, wenn er an ihn zurückdenkt . Du weißt ja bereits , was sie war , und wie meine Liaison mit ihr geendet hat . Sie hatte zwei Nachfolgerinnen , eine Italienerin , Giacinta , und eine Deutsche , Clara ; beide waren außerordentliche Schönheiten . Aber was war ihre Schönheit noch für mich nach Verlauf von wenigen Wochen ? Giacinta war leichtsinnig und heftig – nach drei Monaten war ich ihrer müde geworden . Clara war ehrlich und ruhig ; aber schwerfällig , seelenlos und kalt . Durchaus nicht nach meinem Geschmack . Ich war nur zu froh , ihr eine hinlängliche Summe geben zu können , mit welcher sie sich ein einträgliches Geschäft gründete , und sie so auf anständige Weise los zu werden . Aber Jane , ich sehe es deinem Gesicht an , daß du dir im letzten Augenblick keine sehr günstige Meinung von mir bildest . Du hältst mich für einen gefühllosen , leichtsinnigen Schurken – nicht wahr ? « » In der That , Sir , ich denke nicht mehr so groß von Ihnen , wie ich es einmal gethan . Dünkte es Sie denn durchaus nicht Unrecht , ein solches Leben zu führen – erst mit einer Maitresse und dann mit einer zweiten ? Sie sprechen davon , als wenn es die allernatürlichste Sache der Welt wäre . « » Das war es auch für mich . Aber ich verabscheute dies Leben . Es war eine niedrige Art des Daseins , es wäre mir nimmermehr möglich dazu zurückzukehren . Eine Maitresse nehmen ist ungefähr dasselbe wie einen Sklaven kaufen ; beide sind von Natur aus untergeordnete Wesen , und auf familiärem Fuße mit untergeordneten Geschöpfen leben ist erniedrigend . Ich hasse jetzt sogar die Erinnerung an die Zeit , die ich mit Celine , Giacinta und Clara verlebte . « Ich empfand die Wahrheit dieser Worte ; und ich zog aus ihnen die unumstößliche Gewißheit , daß wenn ich mich selbst und alle Lehren , die jemals in meine Seele und meinen Verstand gelegt , so weit vergäße , die Nachfolgerin dieser armen Geschöpfe zu werden – unter welchem Vorwande , welcher Rechtfertigung es auch sein möchte – er mich eines Tages mit denselben Empfindungen ansehen würde , welche jetzt das Andenken an sie in seinem Geiste entheiligte . Dieser Überzeugung verlieh ich jedoch nicht Ausdruck – es war genug , sie zu hegen . Ich prägte sie meinem Herzen ein , daß sie dort Wurzel fassen und mir in der Zeit der Versuchung als Stütze dienen möge . » Nun , Jane , weshalb sagst du nicht wieder » Und nun , Sir ? « Ich bin noch nicht zu Ende . Du siehst so ernst aus . Ich sehe , du mißbilligst meine Handlungsweise noch immer . Aber laß mich zum wichtigsten Punkt kommen . Im letzten Januar , frei gemacht von allen Maitressen – in einer harten , verbitterten Stimmung , ( das Resultat eines nutzlosen , umherschweifenden , einsamen Lebens ) – aufgerieben durch Täuschungen , gereizt gegen alle Menschen , und besonders gegen das ganze weibliche Geschlecht ( denn jetzt begann ich zu glauben , daß das Bild eines klugen , treuen , liebenden Weibes nur eine Traumgestalt sei ) riefen Geschäfte mich nach England zurück . An einem frostigen Winternachmtttag tauchte Thornfield-Hall wieder vor meinen Blicken auf . Verhaßter Ort ! Ich erwartete dort keinen Frieden – keine Freude . Auf einem Heckenweg in dem Heugäßchen sah ich eine kleine , einsame Gestalt sitzen . Ich ritt so nachlässig an ihr vorüber wie an dem gekappten Weidenbaum an der andern Seite des Weges . Keine Ahnung warnte mich vor dem , was sie mir dereinst sein würde ; kein Vorgefühl sagte mir , daß die Schiedsrichterin über Leben und Tod – mein guter oder böser Geist – dort in einfacher Gewandung auf mich warte . Ich wußte es selbst dann noch nicht , als sie bei dem Unfall mit Merrour an mich herantrat und mir demütig und bescheiden ihre Hilfe anbot ! Kindliches , zartes Geschöpf ! Es war als sei mir ein Hänfling vor die Füße gehüpft und hätte sich erboten , mich auf seinen gebrechlichen Flügeln zu tragen . Ich war unwirsch , aber das kleine Ding wollte nicht gehen . Es stand neben mir mit seltsamer Ausdauer und in Sprache und Blick lag etwas wie Überlegenheit ! Ich mußte mir helfen lassen , und zwar durch jene Hand . Und sie half mir ! Als ich mich auf die zarte , gebrechliche Schulter gestützt hatte , kam etwas neues über mich – ein ungekanntes Gefühl bemächtigte sich meiner – ein anderes Blut durchfloß meine Adern . Es war gut , daß ich erfuhr , jene Elfe müsse zu mir zurückkehren – daß sie zu meinem Hause dort unten gehöre – oder ich hätte sie nicht wieder sich meiner Hand entwinden lassen , ich hätte es nicht ertragen , daß sie still und behende wieder hinter jener dicken Hecke verschwand . Ich hörte dich an jenem Abend nach Hause kommen , Jane ; obgleich du wahrscheinlich nicht wußtest , daß ich an dich dachte oder auf dich wartete . Am folgenden Tage beobachtete ich dich – selbst ungesehen – wie du während einer halben Stunde mit Adele in der Galerie spieltest . Ich erinnere mich dessen noch , es war ein schneeiger Tag , und ihr konntet nicht ins Freie gehen . Ich war in meinem Zimmer , die Thür war halb geöffnet , ich konnte sowohl hören wie sehen . Adele nahm deine äußere Aufmerksamkeit während einer Weile in Anspruch , und doch bildete ich mir ein , daß deine Gedanken anderswo seien . Aber du warst sehr geduldig mit ihr , meine kleine Jane ; du amüsiertest sie und unterhieltst dich lange genug mit ihr . Als sie dich endlich verließ , versankst du sofort in tiefe Träumereien ; du begannst langsam in der Galerie auf- und abzuschreiten . Hier und da ,