» Röschen ! « - sagte ich eines Tages zu ihr ; als sie sich abermahls aus meinen Armen wand . » Du hast Recht ! mein Stand wird eine ewige Scheidewand zwischen uns bleiben ! - Nein ! ich will dich nicht unglücklich machen ! - Wohlan ! ich entsage dir ! Du bist mir von nun an heilig ! « - Ihre Bestürzung war zu groß , als daß sie hätte gewahr werden können , wie scharf ich sie beobachtete . Schweigend , mit niedergeschlagenen Augen , schlich sie in ihr Kämmerchen ; während ich mit triumphirendem Lächeln mich zurückzog , um meines Sieges desto gewisser zu bleiben . Es war unverkennbar ! mit jedem Tage kam ich ihm näher . Zwar schien es , als hätte ich aller Hoffnung auf ewig entsagt - keinen Blick , kein Wort , viel weniger eine Berührung erlaubte ich mir . Mein Ton , der anfangs noch etwas zärtlich wehmüthiges hatte , ging allmählich in den freundlich ruhigen Ton eines milden , gütigen Herrn über : und in wenig Wochen war keine Spur mehr von unserm vorigen Verhältnisse zu entdecken . Das war zu viel für Röschen ! das hatte sie nicht erwartet . - Wie ! gar keine Klagen ! - keine Verzweiflung ? - so ruhig , so schnell , so ganz und gar konnte ich ihr entsagen ! - Sie ertrug es nicht ; - die Rosen ihrer Wangen verblühten , das schöne Feuer ihrer Augen erlosch , und bald wurde ihre Gesundheit so sehr angegriffen , daß sie das Bette nicht mehr verlassen konnte . Viertes Kapitel Da war es , wo ich sie erwartete ! - ach was kostete es , mich bis dahin zu bezähmen ! » Jetzt keine Zeit verloren ! « - rief ich - » sonst mögte alles verloren seyn . Das Schicksal kam mir zu Hülfe . » Was mag unserm Röschen fehlen ? « - sagte meine Tante - » sollte es die Liebe seyn ? « - » Wer weiß ! « - antwortete ich - » wohl möglich . « - » Friedrich « - fuhr sie fort - » hat sich viel Mühe um sie gegeben , sie wollte aber damals nichts davon hören . « - » Wenn ich wüßte , daß es das wäre - nun da könnte man noch wohl helfen ! « » Wenn ich ihm ein hundert Thaler mehr und ihr eine hübsche Ausstattung gäbe ; so könnten sie auf dem Lande schon ganz gut davon leben . Ich . Weiß denn Röschen , liebe Tante , daß Sie so darüber denken . Die Tante . Freylich ! aber wie ich dir sage , sie warf das alles weit von sich weg ! und wenn ich nachher wieder davon anfing ; so bekam ich eine spitzige Antwort . Wie wäre es ? wenn du einmal mit ihr sprächest ? - Ich . Ich ? - Die Tante . Nun ja ! warum nicht ? - thue es immer lieber Gustav ! ich wette das kleine dumme Ding weiß selbst nicht was sie will . » Wohl möglich ! « - dachte ich ; indem ich mich schweigend entfernte und den Weg zu Röschens Kammer nahm . Leise öffnete ich die Thür - da lag sie und schlummerte . Ein hohes Roth färbte ihre Wangen , ihr Athem war schnell und fieberhaft , und eine lebhafte Phantasie schien ihre Seele zu beschäftigen . » Sieh dahin hast du sie gebracht ! « - rief mein Gewissen . - Eine unbeschreibliche Rührung ergriff mich . Mein Kopf sank auf ihre Hand ; und eine brennende Thräne , die darauf fiel , erweckte sie aus ihrem Schlummer . Fünftes Kapitel » Helft ! helft ! er ertrinkt ! « - rief sie - » wir ertrinken Alle ! « Bey den letzten Worten sank ihre Stimme so hoffnungslos ; daß das Herz mir vor innigem Mitleiden erbebte . Länger hielt ich mich nicht ! - mit unaussprechlicher Reue schloß ich sie in meine Arme . » Mein theures , geliebtes Mädchen ! - rief ich - Erwache ! erwache ! - nein , du wirst nicht sterben ! Du bist gerettet ! bist in meinen Armen ! - Jetzt schlug sie die Augen auf . - Welch ein Blick ! - er verrieth meine ganze Schuld und alle ihre Leiden . » Großer Gott ! « - rief sie - » also ist es wahr ! also ist es doch kein « - Traum wollte sie sagen - aber hier sah sie sich um und verstummte . - » Ja ! « - sagte ich - » mein süßes Mädchen ! es war ein Traum ! aber daß ich dich unaussprechlich liebe , daß ich dich in meinen Armen halte , das ist Wahrheit ! - Ach wie sehr fühlte ich diese Wahrheit ! - zwar war ich fest entschlossen alles wieder gut zu machen ; meine Sinnlichkeit zu bekämpfen ; ihre Unschuld zu ehren ; sie wo möglich zu einer Verbindung mit irgend einem rechtschaffenen Manne zu bereden . - - Aber ach ! so reizend , so duldend war sie nie gewesen - so tief hatte mich ihr Anblick niemahls erschüttert . » Fliehe ! fliehe ! « - rief mein guter Engel - » noch ist es Zeit ! « - In der That , ich riß mich auf von ihrem Lager - ich wollte gehen . - Aber da sah sie mich an mit ihren großen schmachtenden Augen , als müßte sie auf ewig von mir Abschied nehmen . Ich trat zurück - - und bald war es zu spät zum Fliehen . - - Nein ! diesen Flecken in meinem Leben werden niemals die Thränen der bittersten Reue vertilgen ! wohl giebt es einen Himmel und eine Hölle ! denn sie sind in unserm eigenem Herzen ! Sechstes Kapitel Röschens Verzweiflung , meine Angst - - ach ich muß davon