, lieber Himmel ! weinen und arbeiten , da drüben haben sie mir das Herz aus dem Busen gerissen , und nachdem sie es mit Füßen getreten , stießen sie mich zum Lande hinaus ! Schloß Clairval ist geschleift , der Baron - sie stockte einen Augenblick - die Henker schleppten ihn aufs Blutgerüst , - mich wollten sie nicht , ich weiß nicht , warum ich leben muß , aber ich muß ! ich thue selbst dazu , ich friste mir das Leben , ich arbeite für Geld ; dieselbe Frau die mir sonst häufig große Pakete Spitzen auf heimlichem Wege zuschicken mußte , hat mich nun selbst auf heimlichem Wege hiehergebracht , und lehrt mich , für den Schmuck , und das elegante Bedürfniß Anderer sorgen . Es liegt darin nichts besonderes , es ist der Lauf der Dinge ! und doch ist hier etwas , sie drückte beide Hände gegen die Brust , was sich empört , was mir bittere Thränen auspreßt . Es ist so schwer , allem zu entsagen , was , wie das Tageslicht , Leblosem und Lebendem erst Glanz und Farbe giebt . Doch ich rede von mir . Sagen Sie mir , wie es Ihnen erging ? Was mein Bruder macht und sein Sohn ? ob sie noch in Frankreich , ob der Letztere noch bei seinem Regimente ist ? Beschämt , nichts von den Freunden zu wissen , sah der Marquis zur Erde , und sagte kleinlaut , ich denke , wir begrüßen einander alle recht bald in unserm Vaterlande wieder . Glauben Sie das ? fragte die Baronin , damit haben sich die Leichtgläubigen seit Jahren einander selbst belogen . Und wenn auch ! Das Alte kommt nicht wieder . Wie wir beide nicht noch einmal zwanzig Jahr werden können , so macht auch das Gesammtleben keinen Rückschritt . Politische Crisen sind Stufenjahre , geistige und leibliche Natur , alles geht einen Weg . Verwachsen Kinder ihren Schuh , so verwächst der Zeitmoment Formen . Lieber Marquis , wir betteln uns wohl einmal wieder in unser Vaterland zurück , aber die abgefallene Frucht ist doch tod . - Sie wissen also nichts von den Meinen ? fuhr sie nachsinnend fort . Es ist schlimm ! ich hatte auf meinen Bruder gehofft ! Sie haben den Bruder wieder , liebe Pauline , sagte der Marquis sehr bewegt , wir verlassen einander nicht ! Sie müssen meinen Töchtern die Mutter ersetzen . Ich verstehe nichts mehr von der Welt , die Welt nichts von mir , die armen Kinder sind wohl übel daran mit mir , gewiß liebe Freundin , Sie können nicht so ungroßmüthig sein , sie jetzt zu verlassen . Mußte denn so vieles geschehn , sagte die Baronin , ehe wir uns wiederfanden ! Und sind wir nun zwei Andere geworden , daß Sie Vertrauen zu mir fassen ? Mein alter Freund , ich sehe in dem umdämmertem Auge da dieselbe dunkle Gluth , die Hochzeit- und Todtenfackeln anzündete , die Schloß Clairval mit tausend Blitzen durchschoß , vor der sich Herzen zusammenzogen und die dennoch Schmerz und Entzücken hineinbrannte ! Ich höre aus dem Ton Ihrer Stimme jene Worte des Mahomet herausklingen , mit der Sie von der Bühne aus die Seele der Geliebten , wie die der Freunde , heftig anfaßten : » Ha , wiß um meine Wuth , um alle meine Schwächen ! « Und dann wieder : » Mein Leben ist ein Kampf , durch meine Mäßigkeit Hab ich Natur dem Joch des strengen Sinns geweiht ! « Ja , ich fühl es dem unbezwinglichen Herzen an , daß es Heut wie in jenem Sinnverwirrenden Winter zu Paris die Abgründe der Zeit wie der Erde sprengen , der Natur ihr hohes Geheimniß und die Zügel der Weltherrschaft entreißen , sich aber zum Gott und Tyrannen der Welt hinaufmeistern möchte ! Sie sagte die letzten Worte unter heftigem Weinen , denn sie dachte an die blühende Schwester , die ein Opfer jener vermessenen Versuche ward ! Der Marquis hatte sich in einen Stuhl geworfen , und mehr durch die Frühlingslichter jener Zeit , als durch ihre Vorwürfe , getroffen , ließ er ungehindert einzelne Thränen über sein Gesicht hinrollen . Die Baronin trat zu ihm , legte die Hand auf seine Schulter , und sagte gutmüthig , ich will nicht rechten mit Ihnen , auch nicht tadeln , was die Natur und das Leben einmal so gemacht , einmal so gewollt haben ! aber fragen muß ich Sie doch , ob Sie es Heut besser wie damals in mir dulden werden , wenn ich über manches anders denke , anders empfinde , wie Sie ? Ich bin in der Hauptsache dieselbe geblieben . Sie haben das so eben noch gesehn . Ich muß sagen , wie ich es empfinde , berechnen kann ich nicht , solchen Kopf hatte ich nie . Und wenn mich nun meine Welterfahrung , mein rasches Hineinempfinden in das Leben , andere Dinge sehen läßt , als Ihnen Ihr mystischer Feuerblick zeigt , werden sich die Kinder da in dem Streite behaupten können ? Was von allem wird ihnen wahr , nothwendig , und bestehend erscheinen ? Der Marquis schwieg einen Augenblick . Meine Freundin , hub er nach einer Weile an , ich bin unruhig in mir selbst geworden . Ich glaubte mit dem Außenleben fertig zu sein . Ich durfte das lange Zeit glauben , jetzt scheint die allgemein menschliche Wirksamkeit die gefristete Stundenzahl einzufodern , ich weiß nicht , wie ich mich darin finden werde , ich weiß nicht , wie ich mich überhaupt finden soll ! Der Blick für das Maaß und die Verhältnisse des ganzen Außenwerkes ist mir verloren gegangen . Man hat den Boden unter mir verschoben , deshalb stehe ich zu dem neuen Leben in schiefer Richtung , und alles darin stört und verletzt mich . Urtheilen Sie nun , wie überraschend , wie erwünscht es mir ist , Sie zu finden , der