mit Schlägen fortbringen ; das erbitterte ihn noch mehr , er küßte Apollonien immer mehr . Als ob er blind und taub wäre , merkte er nicht , daß der Bürgermeister eingetreten war , bis dieser ihn mit starker Hand fortriß , ihn zur Stubentüre , und weiter bis zur Treppe hinzog und dort mit einem derben Fußtritt und den Worten herunterförderte : » Denk Esel , daß dein Huf nicht zum Liebkosen geschaffen , nie laß dich wieder vor meinen Augen sehen , Undankbarer , mit deinem Dienste ist es aus . « Berthold lief bewußtlos aus Angewohnheit seinem Garten zu , er hätte ebenso unempfindlich ins Wasser laufen können . Was ist menschliches Wünschen , der Himmel straft uns in der Erfüllung unsrer Bitten , wenn sie nach dem Irdischen zu heftig streben ; was war Berthold jetzt der Garten und der Schatz , er glaubte sich nicht mehr im Paradiese zu finden , aber die Äpfel schmeckten ihm noch süß in der Erinnerung . Ihm war so schwer ums Herz , selbst nach dem Turme wagte er nicht aufzublicken , der schon in der Dunkelheit leuchtete , er hielt das alte Messer des Schatzes voll Gram in seinen Händen , es war ihm in dem Augenblicke lieber , als der Schatz . Als er sich aber zufällig damit in die Hand ritzte , fand er , es täte weh , legte das Messer wieder in den Kasten des Schatzes und begab sich mit dem Kasten nach dem Turme , um sein ganzes Herz , Glück und Unglück , vor den treuen Seelen auszuschütten , die heut ängstlicher , als je , seiner harrten , weil allerlei Seltsames vom Hauskauf durch die kreischende Stimme des alten Hökerweibs zu ihnen hinauf erschollen war . Fünfte Geschichte Der Bau Des jungen Bertholds Erzählung wurde von dem Alten und Frau Hildegard ganz anders aufgenommen , als er gefürchtet hatte . Sei es der Anblick des Schatzes , das Außerordentliche im Geschick , kein einziger Vorwurf traf ihn , daß er den Kauf so heimlich aus geführt . Frau Hildegard wischte ihm sorgfältig jede Träne ab , steckte seine Füße in weiche Pantoffeln und der Alte ergoß zum erstenmal seinen Zorn gegen den Bürgermeister , indem er alle einzelnen Verweise aufzählte , die er um Kleinigkeiten erhalten . Endlich fahr er auf und sagte : » Keinen Schritt sollst du ihm nachgehen , du hast mehr Geld , als er , und was er hat , ist nicht ehrlich gewonnen , mit Gottes Hülfe wollen wir irgend ein ansehnliches Gewerbe anfangen , das uns gut nährt . Stände nur erst das Haus auf den alten Trümmern , so gäbe ich die Türmerstelle gleich auf und zöge hinein . « - » Und ich sollte gar allein bleiben « , sagte Hildegard mit Vorwurf . » Ich ließe eine Brücke bauen « , antwortete der Alte , » daß du recht bequem heruntergehen könntest , oder wir hingen eine bequeme Sänfte an das Seil und ließen dich herab , ich habe schon in Gedanken für alles gesorgt . « - » Und ich weiß schon den ganzen Bauplan « , seufzte der junge Berthold , » aber wozu soll ich alle die Zimmer erbauen , ehe wir wissen , wozu wir sie brauchen sollen und was ich darin unternehme . Zum Abschreiben brauche ich nur ein Kämmerlein und zum täglichen Leben brauchen wir auch nur ein Zimmer , denn wir bleiben gern beisammen . « - » Was klingelt denn so spät von der Stadt her und will noch zu uns herauf ? « fragte der Alte und zog am Draht die untere Türe auf , während der junge Berthold den Schatz unter dem Bette verbarg . Es trat aber zu aller Verwunderung Meister Fingerling herein , entschuldigte seinen Besuch , indem er sagte , daß Berthold mit seinem Kauf einen Lieblingsplan gestört habe , an welchem er seit vielen Jahren arbeite ; nun habe er eben im Ratskeller bei einem Glase Wein vom Gerichtsdiener vernommen , daß Berthold seines Schreiberdienstes entsetzt und ein fahrender Schüler aus der Schweiz , ein Bacchante , der seit Jahren schon in den Straßen herumsinge , vorläufig an seine Stelle trete ; da komme er nun , um zu hören , ob sich nicht durch verständige Besprechung alles zwischen ihnen ausrichten lasse . Der alte Berthold fragte neugierig , was er denn eigentlich beabsichtige , » Ich habe Euren Pflegesohn vom ersten Anblicke lieb gewonnen « , fuhr Fingerling fort , » und seine Freude am schönen Tuche gefiel mir sehr wohl , als er damals den grünen Wams sich machen ließ . Nun habe ich mir etwas mit langem Fleiß erspart , habe auf meinen Wanderungen alles kennen gelernt , was zur Tuchmacherei gehört , und will nicht länger dulden , daß wir unsre Wolle nach Augsburg fahren und unser Tuch aus Augsburg holen , ich kenne Weber und Tuchscherer , auch einen Walkmüller , die sich wohl alle hier niederließen , wegen der Wohlfeilheit vieler Lebensmittel , wenn ihnen nur ein Handelshaus Nahrung gäbe , und das Handelshaus will ich stiften , und wenn Euer Sohn mir den Bauplatz gibt , so soll er einen Anteil am Gewinn haben und ich nehme ihn an Kindesstatt an , da ich bei solchem Unternehmen doch keine Zeit mehr zum Heiraten behalte . Diese meine Absicht ist auch der Grund gewesen , warum ich Euren Sohn nicht weiter überboten habe , ich dachte gleich : Nun der denkt dasselbe wie du , und will auch eine Tuchhandlung anlegen und es ist so gut , als ob du es selbst hättest . « - Der alte Berthold und Frau Hildegard falteten bei dem Vortrage die Hände , sie glaubten die höhere Hand noch nie so sichtbar in ihren Geschicken wahr genommen zu haben und der junge Berthold war so demütig durch sein Mißgeschick geworden , daß er es für eine Ehre schätzte , von dem Schneider als Kind angenommen