er im Sinn habe , dem Oswald bei der hohen Obrigkeit böses Spiel zu machen . Denn er fürchtete , wenn der Hexenmeister Wind davon bekäme , der könne ihm Schaden zufügen , ehe er noch zur Stadt gelangt wäre . Und wie er auf der Landstraße allein ging , sprach er im Eifer laut mit sich selber , als wenn er schon vor einem Herrn Rathsherrn stände ; und er lief dabei immer schneller , und fuhr im Zorn bald mit der rechten , bald mit der linken Hand in der Luft herum , wie ein Pfarrer auf der Kanzel . Bei diesem Eifer kam im Laufen der lange Stock zwischen die Beine , also daß er stolperte , und über den Stock auf den Erdboden fiel . Der Hut flog weit hinweg , die Nase schlug sich platt , und seine Beine stiegen hoch aufwärts , als wolle er gar auf den Kopf stehen . Er stand ächzend und fluchend auf , und nahm seinen Hut aus dem Staube . An seiner Stirn aber schwoll eine Beule , als wollte ein Horn heranwachsen , und seine blutende Nase war blau , wie eine dicke Pflaume . » Das hat mir gewiß der Oswald angethan ! « dachte er , und fürchtete sich , weiter zu gehen , damit ihm nichts Schlimmeres begegne . Indem er noch mit dem Schnupftuch das Blut von der Nase wischte , kam die Straße daher in vollem Galopp ein Herr zu Pferde , Hut und Rock mit goldenen Tressen besetzt . Der hielt vor dem Löwenwirth still und fragte hastig : » Wohnt dort im Dorfe ein gewisser Herr Oswald , und ist er zu Hause ? « Der Löwenwirth sprach : » Ja , warum denn ? « Der Fremde rief : » Der Erbprinz will ihn besuchen . « So sprach der Fremde und jagte davon nach Goldenthal . Der Löwenwirth sperrte vor Verwunderung Maul und Nase auf und sagte : » Wa - wa - was ? Der Erbprinz ? Ein Prinz zu dem Oswald ? « Wie er dies sagte , fuhr im Galopp ein prächtiger Wagen mit sechs Pferden daher , schöne Bediente vorn und hinten auf . Darin saß ein junger Herr im blauen Oberrock , der hatte auf der Brust einen silbernen Stern . Der Wagen fuhr vorbei nach Goldenthal . » Der Blitz und der Hagel ! « schrie Brenzel : » Der Prinz will gewiß bei mir einkehren . Ich bin nicht zu Hause , und nun fährt er zum Adler ! « Brenzel lief , was er konnte , ins Dorf zurück . Da gerieth ihm abermals im vollen Sprung der lange Stock zwischen die langen Beine , daß er wiederum zu Boden fiel , wie ein Baum . Alle Rippen krachten ihm im Leibe , und seine Staatskleider waren gräßlich gesalbt . Er hinkte fluchend und langsam zum Dorfe . Da er vor seinem Hause keinen Wagen sah , ward er voll Gift und Galle , denn er dachte , der Prinz sei beim Adlerwirth Kreidemann eingekehrt . Er hinkte also weiter , aber er sah auch keinen Wagen beim Adler . So ging er in sein Haus zurück , und keine Seele war darin . Er legte andere Kleider an und wusch sein Gesicht , und erschrak , wie er sich mit der faustdicken Nase und gehörnten Stirn im Spiegel erblickte , wiewohl man im Spiegel wegen des Fliegenkothes nicht viel sah . Nun wetterte er , wie ein grimmiger Löwe , auf seine Leute , die alle davon gelaufen waren . Da kam die Magd ganz odemlos und rief : » Herr , beim Schulmeister ist ein lebendiger Kaiser angekommen , oder wohl gar ein König ! Das ganze Dorf ist vor Schulmeisters Haus zusammengelaufen . « Brenzel wußte nicht , was thun ; ging endlich aber doch hinaus vor Schulmeisters Haus zu den Leuten . Nach einer halben Stunde kam der Erbprinz aus der Hausthür , und hatte Oswalden an der einen und Elsbethen an der andern Hand , und war gar freundlich mit ihnen . Und wie er in den Wagen gestiegen war , reichte er ihnen Beiden noch einmal die Hand zum Abschiede , und dann fuhr er im sausenden Galopp davon , Reiter voraus . Alle Bauern hatten die Hüte ab und vor Erstaunen das Maul auf . Nun war ' s im ganzen Dorfe ausgemacht , der Schulmeister könne mehr als Brod essen . Der Prinz komme zu keinem Dorfschulmeister , bloß um ihn zu besuchen , und sei um nichts und wieder nichts so freundlich mit ihm gewesen . Große Herren brauchen viel Geld , und dazu brauchen sie Schatzgräber und Goldmacher und desgleichen . Große Herren seien nicht immer die frömmsten , das wisse man wohl , und machen sich nichts daraus , wenn sie schlimm aus der Welt gehen , sobald sie nur gut in der Welt leben können . Diese und andere Reden gingen von der Zeit an im Dorfe , und vielen verlumpten und verarmten Bauern im Kopfe herum . Und Viele wurden vertraulicher und sprachen Einer zum Andern : » Wüßte ich nur , wie es anfangen , ich machte mir nichts daraus . Ich verschriebe mich heute noch dem Teufel , wenn ' s sein müßte , und wäre ich nur meine Schulden los und hätte Geld genug und vollauf . Ich wollte es ganz anders machen , wie der Schulmeister . Der Schulmeister ist ein dummer Teufel , daß er hier wohnt und lebt , wie unsereins . Ich führe , wie der Erbprinz , mit sechs Pferden , Bedienten und Sternen , und hätte die Küche voll Braten , den Keller voll Wein . Ja , noch heute gäb ' ich meine arme Seele drum . « Solche ruchlose Reden führten die Leute ohne Scheu . Reichthum verdirbt das Herz ; aber die Armuth verdirbt es nicht weniger . Und wenn Armuth und Dummheit und böse