, welchen diese Veränderung nicht entgehen konnte , griffen zum Theil in ihren Busen , und sagten seufzend : » Gräcula ist worden , wie unser Einer ! Die hohe , hehre Philosophie ist ihr ein Spiel des Witzes , eine bloße Verstandesübung , durch welche sie sich zu jeder ihrer Unordnungen beschönigende Motive anzulügen weiß . « Endlich wurde Voluptas ihrer immer noch pedantischen Schülerin müde , und überließ sie dem Umgange ihrer jüngern Schwester . Nun sprachen beide dem berauschenden Becher fleißig zu , und die Prinzessin sank , aller weiblichen Würde vergessend , sich groß in der Verachtung der guten Meinung anderer achtend , in die Arme des schönen Tänzers Salto . Des Zwangs , den ihr Stand ihr auferlegte , müde , beschloß sie , mit ihrem Liebhaber in ein fernes Land zu entfliehen . Ja - - aber ihre Ehre ! - - Ha ! was ist Ehre ? Ein leerer Schall , eine eingebildete Existenz in fremder Meinung ; eine konventionelle Übereinkunft pedantischer Menschen . Die Hottentotten , die Feuerländer , die Neuseeländer , alle haben ihre eigene Ehre ; - welches ist nun die rechte ? Wer darf den schwankenden Begriff fixiren ? - Vater und Mutter werden sich grämen ? Hui ! das ist nun wieder so ein Begriff zum Zerlegen . Nur dem großen Haufen imponirt er . Mein Vater : ist ' s der König ? ist ' s ein Anderer ? Was weiß ich ! Die Mutter ! Je nun , bei allem Respect glaube ich doch schwerlich , daß sie sich eben mein Individuum dachte , als ich wurde . Ich kam , weil sie es nicht hindern konnte ; soll ich ' s ihr danken ? Und ist , was wir kindliche Liebe nennen , etwas anders , als die süße Gewohnheit , neben einander zu existiren ? Würde ich nicht eben das für jeden , mit dem ich lebte , fühlen ? Aber - die Eltern thaten mir Gutes ; sie erzogen mich . Gut , gut ; das thun sie ihren Hündchen und Hünerchen auch ; und meine Erziehung waren sie ihrer Ehre schuldig . Also , was hielte mich zurück ? Fort , fort ! - Einen Schritt in ' s weite Leben hineingewagt ; ich will meine Selbstheit dokumentiren ; und damit auf und davon ! Ohne Reue , ohne wehmüthigen Rückblick , ließ sie den armen Fricando und die gute breiweiche Sentimentale in den Armen des süßesten Schlafes zurück . Als dem armen Fricando beim Erwachen die Trauernachricht wie ein Säftchen beigebracht wurde , entfiel das bonbon der erstarrenden Lippe , und er erseufzte so schwer , daß die lodernde Flamme im Kamin davon erlosch . Sentimentale überließ sich dem lautesten Jammer , worein alles stimmen sollte . Die Theater wurden geschlossen ; die Marionetten still an die Wand gelehnt ; die Saffran-Essenz-Sprützen versiegten , und damit alles die Farbe der Melancholie trüge , ließ sie ein Edikt ausgehen , daß Jedermann schwarzen Kaffee trinken sollte . Alle Töne der Freude schwiegen , und nur die durch ihre Seufzer bewegte Aeolsharfe gab ihr sympathetisch das Echo ihrer Klagen zurück . Indeß irrte ohne bestimmten Zweck das flüchtige Paar über Berg und Thal . Gräcula fühlte zum Erstenmal etwas von der Beklommenheit der schönen Vaestula , als sie mit dem rothköpfigen Unhold in einer Tonne steckte . Salto war am Geiste ein vollständiger Pervonte . In einer schauerlichen Monddämmerung kamen sie durch einen dicken Wald , wo sie weder Weg noch Steg fanden . Salto war höchst mürrisch und plagte seine Schöne mit den bittersten Vorwürfen , daß er sich ihretwegen hier unter den wilden Thieren herumtreiben müsse , da er sanft und süß in seinem Eiderdunenbette sich wiegen könnte . Voll innigen Mißmuths befahl Gräcula vor einer Hütte zu halten , die dem Scheine nach irgend einem treuherzigen Köhler gehörte ; allein , die Waldmutter trat heraus . Der Mond bedämmerte so eben nur die schauerliche Gestalt , sie kennbar zu machen . » Gräcula kommt vermuthlich , sich eine Krücke auf ihrem schlüpfrigen Wege zu bestellen . So werde und sei denn , was du durch dich selbst werden konntest : ein thörichter Affe ! « - Sie schwang , indem sie sprach , eine Gerte , daß es durch die Luft pfiff ; und krik , krik , krak , krak , bei Gräcula , und krik , krik , krak , krak , bei Salto - so wahr ich lebe ! er ein Affe , sie eine Meerkatze ! Ihr schöner , bequemer Reisewagen verschwand , und statt dessen hob sie ein plumper hölzerner Kasten in die Luft , wo er von den Wolken ganz gemächlich über Seen und Felsen daher geschaukelt wurde . » Mon Dieu ! was ist das ? « rief Salto . - » Oh Dio ! « die Prinzessin . Der Kasten war dunkel ; sie fühlten , daß etwas mit ihnen vorgegangen war ; doch eigentlich was ? erriethen sie nicht ; nur an Epigrammen über die Alte fehlte es nicht . Endlich fiel ein Strahl der Morgendämmerung durch eine Öffnung des Kastens . » Grand Dieu ! « schrie Salto , voll Entsetzen ; » ich weiß gar nicht , Madame ! wie Sie mir vorkommen ? Man sollte beinahe denken - es will so scheinen , als ob « - » Nun , Affe ! was ist ' s ? « rief Gräcula wüthend . Das war das rechte Wort . » Ein Affe ; aber auf Ehre , ein recht completter , tüchtiger Affe ! « » Ich rase , ich will zur Furie werden ; ich will sie , dich , alle , alle zerreißen ! « - » Gemach , Madame , gemach ! Was soll ich nun erst nicht alles thun ! Sie ? Sie sind glücklich , weil Sie als eine Philosophin auch hierüber sich beruhigen werden ; aber ich pauvre diable , que je suis