geheißen haben ; denn ich hörte nur den ersten , weil es mich erschreckte , daß er an den Wagen ging und scheiden wollte . Da sah er mich sehr freundlich an , gleichsam zum Troste , daß mir war , als klängen aus den Abendröten Flötentöne . « » Ich blies in die Röten hinein « , sagte Vult , war aber etwas bewegt . » Ja endlich , glaubt mirs , Eltern , drückt ' er mich an seine Brust und an den lieblichen Mund , und der Wagen rollte mit dem Himmlischen dahin . « » Und « , fragte der alte Lukas , der bisher , zumal wegen Platos vornehmen Amtsnamen , jede Minute gewärtig gewesen , daß der Sohn einen beträchtlichen Beutel vorzöge , den ihm der große Mann in die Hand gedrückt , » er ist weggefahren und hat dir keinen Pfennig geschenkt ? « - » O wie denn das , Vater ? « fragte Walt . » Ihr kennt ja sein weiches Gemüt « , sagte die Mutter . » Ich kenne diesen Skribenten nicht « , sagte der Pfalzgraf ; » aber ich dächte , statt solcher leerer Historien , die zu nichts führen , fingen wir einmal das Examen an , das ich anstellen muß , eh ' ich jemand zum Notarius kreieren will . « » Hier steh ' ich « , sagte Walt , im Schanzlooper hin-und von Goldinen wegfahrend , deren Hand er für ihre Teilnahme an seiner Seligkeit öffentlich genommen hatte . Nr. 8. Koboldblüte Das Notariatsexamen » Wie heißet Herr Notariand ? « fing Knoll an - Alles war nämlich so , erstlich , daß Knoll als ein zusammengewachsenes , verknöchertes Revolutionstribunal das Vorhängschloß des Pfeifen-Kopfes am eignen hatte und zu allem saß - ferner , daß Lukas seinen auf zwei Ellenbogen wie auf Karyatiden gestützten Kopf auf den Tisch setzte , jeder Frage nachsinnend , eine Stellung , die seine matten grauen Augen und sein blutloses Gelehrtengesicht , zumal unter dem Leichenpuder auf der gebräunten Haut , sehr ins nahe Licht setzte , so wie seinen ewigen regnerischen Feldzug gegen das Geschick - ferner , daß Veronika dicht neben dem Sohne , mit den Händen auf dem Magen betend , stand und das stille Weiberauge , das in die närrischen Arbeits-Logen der Männer dringen will , zwischen Examinator und Examinanden hin und wieder gleiten ließ - und zuletzt , daß Vult mit seinen leisen Flüchen zwischen den unreifen Pelzäpfeln saß und neben ihm - da ja alle Leser durch ein Fenster in die Stube sehen - auf den benachbarten Ästen sämtliche 10 deutsche Reichs- und Lese-Kreise oder Lesezirkel ; so viele tausend Leser und Seelen von jedem Stande , was in dieser Zusammenstellung auf dem Baume lächerlich genug wird . - - Alles ist in der größten Erwartung über den Ablauf des Examens , Knoll in der allergrößten , weil er nicht wußte , ob nicht vielleicht manche mögliche Ignoranzen den Notariandus nach den geheimen Artikeln des Testaments auf mehrere Monate zurückschöben oder sonst beschädigten . » Wie heißet Hr . Notariand ? « fing er bekanntlich an . » Peter Gottwalt « , versetzte der sonst blöde Walt auffallend frei und laut . - Der geliebte entflogne Göttermensch hob noch seine Brust ; nach einem solchen Anblicke werden , wie in der ersten Liebe , uns alle Menschen zwar näher und lieber , aber kleiner . Er dachte mehr an Plato als an Knoll und sich und träumte sich bloß in die Stunde , wo er recht lange darüber mit Goldinen sprechen könnte . » Peter Gottwalt « , hatt ' er geantwortet . » Harnisch muß noch bei « , sagte sein Vater . » Dessen selben Eltern und Wohnort ? « fragte Knoll - Walt hatte die besten Antworten bei der Hand . » Ist Hr . Harnisch ehelich geboren ? « fragte Knoll - Gottwalt konnte schamhaft nicht antworten . » Das Taufzeugnis ist gelöset « , sagte der Schulz . » Es ist nur um Ordnung willen « , sagte Knoll und fragte weiter : » Wie alt ? « » So alt als mein Bruder Vult ( sagte Walt ) , vierundzwanzig « - » Jahre nämlich « , sagte der Vater . » Was Religion ? - Wo studiert ? usw. « Gute Antworten fehlten nicht . » Wen hat Hr . Harnisch von den Kontrakten gelesen ? - Wie viele Personen sind zu einem Gerichte erforderlich ? - Wieviel wesentliche Stücke gehören zu einem ordentlichen Prozesse ? « Der Notariand nannte sehr nötige , schlug aber die Ungehorsams-Beschuldigung nicht an . » Nein , Herr , 13 sinds schon nach Beieri Volkmanno emendato « , sagte der Pfalzgraf heftig . » Hat man Kaiser Maximilians Notariats-Ordnung von anno 1512 zu Cöln aufgerichtet nicht nur oft , sondern auch recht gelesen ? « fragt ' er weiter . » Sauberer und eigenhändiger konnte mans ihm nicht abschreiben als ich , Hr . Hofpfalzgraf ! « sagte der Schulz . » Was sind Lytae ? « fragte Knoll . » Lytae oder litones oder Leute ( antwortete freudig Walt , und Knoll rauchte ruhig zu seiner Vermengung fort ) waren bei den alten Sachsen Knechte , die noch ein Drittel Eigentum besaßen und daher Kontrakte schließen konnten . « » Eine Zitation dazu ! « sagte der Pfalzgraf . » Möser « , versetzte Walt . » Sehr wohl « , antwortete der Fiskal spät und rückte die Pfeife in die Ecke des formlosen Mundes , der nun einer aufgeschlitzten Wunde glich , die man ihm ins Siberien des Lebens mitgegeben , » sehr wohl ! Aber lytae sind sehr verschieden von litonibus ; lytae sind die jungen Juristen , die zu Justinianus ' Zeiten im vierten Jahre ihres Kurses den Rest der Pandekten absolvierten4 ; und die Antwort war eine Ignoranz . « Gottwalt antwortete gutmütig : » Wahrhaftig , das hab ' ich nicht gewußt .