, zu gehen , und geben dir unser Mitleid mit . Entferne dich ! « Das Feuer seiner Wut war schon fast niedergebrannt ; seine Haltung hatte schon nicht mehr das Herausfordernde wie vorhin . Jedoch bei meinem Worte Mitleid brauste er rasch wieder auf : » Euer Mitleid brauche ich nicht ; behaltet es für euch ! Ihr wollt euch also alles , was ich gesagt habe , ruhig gefallen lassen ? « » Ja ! « » Und schämt euch nicht vor euch selbst ? « » Nein , nicht einmal vor dir ! « » So wiederhole ich : Behaltet ja euer Mitleid für euch selbst ! Und da ihr davon so sehr viel braucht , so lasse ich euch noch dazu das meinige zurück . Eure Liebe macht mir so unendlichen Spaß , daß ich , so oft ich an sie denke , die Thränen des Gelächters über sie vergießen werde ! « » Lach ' immerhin ! Doch will ich dir auch etwas Ernstes mitgeben : Sei ja darauf bedacht , daß aus diesen Lachthränen nicht etwa Thränen der Reue und des Schmerzes werden ! Die Liebe , welche dir jetzt so spaßhaft vorkommt , lächelt nicht immerwährend . Sie wohnt in jedem Menschen , auch in dir . Halte sie ja fest , und lache nicht zu lange über sie , sonst könnte sie sich von dir wenden , und dann , das sage ich dir , ist es mit dem Gelächter aus ! « Er hielt mir seine Hand entgegen , mit der innern Fläche nach oben , als ob etwas darauf liege , und drehte sie schnell um , als ob er es fallen lasse , wie man zu thun pflegt , wenn es etwas abstoßend Häßliches ist . Diese Gebärde bedeutet in der Zeichensprache der Beduinen noch mehr als Nichtbeachtung oder Gleichgültigkeit . Man will damit sagen , daß einem das , was man gehört hat , im höchsten Grade widerwärtig ist . Dazu rief er lachend aus : » Ich mag nichts von ihr wissen ; sie mag sich von mir wenden ; ich hasse sie ! Desto fester halte ich die Rache ! Da mir die Beni Khalid nicht mehr helfen werden , so bin ich jetzt zu schwach gegen euch ; aber wehe euch , wenn ihr nach Mekka kommt ! Kehrt lieber jetzt noch um ! Denn sobald ihr mit dem Fuße das Gebiet der heiligen Stadt betretet , habt ihr den ersten Schritt in euer Verderben gethan . Ich schwöre es bei Allah und dem Propheten ! « Er erhob die Hand zum Schwure , drehte sich um und ging . Niemand hinderte ihn daran , obgleich es wohl den meisten Haddedihn in den Händen zuckte , ihm eine derbe Erinnerung mitzugeben . Wir sahen , daß der Münedschi im Sattel festgebunden wurde , eine Vorsichtsmaßregel , welche bei seinem eigenartigen Zustande sehr geboten war . Er schien das gar nicht zu bemerken , doch als sein Kamel sich in Bewegung setzte , wendete er uns sein Gesicht zu , in welchem die Augen geschlossen waren , und rief : » Lebt wohl für kurze Zeit ! El Aschdar hungerte vergeblich nach euch . Nun wird er seine eigenen Kinder verzehren ! Das Lächeln der Liebe ist verschwunden ; nun wird sie streng und - - - « Mehr hörten wir nicht , denn der Ghani versetzte dem Blinden mit dem Metrek einen Hieb , daß er schwieg . Es war auch dieses Mal wieder nicht seine Stimme , sondern diejenige Ben Nurs gewesen . Ich hatte vorhin gesagt , daß unsere Gewehre auf die Abziehenden gerichtet sein würden , denn es war ja doch möglich , daß einer von ihnen auf den Gedanken kommen könne , uns aus der Entfernung einen Schuß zuzusenden . Sie waren aber doch so klug , keinen Versuch dazu , ja nicht einmal eine drohende Bewegung zu machen . Wohin sie ritten , das war uns zunächst gleichgültig , doch wenn die Worte Ben Nurs eintrafen , so wie sie bisher eingetroffen waren , so war uns ein Wiedersehen mit ihnen gewiß , und zwar voraussichtlich ein sehr baldiges . Nun wendete Halef sich dem Scheik Tawil Ben Schahid zu . Sein Gesicht wurde wieder freundlich , und seine Stimme klang wie diejenige eines besorgten , aufmerksamen Freundes , als er zu ihm sagte : » Du hast vielleicht geglaubt , daß ich dich ganz vergessen habe . Entschuldige mich ! Ich fühlte mich verpflichtet , zunächst meinen lieben , alten Ghani mit der Wonne meiner Freundschaft zu beleuchten . Du hast wohl gehört , was ich zu ihm sagte ? Bitte , sprich dich doch aus ! « Der Scheik gab sich Mühe , weder Hoffnung noch Befürchtung in seinem Gesichte sehen zu lassen . Er antwortete möglichst gleichgültig : » Ich habe alles gehört . « » Auch daß wir dich erschießen sollen ? « » Ja . « » Was sich dieser Liebling des Großscherifs nicht alles einbildet . Wir sollten für ihn die Henker sein ! Was sagst denn du dazu ? « » Daß es ganz recht war , daß ihr euch nicht dazu hergegeben habt . « » Ja , richtig ! Es ist zwar wahr , daß du erschossen wirst , doch davon braucht der Ghani nichts zu wissen . Wir thun das bloß für uns ! « » Erschossen ? - Ich ? « » Ja , du . Wer anders ? « » Ich dachte - - - dachte - - - dachte - - ! « » Du dachtest - - - ? Ich bitte dich , gewöhne dir das unnötige Denken ab ! Es fällt schon schwer genug , wenn es nötig ist . Warum soll man sich da auch noch in überflüssiger Weise damit beschäftigen ! « » Aber ich meinte - - - ! « » Sei still ! Das unnütze Meinen ist ebenso zeitraubend wie das