« » So erlaube ihn mir ! Ich kann vielleicht in eine Lage kommen , in welcher eine still wirkende Klinge besser ist als ein laut krachender Schuß . Geh jetzt immer hinab . Ich will erst das Verzeichnis vom Aschyk zu mir tragen , um es einzuschließen . Dann komme ich nach . « Er schob den Chandschar in den Gürtel und ging hinaus . Ich aber steckte fürsorglich einige Lichter zu mir , obgleich ich keinen Grund hatte , sie für nötig zu halten , und stieg dann den Glockenweg zum Weideplatze hinunter , wo ich Kara , persisch gekleidet , bei den Pferden fand . Assil und Bark waren schon gesattelt , Syrr noch nicht . Ich tat es selbst . Sonderbar ! Als ich ihm das Mundstück einschieben wollte , weigerte er sich , seine Zähne zu öffnen . Ich bat ihn ; er tat es trotzdem nicht ; ihn aber zu zwingen , fiel mir gar nicht ein . Der Ustad kam grad dazu , als ich Kara beauftragte , den einfachen Halfter zu holen . » Blos mit Halfter willst du ihn reiten ? « fragte er . » Des Nachts ? Dort hinüber , wo vielleicht sehr viel davon abhängig ist , daß wir unserer Pferde vollständig sicher sind ? « » Laß Syrr seinen Willen ! « antwortete ich . » Ich habe nur nötig , ihn zu dem meinigen zu machen , dann kann uns nichts geschehen . Ein Reiter , der sich weniger auf das Pferd als vielmehr auf die Zäumung verläßt , bringt schließlich auch trotz dieser letzteren nichts fertig . Ein edles Pferd , welches Grund hat , den eisernen Zwang zu fürchten , kann seinen Herrn unmöglich liebgewonnen haben . « » Fast hättest du gesagt - - kann ihn nicht achten ! « lächelte der Ustad . » Natürlich denkst du hierbei neben dem Pferde an noch etwas ganz Anderes . Ich kenne dich ! « Syrr bekam also nur den Halfter ; dann ritten wir fort , über die Ruinen , an den Steinbrüchen hinunter und dann nach links , wo es hinauf zur jenseitigen Ebene ging , welche der Dschebel Adawa hoch überragte . Der Ustad war schon so oft dort gewesen , daß wir uns auf seine Terrainkenntnis vollständig verlassen konnten . Er schlug kluger Weise nicht die gerade Richtung ein . Wir ritten erst nach Norden und bogen dann in einem rechten Winkel nach Westen . Falls wir nun ja gesehen wurden , hatte es nicht den Anschein , als ob wir von den Dschamikun herüberkämen . Und das war gut . Denn wir hatten noch kaum die Hälfte des Weges zurückgelegt , so bemerkten wir auf der mondbeschienenen Fläche vor uns einen Reiter , welcher zwar stutzte , als er uns erblickte , aber doch nicht aus seiner bisherigen Richtung wich . Er mußte uns begegnen . Wir taten natürlich , als ob auch wir ihn nicht zu scheuen hätten , und hielten still , als er uns erreichte und grüßte . » Wo kommst du her ? « fragte der Ustad . » Von daher , wo Ihr hinreitet , « antwortete er . » Man sieht Euch doch gleich an , daß Ihr zu Ahriman Mirza gehört . Bringt Ihr gute Nachrichten aus Isphahan ? « » Vortreffliche . Man braucht dort nur noch die Zeit zu erfahren , so fährt der Säbel aus der Scheide . « » Das klingt gut ! Und die Zeit ist mir bekannt . Ich habe sie soeben von dem Mirza gehört und den Massaban von Feraghan entgegenzutragen , welche schon auf dem Wege sind . Wißt Ihr vom Rennen bei den Dschamikun ? « » Wir wissen Alles . Das Fest beginnt am Sonntag . Das Vorrennen findet am Montag statt , und das Hauptrennen wird am Dienstag sein . « » Das stimmt . Nun aber komme ich mit meiner wichtigen Kunde : Nämlich die Umschließung der Dschamikun findet am nächsten Tage , also Mittwoch , statt . Sie muß am Donnerstag früh vollendet sein . Sobald der Tag graut , schlagen wir von allen Seiten auf sie los . Diese Nachricht habe ich den Massaban zu bringen , und zwar eilig . Darum verzeiht , daß ich nicht länger halten kann ! « Er ritt weiter ; wir ebenso . Keiner von uns bezweifelte , daß wir diese hochwichtige Nachricht nur unsern persischen Anzügen zu verdanken hatten . Nun kam es darauf an , den Gefahren des Gesehenwerdens für uns vorzubeugen . Die Helligkeit erlaubte es nicht , uns etwaigen Beobachtungen vom Dschebel Adawa aus zu entziehen . Unser einziger Schutz bestand in der Vortäuschung , daß wir vom Lager der Takikurden nach dem Berge kämen . Daher umritten wir ihn in einem weiten Bogen , bis wir an seine westliche Seite gelangten , wo auch das Wasser floß , an dem sich Ibn el Idrak einstellen wollte . Dieser Bach war weit hinaus mit Buschwerk besetzt und bot uns also die beste Gelegenheit , uns unter guter Deckung anzunähern . Das glückte uns aufs Beste . Wir folgten den Windungen des Wassers und kamen also auch an diejenige , wo die Unterredung mit Ibn el Idrak stattfinden sollte . Es stimmte , daß ein einzelner , hoher Baum da stand . Nun brauchte der Ustad diesen Ort nicht später erst zu suchen . Jetzt handelte es sich zunächst um eine verborgene Stelle für unsere Pferde , bei denen ich zu bleiben hatte , weil Kara mit hinauf mußte , um dem Ustad den hohlen Hollunderbaum zu zeigen . Sie sollte sich bald finden . Als wir eine Strecke längs der Südseite des Berges geritten waren , schnitt eine schmale Schlucht tief in die Felsenmassen ein . Sie war nicht offen , sondern durch eine hohe , starke , uralte Mauer abgesperrt , deren obere Kante höchst unregelmäßig verlief , weil die Werkstücke von dort herabgestürzt waren und nun unten