Ketzereien unterstützt zu sehen , verbeugte sich gegen die Bischofswerder , während der Geheimrat , von dem Gedanken geängstigt , die kaum erst überstandene Gefahr in neuer Gestalt heraufziehen zu sehen , sich mit der Frage an Lewin wandte : » Was war es doch , Lewin , mit dem Bredowschen Erbringe , von dem du mir vor Weihnachten erzähltest ? Nur der Eindruck ist mir geblieben . Ich hört es gerne noch einmal . Exzellenz Reale wird es gestatten , und Kathinka , die so lebhaft für Ringe plädiert , muß dir dankbar sein , etwas zur Verherrlichung ihres Themas zu hören . « » Gewiß « , bemerkte diese , » ich würde schon dankbar sein , unseren schweigsamen Freund sich überhaupt an unserem Gespräche beteiligen zu sehen , doppelt , wenn es in Verteidigung des Ringes und seiner welthistorischen Mission geschieht . Denn jedes Ding braucht seinen Mann , und ich wüßte nicht , was besser zusammenpaßte als ein Ring und Vetter Lewin . Vor allem , wenn es ein Trauring ist . Es ist ein stiller , natürlicher Bund zwischen beiden , und es ließe sich ein Märchen darüber schreiben ; ja ich glaube , ich könnte es , unpoetisch wie ich bin . Ich würde den Trauring als einen kleinen runden , in seiner Mitte ausgehöhlten König auffassen , der alle guten Leute beherrscht , die Ehrbaren und die Tugendsamen . Und an den Stufen seines Thrones stände sein erster Minister , als ehrbarster und tugendsamster , und er hieße Lewin . « Lewin wurde blaß und rot , faßte sich aber rasch und sagte ruhig : » Nach einer Charakterschilderung wie dieser werd ich mich freilich der an mich ergangenen Aufforderung nicht entziehen können , um so weniger , als es von König Pharaos Tagen her zu den Aufgaben und Vorrechten eines Tugendministers gehört , Träume zu deuten und Geschichten zu erzählen . Und so beginn ich denn : Es war also wirklich ein Erbring , breit und mit allerhand Zeichen , und eine junge Frau von Bredow , deren Eheherr , Josua von Bredow , Rittmeister und Amtshauptmann von Lehnin war , trug ihn am Ringfinger der linken Hand . Den Winter über lebte das junge Paar in der kleinen Perleberger Garnison , wenn aber der Mai kam , gingen sie , wie sich ' s gebührte , nach Lehnin , um in dem geräumigen Abthause , dem einzigen , das aus alten Klostertagen her noch geblieben war , ihre amtshauptmannschaftliche Wohnung und zugleich auch eine Sommerfrische zu nehmen . Das waren dann glückliche Wochen , und sie fuhren nach Plessow , Göttin , Rekahne , um die verschiedenen Rochows , und ebenso nach Groß-Kreuz , um den alten Herrn von Arnstedt zu besuchen , ihr liebstes aber blieb doch immer , an dem schönen Klostersee spazierenzugehn , besonders , wo zwischen Brombeer- und Haselsträuchern hin der Weg über die dicht in Blumen stehende Wiese läuft . « » Wie hübsch « , sagte Kathinka . » Ich hätte mit von der Partie sein mögen . « » Und eines Abends « , fuhr Lewin fort , » machten sie wieder ihren Spaziergang , und weil gerade die Hagerosen blühten , wandelte die junge Frau die Lust an , eine derselben zu pflücken . Sie drückte deshalb , um die Rose leichter abreißen zu können , einen dicht umherstehenden Haselstrauch beiseite , aber im selben Augenblicke , wo sie die Linke nach der Rose hin ausstreckte , schlug die stärkste der Haselruten wieder zurück und streifte ihr den Ring vom Finger . Sie sah den goldenen Bogen , den er in der Luft beschrieb , und wie er dann auf den Wiesenstreifen dicht hinter der Hecke niederfiel . Ein leiser Schrei kam über ihre Lippen ; dann teilten beide sorglich die Hecke , bückten sich und begannen zu suchen . Sie suchten noch , als schon die Mondsichel am stillen Abendhimmel stand ; sie suchten in der Frühe des Morgens und als es Mittag war . Aber umsonst , der Ring war fort . Du wolltest mit von der Partie sein , Kathinka ; vielleicht daß deine glückliche Hand ihn gefunden hätte . « » Keine Diversionen « , lachte diese . » Die Geschichte , die Geschichte . « » Und mit dem Ringe war das Glück des jungen Paares dahin ; nicht langsam und allmählich , sondern unmittelbar . Du hättest vorsichtiger sein sollen , sagte der Eheherr im Tone des Vorwurfs , und mit diesem Worte war es geschehen . Aus dem ersten Vorwurf wurde der erste Streit , und alles , was den Frieden eines Hauses stören kann , brach in Jahresfrist herein : Krankheit und Kränkung , Mißernten und Eifersucht . « » Auch Eifersucht ? Nicht doch . Du darfst deine Helden nicht mutwillig um die Gunst deiner Hörer bringen . « » Nur um sie neu zu gewinnen . Allerdings erst für spätere Zeiten . « » Dann überschlage , was zwischenliegt . « » So wollt ich auch . Die silberne Hochzeit war endlich nahe , und Josua von Bredow , der längst den Dienst quittiert und sich auf seine Amtshauptmannschaft in die Lehniner Einsamkeit zurückgezogen hatte , dachte trotz manchen Unfriedens , der nach wie vor in seinem Hause herrschte , den Tag zu feiern . Es waren doch immer fünfundzwanzig Jahre ! Er hatte deshalb einen großen Bogen Papier vor sich und schrieb eben die Namen derer auf , die zu dem Tage geladen werden sollten , als ihm Frau von Bredow , die trotz ihrer fünfundvierzig immer noch eine hübsche und stattliche Frau war , über die Schulter sah und auf das bestimmteste forderte , daß der alte Arnstedt , der sich auf dem letzten Potsdamer Ball ungebührlich benommen habe , gestrichen werden sollte . Eine Szene schien unvermeidlich . Da trat in großer Aufregung die Wirtschafterin ins Zimmer und sagte : Gnädiger Herr , da is er ; die alte Holtzendorffen