von Augustens Tod zur Gewißheit machte . Jetzt beschwichtigten allmählich wehmüthige Sehnsucht und fromme Hoffnung den wüthenden Schmerz in seinem Innern und wandelten ihn in stille Trauer . Seine äußere Lage befriedigte übrigens alles , was er sonst vom Leben noch wünschen mochte , denn er war durch Thätigkeit und Treue im Dienst seines Fürsten zu einer bedeutenden Stelle in seinem Vaterlande gelangt . Still und trübe lebte er seine Tage hin , bis er einst von ungefähr ein Fräulein Rosenberg erblickte , dessen auffallende Aehnlichkeit mit der Verlornen alle alte Wunden in seinem Innern wieder erneute . Zuerst fühlte er sich von dieser Aehnlichkeit bald unwiderstehlich angezogen , bald schmerzlich zurückgestoßen . Sie war Auguste und war es doch nicht , aber bei näherer Bekanntschaft fand er in ihr ein mildtröstendes Wesen , das einzige , dem er je die traurige Geschichte seiner Jugend vertrauen mochte . Des Fräuleins innige Theilnahme an seinem Schmerz , ihre demüthige Verehrung Augustens fesselten ihn immer mehr an ihre Nähe , sie gab ihm den einzigen Trost , der ihm noch werden konnte , und bald kam es dahin , daß kein Tag verging , ohne daß er sie zu sehen suchte . In zarter Frauen-Brust wandelt sich die Theilnahme an den Leiden eines Freundes nur zu leicht in ein glühenderes Gefühl , und Ferdinand konnte sich endlich nicht mehr die Art des Eindrucks verhehlen , den er und seine Schmerzen auf das Herz seiner jungen Freundin gemacht hatten . Er fühlte zugleich , daß sein der Liebe erstorbnes Gemüth dennoch des Trostes inniger , vertrauensvoller Freundschaft nicht mehr entbehren konnte , nachdem es dessen gewohnt geworden war , und so bat er das Fräulein : sein durch tiefen Gram und ewige Sehnsucht getrübtes Daseyn mit ihm zu theilen , ohne sie über die Art seiner Empfindungen für sie zu täuschen , indem er ihr seine Hand bot . Der schöne Verein alles opfernder Liebe und treuer , inniger Freundschaft , währte kaum ein Jahr ; Ferdinand starb , und Familienverhältnisse bestimmten seine Witwe , den Ort ihres bisherigen Aufenthalts mit der Stadt zu vertauschen , in welcher fast alle ihre Verwandten wohnten , und wo Gabriele sie fand . Frau von Willnangen lebte dort mit ihrer Tochter nicht mitten im Strudel der großen Welt , aber doch auch nicht ganz von ihr abgesondert , sie war nicht reich , aber ihre äußre Lage erlaubte ihr , sich keinen wirklichen Lebensgenuß zu versagen , und ihre anspruchlose Bildung , die milde Würde in ihrem ganzen Wesen zogen bald einen kleinen Kreis auserwählter Freunde um sie her , in dessen Mitte sie sich zu wohl befand , um sich nach rauschendern Freuden zu sehnen . Nur selten erschien sie in größern Gesellschaften und stets ungern . Die Gräfin Rosenberg ehrte in ihr die nahe Verwandte ihres verstorbenen Gemahls , lieben konnte sie sie nicht , dazu war ihr ganzes Wesen zu sehr von dem der Frau von Willnangen verschieden , und eigentlich sahen beide Damen einander nur selten . Aber da die allgemeine Achtung Frau von Willnangen vor allen Andern auszeichnete , so fühlte die Gräfin sich dadurch bewogen , bei jeder öffentlichen Gelegenheit mit der nahen Verbindung zu prunken , in welcher sie sich gegenseitig befanden . Deshalb hatte sie sie auch gebeten , bei dem Feste die Honneurs des Hauses zu machen , so lange sie selbst abwesend seyn mußte , und da es Aureliens Geburtstage zu Ehren angestellt war , so mochte ihr Frau von Willnangen diese Bitte nicht abschlagen . Gabriele betrat mit hochbewegter Brust an Ernestos Hand das Haus , in welchem alles , besonders die Besitzerin desselben , sie auf das lebhafteste an ihre Mutter erinnerte . Der freundliche Empfang , der ihr ward , that ihrem , in den letzten Tagen so vielfältig verletzten Gemüth unendlich