von Gotteskindern , sondern auch selber eins wird . Was wahre Minne ist , hat so herrlich deine Brüderschaft mit Zetteritz dargetan . Jedem war vom anderen bewußt , daß er mich liebt , und früher waret ihr beide darob arge Nebenbuhler . Gleichwohl habet ihr ineinander den Menschensohn gefunden und vom Hasse euch zur Friedfertigkeit und Freundschaft bekehrt . Nicht mehr verübelt hast Du Deinem Bruder Zetteritz , daß er seiner Minne dasselbe Ziel gab , wie Du . Im Gegenteil , inniger hat dies Ziel eure Seelen geeint . Für tot freilich habet ihr mich gehalten . Ei ja doch , muß ich denn wirklich erst sterben , um Nebenbuhler in Freunde zu verwandeln ? Kannst Du nicht schon zu meinen Lebzeiten Heinrichs Bruder sein , damit auch ich etwas davon habe ? Sei es , Johannes ! Voran schreite zum Ziele , das Deine Predigt gewiesen hat . Heinrich wird folgen , sicherlich , wiewohl wir ihm Zeit lassen müssen , sein besser Selbst zu sammeln . Ich werde still ihn locken und lenken . « Immer mehr nun verklärte sich Thekla vor meinem Auge . Zugleich ward ich williger zu der Aufgabe , in keuscher Andacht ihr fern zu bleiben und allen Trost in der Vermählung unserer Seelen zu finden . Wenn ich nachts einen besonders reinen Funkelstern ob dem düstern Gebirgskamm schweben sah , deuchte er mich Thekla zu sein , während ich mich dem Teiche bei der Schneekoppe verglich , der in seiner öden Felsenhaft von der Sternenbraut träumt , ohne mehr zu besitzen als ihr Spiegelbild . Es träumt aus düsterm Felsenschacht Ein totenstiller See Zur grenzenlosen Sternenpracht : » O Seligkeit und Weh ! Laßt taumeln mich , ihr Himmelshöhn , Versinken ganz in Schau ! Mein Funkelstern , so bräutlich schön Wie eine Perle Tau ! Und bleibst du , Engel , weltenfern , Streu deinen Silberschein , Dein Seelengleichnis , keuscher Stern , In meine Tiefen ein ! In meine Tiefen lockt ein Grund - O find ihn , Sternenbraut ! - Wo Erd und Himmel Mund an Mund Zur ewgen Ruh sich traut . « Theklas Antwort waren die wenigen Worte : » Dankbar lodert mein Herz , doch es beschämt mich die übergroße Verehrung , die du mir entgegenbringst . O mache mich zu dem , was dein Zutrauen in mir sieht ! Versinken möcht ich wohl im geliebten Bergsee ! « Diesem Schreiben war , gehüllt in zart Papier , eine Locke beigegeben . Welch Entzücken , süße Gattin , dein braun weich duftend Haar bei mir zu haben , es küssen , auf dem Herzen tragen zu dürfen ! Aber ach , dies Stück vom Körper der Geliebten , an dem ihr Hauch , ihr Wesen haftete , berauschte meine Sinne , und des Geblütes Gärung trieb heißes Träumen von Zärtlichkeit herfür . Ich lag mit Thekla unter einem Schleier , der unsere Körper gänzlich verhüllte . Im gleichen Gemache mit uns befanden sich Heinrich und Sibylle . » Wo ist Agnete ? « fragte Heinrich , und Sibylle antwortete : » Mag sein , bei Herrn Johannes . « Unter unserm Schleier blieben wir mäusleinstill und fühlten , wie uns die gnädige Heimlichkeit einander antraute . So heimlich süß war unsre Hochzeitsfeier : Wir lagen dicht Beisammen , überwallt von einem Schleier , Man sah uns nicht . Wir hörten , wie die Leute nach uns fragten Im gleichen Raum . Wir unterm Flore blieben reglos , wagten Zu atmen kaum . Nur unsre Hände durften sacht sich drücken , Wie küssend fand Sich Hauch zu Hauch , mein Knie war mit Entzücken An deins gebannt . Mein glühend Auge , das im Dunkeln schaute , Versank in deins ; Ich war in dir , du warst in mir , uns traute Die heilige Eins . Wohlan , was Edens Glut zusammenglühte , Trennt keine Welt . Hinweg denn , Angst , da uns die Hand der Güte Geborgen hält . Wir ruhn verhüllt ; zum Baldachin , zum Himmel Ward unser Flor . Uns singt von Flügelköpfchen ein Gewimmel Den Wonnechor . Als ich Thekla den Traum aufschrieb , fügte ich hinzu : » Hat meine Gattin schon bedacht , daß der kleine Johannes uns wiederkehren kann ? « - Eine Woche später kam die Antwort : » Du kennst die Mär von der schlafenden Maid , deren Schloß desgleichen schläft , eingesponnen von Rosendorn . Da dringt durch die abwehrende Hecke der Königssohn und erlöst mit seinem Kusse die Maid ; sie erwacht , das Hausgesinde , das ganze Schloß erwacht , Rosen erblühen aus dem Dorn , und Hochzeit wird gefeiert . In Deiner Thekla ist etwas ähnlich dieser Maid . Die arge Spindel der Spinnerin des Schicksals hat mich gestochen , und da ist der lange Schlaf über meine Sinne gekommen . Ach wohl , Johannes , Dein Schätzlein ist nicht mehr die frische kecke Jungfer von einst . Schwach und zahm ward mein Blut , kaum ein leis Seufzen ist in mir des Weibes Trieb nach Mutterschaft . Die Männer , so mich umwarben , seit ich Dich verlor , haben nicht vermocht meine Sinne aus dem Dornrösleinschlaf zu wecken , und selbst im trüben Licht des Felsendomes wirst Du wohl bemerkt haben , was für ein hinfällig Weibel die Agnete Kiesewaldin , die halt nimmer den Dolchstich der Kindesräuberin verwunden hat . - Und nun auf einmal bricht der Königssohn durch meine Dornenhecke . Was tust Du , Süßer ! Ich schaue Dein Auge , spüre Deinen Hauch , Deinen Kuß , Deine Umarmung - erweckt aufs neue , aufgestört ist ein glühend Sehnen in mir . Und gar vom kleinen Johannes raunest Du , der könne uns wiederkehren ... O Liebling , wie verführerisch kannst Du locken ! Ein Wirbelsturm tobt in meinem Herzen , ich wünsche heiß , doch zage zugleich vor der Erfüllung . Wiederkehren soll der kleine Johannes aus des Ewigen Schoße , wo er