denn die Reihe der lieben Kinder ist gar zu lang , und sie kann es nicht allein bestreiten . Wenn der Bote aber zurückkömmt , habe ich doch einen ganzen Pack Geschriebenes wieder fertig . Man braucht nur ein bischen früh aufzustehen , so muß sich Alles schicken . Stephani an seine Verwandten . Sie wurde an einen der benachbarten Höfe mit verdoppeltem Gehalte berufen . Der Brief kam gerade an dem Tage , als sie zum erstenmale das Bett verlassen hatte . Sie gab ihn mir lächelnd und sagte : die guten Leute glauben , mit Geld sey Alles gethan . Aber ich will bei meiner Schwester ruhen , und gehe nicht weiter ; es sey denn , daß man mich gehen heißt . Ich hinterbrachte diese Worte dem Fürsten , und er kam am folgenden Tage , ihr das , was sie aufgeopfert hatte , zu ersetzen . Von jeder Krankheit ersteht sie schöner , und ich sah , daß ihr Anblick ihn abermals überraschte . Er gestand es mir , und versicherte , er werde sie um keinen Preis gehen lassen . Ihre Kunst sey unersetzlich . Und ihre Gestalt ! - rief ich . Das möcht ' ich nicht so geradezu behaupten - antwortete er . Kennen Sie etwas Schöneres ? - rief ich abermals . Ja ! - rief er eben so lebhaft ; aber es war sichtbar , daß er seine Lebhaftigkeit bereuete . Schon lange verbarg er mir etwas ; aber ich war zu sehr mit meinem Schmerze beschäftigt , auch mocht ' ich mich nicht aufdringen . So schwieg ich denn auch jetzt , und zeichnete , wie ich oft während des Sprechens zu thun pflege . Es war eine Gruppe spielender Knaben , welche ich auf dem Wege zu ihm mit Entzücken betrachtet hatte . Er ging kämpfend mit sich selbst auf und ab , blieb dann wieder eine Weile bei mir stehen , und betrachtete die Zeichnung . Himmlische Unschuld ! - rief er - Für wen die Knaben ? O ich weiß nicht ! Für mich selbst ! Lebende habe ich doch nicht zu hoffen . Unselige Leidenschaft ! Wenn ich so sehe , wie sie deine Jugendkraft verzehrt ! dich mir der Kunst raubt - dann möcht ' ich bereuen , was ich gethan habe , möchte sie ziehen lassen , möchte dich retten , um welchen Preis es auch sey ! Von ihr getrennt , wär ' ich gerettet ? - Ewig - verlöre die Kunst etwas an mir - ewig für sie verloren ! Mein Leben ruht tief in Rosamunden , nur von ihren Lippen empfang ich es wieder . Trennung ? - Wahnsinn ! Selbstmord ! Wohin sie auch geht , ich folge , so gewiß mein Schatten mir selbst . Unbegreiflich ! Warum ? Sie ist das Vollkommenste , was ich kenne . In ihr ruht eine Welt herrlicher Gebilde . Nur sie durchschaut mein Innerstes , kennt den leisesten Wunsch meiner Seele ..... Wie ? Und das Weib läßt dich verschmachten ? O wenn ich sie nicht gerade sehe , und durch ihre Schönheit bestochen werde ; ergreift mich oft eine ordentliche Wuth , und ich könnte das kalte , selbstsüchtige Geschöpf ermorden . Sie blüht schon dem Tode entgegen . Und zieht dich mit in die Gruft . Bei Gott ich fordre Rechenschaft von ihr ! Ich kann und darf es nicht länger mit ansehen . Du gehörst nicht allein dir ! du gehörst uns , der Kunst , der Welt ! Melde ihr , daß ich komme , daß sie sich bereit halte , entscheidende Antwort zu geben . Wann ? Morgen ! wenn es irgend meine Geschäfte erlauben . So wird es dann gut seyn - erwiederte ich , indem ich ihm die Geschichte ihres Lebens , die ich , seit ich sie empfing , beständig mit mir herumtrage , überreichte - dieses vorher zu lesen . Und hierauf entfernt ' ich mich schnell , ohne seine Antwort abzuwarten . Am folgenden Tage ließ er mich plötzlich , als ich gerade vor der Staffelei saß , rufen . Aber ich ließ ihm zurück melden , daß es mir , ohne Gefahr für mein Bild , welches mir theilweise eintrocknen würde , unmöglich sey zu erscheinen . Es seyen die spielenden Knaben . Wenn sie ganz untermalt waren , würde ich aufwarten . Er soll lernen - dacht ' ich - wofern er es noch nicht weiß , daß die Kunst , wie das Gemüth , frei ist . Aber er ließ mir sogleich zurück sagen : ich solle mich nicht stören . Er wolle sich gedulden , bis das Bild vollendet sey , und , wäre es ihm möglich , selbst lieber kommen . Diese plötzliche Nachgiebigkeit , diese tiefe Verehrung vor der Kunst , rührte mich dann wieder bis in das Innerste der Seele , und ich hätte ihm zu Füssen fallen , und Vergebung meiner Härte von ihm erflehen mögen . Er kam wirklich , war so liebe- , freudevoll , so entzückt von dem Bilde , so ganz entfernt zu ahnen , ich habe mich gegen ihn vergangen , daß ich wie vernichtet vor ihm stand , und nichts , als häßliche , falsche Scham mich abhielt , ihm meine tiefe Reue zu bekennen . Er gab mir die Handschrift zurück , gestand , daß sie ihm vieles erläutere , er aber dennoch auf Entscheidung dringen werde . Am folgenden Tage gingen wir zu ihr . Ich sah , daß er eine harte Anrede im Sinne hatte , aber im Augenblicke , da wir eintraten , verändert und im höchsten Grade verwirrt wurde . Sein Unmuth darüber war unverkennbar . Sich selbst und dem mächtigen Eindrucke zum Trotze , schien er nun seinen Vorsatz ausführen zu wollen . Wie gewöhnlich ging er mit grossen Schritten auf und ab , während ich mit Rosamunden die spielenden Knaben , die ich auf ihr Bitten hatte zu ihr bringen lassen