Maria ! Maria ! So ist es ! So wird es seyn ! Soll nun Maria nach England gehen ? ( Ich verhüllte mein Gesicht und schwieg . ) » Soll nun Maria nach England gehen ? « - wiederholte sie und lag , eh ' ich es hindern konnte , zu meinen Füßen . Verschwunden war die Zukunft . Ich zog sie schnell in meine Arme und bedeckte ihr Gesicht mit brennenden Küssen . » O mein Vater ! mein Geliebter ! « - rief sie - » jetzt leben wir ! Müssen wir nun sterben , weil wir lebten ? Ist keine Rettung ? « Vielleicht . - Doch ehe von Rettung gesprochen werden kann , muß Maria Alles wissen und bedenken . Was ? » Heute nichts mehr ! « - sagt ' ich , mich losreißend - » Morgen , Maria ! Morgen ! Und dann gilt es einen festen Entschluß . « Ich drückte sie noch ein Mal fest an mein Herz , und eilte davon . Am andern Tage fand ich Maria in tiefen Gedanken . Sie eilte mir nicht , wie gewöhnlich , entgegen , sondern reichte mir schweigend die Hand . » Was denkt Maria ? « - fragt ' ich besorgt . Mein geliebter Vater sagte gestern : er habe das Opfer des Heiligsten , das Opfer der Weiblichkeit gefordert . - Hat Maria dieses Heiligste wirklich geopfert ? Nein ! Maria ist rein und weiblich geblieben , wie vorher . Aber das bestätigt meine Furcht : Mariens Liebe sey nur zärtliche Achtung , Bewunderung . - Die eigentlich menschliche , immer mehr oder minder leidenschaftliche Liebe , kann von dem reinen Weibe nie mit dieser Unbefangenheit bekannt werden . Und wenn Mariens Liebe nun höchste Bewunderung wäre ? - So könnte sie zu spät eine lebhafte Empfindung kennen lernen , welche gleichwohl diese höchste Bewunderung nicht ausschlösse . Durch einen Mann ? Durch einen Mann ! der Graf Perçy ' s Jugend mit der Achtungswürdigkeit , die Maria nicht erlassen kann , verbände . Ich kenne einen solchen Mann . Und Maria ist sich keiner lebhafteren Empfindung bewußt ? Maria ist sich bewußt , daß sie , so lange sie athmet , nach dem Höheren werde streben müssen ; denn nur das heißt ihr leben . Maria ist sich bewußt , daß nur dieses Höhere das wahrhaft Liebenswürdige für sie seyn und bleiben wird . Maria hat den Mann gefunden , der diese Liebenswürdigkeit im höchsten Grade besitzt . So ist sie dann ihrer Empfindung gewiß . Denn , gäbe es auch einen Zweyten , der dem Geliebten ähnlich wäre ( ihm gleich ist keiner ) so fesseln sie ja schon tausend Bande an den Ersten . » Ach , Maria ! « - rief ich innigst bewegt - » Sie mögen wohl Recht haben ! Doch bleibt meine Furcht nicht weniger gegründet . Aber gesetzt , alle Schwierigkeiten wären gehoben , Iwanovens Haß überwunden , bleibt in meiner Bestimmung nicht ein unüberwindliches Hinderniß ? - Maria hat verrathen , was sie unter lieben sich denkt . Es ist ein unaufhörliches Eins seyn mit dem Geliebten , eine Allwissenheit seiner Gedanken und Empfindungen , ja sogar ein Ausschließen Alles zu dieser Liebe nicht Gehörigen . - So liebt Gott nur die Welt . So kann die Welt nur von Gott geliebt werden . Diese vollkommenste Ehe ist dem Menschen ein nie zu erreichendes Ideal . Wer dürfte , ohne Betrug , Marien eine solche versprechen ? - Der freye Mann darf es nicht ; denn er ist Mensch , Alexander darf es noch weniger ; denn er ist Mensch und Staatsmann zugleich . - Aber wenn er sich dem Staate opfert , darf er von einem weiblichen Wesen dasselbe verlangen ? - Und vielleicht ist es nicht einmal dasselbe , vielleicht ist das Opfer viel größer . - Dem Manne ( mag er sich von Lob und Tadel so frey dünken , wie er will ) wird immer die Stimme der Nachwelt etwas gelten , wird ihm noch hörbar seyn , wenn Alles Andere verstummt . - Aber was bleibt dem zarteren Weibe , wenn der Mann ihre Liebe wie die erquickende Luft , ohne die er nicht leben kann , aber doch nur unbewußt empfindet ? Wenn der Theil seiner Kraft , den er im Streben nach ihrem Besitze verwandte , nun auch dem Staate anheim fällt ? Wenn er sich am Ende , durch ihre Großmuth verwöhnt , nur lieben läßt , wähnend : das könne und müsse nun so seyn ? So wäre Alexander ! So würde es seyn ! So war Alexanders Vater ; ein Mann , den Alexander jetzt noch bey weitem nicht erreicht . Und wußte Alexanders Mutter vor ihrer Verheirathung , was Maria jetzt weiß ? Nein ! denn sie fand sich bitter getäuscht ; aber trug ihr Schicksal mit unbeschreiblicher Milde . So übertrift dann Alexander seinen Vater entweder an Offenheit , oder an Einsicht , und so muß das Schicksal seiner Gattin , von dem seiner Mutter ganz verschieden seyn . Und wie ? Weiß Alexanders Gemahlin , daß sie sich , wie er , dem Staate opfern muß , so kann sie ihre Kräfte ja prüfen , und nur sie selbst kann sich dann täuschen . Weiß Alexander , daß sie mit ihm sich opfert , so kann er das Opfer ja würdigen . In beyden Fällen muß ihr Schicksal von dem seiner Mutter verschieden seyn . Es könnte verschieden , und dennoch sehr traurig seyn . Es ist es schon ! Alexanders Mutter war glücklich ; denn sie wurde , obgleich getäuscht , dennoch geliebt . Maria ist niemals geliebt worden . Maria ! Maria ! Vielleicht ist sie auch dieses Glückes nicht würdig , und so war ihr Wunsch , ins Kloster zu gehen , sehr passend . Dort ist sie sichrer , als in England . Darf sich Maria ihrer Bestimmung entziehen ? - Mariens Bestimmung kann