Sergius Catilina , Du bist ein elender Selbstling . Jeder Legionär , der seine verblichene Rüstung putzt , ist ein Gott neben Dir im Wahn Deiner Grüße . CATILINA . Du bist - - zu Hause . CÄSAR . Ruhig und höre mich an ! Du glaubst die Menschen zu kennen , mich auch ? Hoher Menschenkenner , und das ist das Ganze ? Wolltest den Cäsar kennen und weißt nicht einmal , daß er ein Römer ist ? CATILINA . Was soll das ? CÄSAR . Ich spreche römisch . Auch meine Toga hat den historischen Zipfel : Krieg oder Frieden ! Ich diktire ihn - Du nimmst ihn an . Wo nicht - gut . Aber ich , Julius Cäsar , schwöre bei den Töchtern der Nacht und bei Fortuna , meiner Göttin , sei ' s geschworen : Mag Säbelheld Pompeius die Welt in einem einzigen Brand in Asche stürzen , wegschreitend über alle Pläne , die mir theuer - ich hindr ' ihn nicht . Und risse er sich einen ewigen Ruhm selbst von den Sternen , während müßig ich hier lungere , und kreuzte er mir völlig meiner Bestimmung Laufbahn - mag er ' s thun ! Doch wie der Leu , den man im Rücken faßt , sich auf den Hauptfeind stürzt , der vorn ihm droht , - so stürz ich mich auf Dich , nicht eher rastend , bis Du niedersinkst . CATILINA . Und was heischest Du so drohend ? CÄSAR . Wage keinen Schritt , der den inneren Bestand des Römerstaats gefährdet ! Wohl kenn ' ich Deine Verbrüderung mit Etruskern und Samniten . Man faselt von Autonomie der Provinzen , von einer Auflösung in selbstständige Communen , von einem Republiken-Bündel . Hochverrath an der Majestät der Res Publica , der Civitas Romana ! Die Demokratie mag siegen , aber nimmer die Anarchie . Eher sterb ich auf den Ruinen des Capitols , ich , Caius Julius Cäsar ! CATILINA für sich . Was werd ich verlieren ? Raum . Und gewinnen ? Zeit . Laut . Deine Bedingungen ? CÄSAR . Du setzest mich stets in Kenntniß von allen Beschlüssen Deines Bundes . Du verbürgst mir schriftlich Deinen Einfluß für das nächste künftige Consulat , das mir gehört . Und nur ein Catilinarier darf diesmal siegen , Du oder Marc Anton . - Nicht ? Wohlan , am Wahltag sehen wir uns wieder . CATILINA . Es sei . Ich verbürge Dir ' s. Ironisch . Wie lange gilt der Vertrag ? CÄSAR trocken . Bis die Umstände Dir erlauben ihn zu brechen . CATILINA . O mein Cäsar , Du kennst meine schwache Seite . Wenn ich bedenke , daß dieser theure Pompeius und die Cäsareaner seines Schwiegersohns sich binnen weniger Monde gegenseitig die Hälse brechen , dann träufeln mir Thränen einer gewissen Rührung hernieder . Lebwohl ! Deine Bekanntschaft war mir angenehm . CÄSAR . Lebwohl ! Besuche mich bald wieder ! Catilina ab . Er irrt sich in mir . Siegt er , wird er vollenden ? Er wird nicht . Nicht Zwei ja schufen die Unsterblichen zum selben Werk . Drum , Catilina , falle ! Boudoir der Fulvia . - Fulvia am Fenster , hinausspähend . Clodius steht hinter ihr . FULVIA . Eine Schwüle vor ' m Gewitter ! Alles still . Nur vom Marsfeld her dröhnt das Gewoge der Massen heran , die am Damm der Gesetze rütteln . Die Kugeln , die in die Wahl-Urne rollen , sind heut die ehernen Würfel des Schicksals . Horch , vom Ida donnert der siegspendende Zeus ! Ach , das sind ja Märchen . Dreht sich brüsque um . Was bedeutet das , mein Schöner ? Du willst nicht ? CLODIUS . Auf Ehre , nein . FULVIA . Warum nicht ? Bist Du schlecht bezahlt ? CLODIUS . Ich verachte schnöde Gewinnsucht . Meine Ehre - FULVIA . Was hast Du mit der Ehre zu schaffen ! Hilf dem Catilina ! CLODIUS . Mein sittliches Gefühl verbietet ' s Für sich . und Cäsar . FULVIA . Ei still ! Du , der Todfeind Cicero ' s - CLODIUS . Nein , nein , Catilina ist das Verderben . Eine Götterstimme sprach zu mir Für sich . und Cäsar . Laut . Doch auch Cicero - ich verschmähe seine Silberlinge . Nie vermöchte er mich zu kaufen ! FULVIA . Weil er kein Geld hat ! Ich glaube Dir , edler Patriot . - Bist Dir also selbst eine Partei ? CLODIUS . So ist ' s. Ich bin mir selbst eine Partei , allein Für sich . mit Cäsar . Sieht hinaus . Wird eine heiße Arbeit , viel Blut . Auf hundert Mann Todte und Verwundete muß ich rechnen . FULVIA . Auf der Verlust-Nechnung für Schmerzensgelder wohl das Doppelte ! CLODIUS . Tief schmerzet mich Dein Mißtraun . Ich liefre nur solide Waare . Ruft hinaus . He , Sulla ! SULLA draußen . He , Pulcher ! Erwünscht ! Bin im Augenblick oben ! FULVIA . Man erstürmt schon die Häuser , wie es scheint . Sulla tritt auf . Wie , Cornelius Sulla ? Ich empfange nie am Morgen . SULLA . Nie hätte ich gewagt , Allerschönste - aber dieser Tag bricht alle Schranken . Man ist außer sich . Die Gracchen steigen aus ihren Gräbern , die Welt geht unter und ich bin Wahlbeamter ! - Du , Clodius , was ich sagen wollte , der Julier hat uns , dem Jungen Rom , uns von der guten Gesellschaft , eingeschärft , gegen den Sergier zu stimmen . Natürlich , wir stimmen alle mit Cäsar . Ich wette ja immer auf Cäsar ' s Pferde . FULVIA . O gesinnungstüchtige Wähler ! O Curtiusse , begeistert stürzend in den Schlund - der Geldsäckel ! CLODIUS . An die Arbeit ! Ich werde für das Vaterland aus allen möglichen Wunden bluten - und ' s ihm gehörig