daß mich der weibliche Umgang ausschließend beschäftigen und von allem andern , was mir bis jetzt wichtig war , abziehen werde , denn noch gedenke ich lebhaft der Stunde , wo Du mir einst sagtest : Nichts hindert die Bildung besserer Menschen mehr als Liebeleien . Leidenschaften können zerrütten und erheben ; die Seele , die sich ganz der Liebe hingeben kann , ist zu jeder Größe fähig , aber sie werden nur selten empfunden , und kleinlich ist es , ihren Schein zu erkünsteln . Auch müßte ich wol sehr eitel sein , wenn ich glauben wollte , auf Amandens Herz einen bedeutend tiefen Eindruck machen zu können ; denn sie ist reizend , sehr reizend , ein jeder fühlt das , der sie sieht , und ein wunderbarer Zauber , von tiefem , lebhaften Gefühl , der sie umgiebt , zieht Männer und Weiber mit Liebe zu ihr hin . Und doch , Barton ! - ich möchte gegen Dich , um alles in der Welt nicht Heuchler sein - wenn ich alles bedenke , so , - wie mich auch ihre Phantasie ihr vielleicht darstellt - wie ich auch auf sie gewirkt haben mag - genug ! ich muß es glauben , dieses Weib , dem Alles huldigt , das ich anbeten muß - sie liebt mich ! Höre was ich Dir zu sagen habe , und urtheile selbst . Nanette hat sich in der Nähe ein Gut gekauft , weil ihr das hiesige Leben so sehr gefällt , daß sie jährlich einige Zeit in dieser Gegend zubringen will . Sie lud uns ein , mit ihr dahin zu fahren , Amanda , mich und noch einige Bekannte , die ich Dir ein andermal schildern will . Ich sage Dir nichts von der Reise , obgleich Witz und Vergnügen sie zu der angenehmsten erheben , und obgleich schon da ein unsichtbares , unnennbares Band sich zwischen mir und Amanda webte . Als wir ankamen war es bereits Nacht . Nanette , von der Hitze des Tages und ihrer eigenen Lebhaftigkeit ermüdet , sehnte sich nach Ruhe , und da Amanda , die , unveränderlich wie eine Göttin , noch wie am Morgen voll Geist und Leben war , sich gleichwol nicht von ihrer Freundin trennen wollte , so ließen wir übrigen sie allein und gingen in der heitersten Laune und mit der angenehmen Aussicht auf ein paar glückliche Tage in die uns angewiesene Zimmer . Ich erwachte früh am andern Morgen ; im Hause war noch alles still , und ich eilte hinaus in die Landschaft , auf welche eben die ersten Strahlen des Morgens fielen . - Die Schönheit der Gegend überraschte mich , denn die glückliche Stellung der Gebirge , die sich um das schöne Thal ziehen , bildete sehr romantische Parthien und einen reizenden Grund , wovon ich am Abend nicht das Mindeste geahnet hatte . Ich verlor mich seitwärts in den Wald , der sich sanft den einen Berg hinaufzog ; die frischen Waldgerüche durchdrangen und stärkten mich , und die Vögel wirbelten mit ihrer wilden , frohen Musik , mich zu neuer , rascher Lebenslust empor . Unvermerkt hatte ich die Höhe erreicht , und trat nun aus dem Dunkel des Waldes heraus . Ein wildes Klippengemisch sank unter mir ins Thal herab . Ringsumher waren alle Berge mit Wald bedeckt , der bald scharfe , dunkle Umrisse zog , bald gefällig wie mit grünen Wellen herabsank . Die Morgensonne glänzte mit heiligen Strahlen über die Berge , und meine Seele erklang wie Memnons Bildsäule , beim Wiedersehen der Mutter . Lange , lange stand ich da , das schöne Bild mit Wollust in mich aufzunehmen , und meine Gedanken hiengen an dem freudigen Wehen der Bäume , und an dem Leben , das aus ihren Zweigen in heiterer Ungebundenheit rauschte . Ueberall sah ' ich eine unaussprechliche Freiheit und Liebe verbreitet . Wie in einem glücklichen , wohl organisirten Staat gedieh ' hier alles , hinderte sich nichts , wuchs alles nach Kräften empor . - Mitten in diesen Bildern fühlte ich mein Herz von einer seltsamen Wehmuth durchschnitten . Hier , wo alles sich zu kennen , sich zu fassen schien , und fröhlich in Eins zerschmolz , schien ich mir ganz unzusammenhängend , ganz allein , dazustehen , und erschrack fast vor meiner eigenen Gestalt . - Ich breitete meine Arme aus , und fühlte mich so innig mit der Natur verwandt , hätte ein Mitglied dieser Bäumerepublik werden mögen ! Ach , das ängstliche Klopfen meines Herzens störte keinen in seiner Ruhe , und eine Thräne preßte sich mir ins Auge , indem ich die unübersteigliche Scheidewand fühlte , die mich von den Wesen , welche mich umgaben , trennte . - In diesem Augenblick sah ich nicht weit von mir , unter Felsen und wildem Gesträuch , eine weibliche Figur sitzen , die ich im ersten Augenblick für Amanda erkannte . Sie sah zu mir herauf , sie blickte mich seelenvoll an , und mir ward wohl , jugendlich wohl . - O ! Leben , rief ich - und sprang über die Felsen zu ihr hinab , welch ein liebes , freundliches Geschenk bist du ! - Mit innigen Vergnügen hörte ich , wie sie mir zurief , nicht diesen Weg , der allzugefährlich sei , zu kommen . Ich sah sie schöner , himmlischer als je , eine überirdische Glut loderte in ihren Blicken , und jeder Zug ihres Gesichts , jede Bewegung , war Anmuth und Seele . - Meine Amanda ! dachte ich - und merkte erst an ihrem überraschten Blick , daß ich es auch gesagt hatte . Aber wer hätte bei dieser Umgebung , in solcher Stimmung , und bei ihr , wol an Verhältnisse , oder nur an etwas Entferntes denken können ? - Die Gegenwart war so allbeseligend , und eine fröhliche Begeisterung , gab allen Gegenständen um uns her eine neue , schönre Bedeutung . Ich schlang meinen